Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 23.1907

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1907

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 1


Mausoleum.

Entworfen von

der Fenster-

Kirche in Vejlby.
Aus »Architekten«, Kopenhagen.

Kirche in Onsild.
Aufgenommen von Th. Bindesboll.
Aus »Architekten«, Kopenhagen.

stehenden ,Villen hat dagegen — entschieden
unter österreichischem Einfluß — an Ruhe und
Geschlossenheit gewonnen. Man wird kaum fehl¬
gehen, wenn man einen Teil dieser Beein¬
flussung der Nachwirkung zuschreibt,
welche die beiden österreichischen Häuser
auf der Turiner Ausstellung ausübten.
Die Mailänder Ausstellungsbauten
zeigen wieder die Palastarchitektur der
modernen französischen Schule mit dem
Zuviel an Pylonen, Figuren und Ornament,
gipsernen Orgien der Bildhauer, von denen
unsre deutschen Ausstellungen dieses Jah¬
res sich so ernst und glücklich freigehalten
haben. Wo nur irgend möglich wurden
auch hier Portale und Fenster halbkreis¬
öder hufeisenförmig gestaltet; die Fenster
zeigen die unvermeidliche senkrechte Drei¬
teilung. Leider fehlt den Gebäuden, die
ausführlich in der neuen Turiner Zeit¬
schrift „L’Architettura Italiana“, wie in
„The Architectural Review“ (Lon¬
don) abgebildet zu finden sind, auch
der große Zug, der die Kuppel
d’Arroncos auf der Turiner Aus¬
stellung 1902 bedeutungsvoll machte.
Daneben tritt neuerdings in der
Grabmalkunst das Spielen mit ar¬
chaistischen Gebilden in einerWeise
hervor, die auch gegenüber den posenhaftesten Bildhauerarbeiten, auf
die wir früher gelegentlich hingewiesen haben, kaum als Besserung aus-
gelegt werden kann. Ein bezeichnendes Beispiel dieser Art, den Entwurf
eines Grabmals

von Ingenieur C. Galizzi in Bergamo, entnehmen wir dem
Augusthefte der „Ar-
chitettura Italiana“.
Im Begleittexte wird
die Originalität be¬
sonders betont. Dann
heißt es: „Der ernste
Charakter der archi¬
tektonischen Linien,
der so sehr vom Land¬
läufigen abweicht und
sich in so originellen
Formen äußert,spricht
sich in dem ganzen
Bauwerk aus und er¬
weckt einen tief
schwermütigen Ein¬
druck. Die Originali-
entspringt namentlich

Kirche in Hem.
Aufgenommen von Fr. Koch.
Aus »Architekten«, Kopenhagen.

tät der Formen
der Facettierung, durch deren unge¬
wöhnliche Anordnung der Künstler
höchst eigenartige Motive und vor
allem kräftige Licht- und Schatten¬
wirkungen erzielt“. Ein Beweis mehr, wie weit das heutige italienische
Kunstempfinden von dem unsern abweicht. Oder soll es Nachahmung
unsrer stammelnden Versuche mit archaischer Kunst sein?

Ing. C. Oalizzi.
Aus »L’Architettura Italiana«, Turin.

Zeitschriftenschau.
Wer die Fachzeitschriften nicht nur als gelegentliche Fundgruben für
Vorbilder und Anregungen betrachtet, sondern aus ihrem Inhalte Schlüsse
auf die Entwicklung der Geschmacksrichtungen und die Wechselwirkung
der verschiedenartigen Einflüsse zu ziehen versucht, wird mit besonderem
Interesse die von der herrschenden Architektur des betreffenden Landes
abweichenden Einzelerscheinungen betrachten, welche Wandlungen nicht
nur in der Bau- und Ausschmückungsweise, sondern meist auch in ge-
wissen bisher feststehenden Lebens- und Anschauungsweisen anzukündigen
pflegen. Aus den in den letzten Monaten erschienenen Heften seien daher
zunächst einige Beispiele dieser Art angeführt.
Die neue Pariser Zeitschrift „L’Architecte“ bringt eine »Halle« aus
der Avenue Victor Hugo von Plumet, ganz im Sinne unsrer Diele und der
modernisierten englisch-amerikanischen Halle, die als treffliche Leistung
abgeklärter moderner Kunst erscheint, ferner ein in seiner einfachen ge-
schlossenen Form vorzügliches Landlogierhaus mit 20 Wohnungen von
Patout. Daneben zeigt sich im Villenbau mehrfach amerikanischer Ein-
fluß und als Beispiel eines vornehmen Landsitzes wird eine Villa in Neu-
waldegg (Österreich) von Hackhoffer & Rumpelmayer in gemäßigtem mo-
dernen Barock vorgeführt.
In New York ist in Lawrence Street durch Architekt Edgar Josselyn
eine große Schule mit deutscher Renaissancefassade erbaut, die ebensogut
in einer deutschen Stadt stehen könnte, und in Chicago ist von Richard
Schmid ein großes Hofbräurestaurant mit einer Mischung alter Stilformen
nach Art unsrer großen Bier- und Weinpaläste, mit gotischen bemalten
Gewölben u. s. w., ausgestattet, während ein andres, »der Vogelsang«,
ganz in neuer Kunst — from the German point of view, wie „The American
Architect“ schreibt — ausgeführt ist.
In „The Builder“ (26. Mai 1906) sieht man mit Staunen an einem
Entwurf von A. H. Skipworth für das Ingrave Pfarrhaus bei Brentwood,
Essex, das allerdings noch schüchterne Hervortreten von augenscheinlich
Neu-Wiener Einflüssen — Schachbrettquerstreifen am Dreieckgiebel und
ähnliches in einerWeise,
die man sich noch ge-
fallen lassen kann, ob-
gleich wir die überlie-
ferten englischen For-
men vorziehen.
Im italienischen
Villenbau sehen wir,
wie seinerzeit in der
Architekturabteilung
der Turiner Ausstel¬
lung, in den Einzel-
heiten den Jugendstil
vorherrschen in kraus
durcheinanderwogen-
den Linien. Völlig na-
turalistische Blumen-
bündel treten an die Stelle
Verdachungen, wachsen an den Haus-
ecken aus der glatten Fläche eines
nach Wiener Manier schachbrettartig
gemusterten Streifens heraus und über
die Ecken eines kistenförmig glatten
Portalvorbaus hinweg. Der Gesamt-
aufbau der Stadthäuser, wie der frei-






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