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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0045

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Die Steinzeit im Schwarzwald

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9. Dergalingen (A.Säckingen), Kirchgrubenholz, 850 m. Unweit der von Dr. Pfannen-
stiel entdeckten Fundstelle sammelte ich mit E. Gersbach im Jahre 1933 auf einem auf
Sandstein liegenden Acker eine größere Anzahl von Silexstücken und Absplissen. Sie be-
standen vorwiegend aus grauem Muschelkalkhornstein, untergeordnet aus braunem und
rotem Bohnerzjaspis und weißem Jaspis. Anter den Muschelkalkhornsteinen find einige, die
deutliche Drandwirkung (Näpfchenbildung) zeigen. Auch ein stark abgenutzter Feuerstein
zum Feucrschlagen lag dabei. Ein kleiner Schaber und die Menge der auf kleiner Flüche
in kurzer Zeit gefundenen Splitter deuten auf eine Schlagstätte des Mesolithikums. — A.F.
10. Aha, Gem. Lenzkirch (AMeustaöt), 900 m. Bei der Antersuchung der Aufschlüsse,
die durch die erste künstliche Absenkung des Schluchsees im Jahre 1930 geschaffen wurden,
fand E. Oberdörfer im Delta des Fischbaches 90 cm unter der Oberfläche in fester
sandiger hellbrauner Mudde einen schönen Silexsplitter (Abb. 4). „Das Material dürfte

Abb. 4.
Mittelsteinzeitl.
Splitter von Aha.

nach der liebenswürdigen Auskunft Geh.Hofrat Prof. Dr. Deeckes am
ehesten aus dem obersten Jura stammen... Es handelt sich um einen
Dreikant, der aus einem Feuersteinknollen herausgeschlagen, aber
kaum retuschiert ist (Abspliß). Eine Zuordnung ist leider nicht mög-
lich. Seine Lagerung, die nach der Ausbildung der entsprechenden
Schichten sicher inöigen ist, läßt ein spät paläolithisches (bis mesolithi-
sches) Alter vermuten. Wir befinden uns gerade im sekundären Bir-
kengipsel. Die Hasel ist mit 2O°/o im Anstieg begriffen, Erle und Eiche
haben je erst 1<Vo. Eine horizontale Verschwemmung erscheint übrigens
nach der Art der Lagerstätte nicht ausgeschlossen. Der Silex wird hier
zuletzt unter dem Spiegel des Schluchsees, allerdings in allernächster
Nähe des Afers gelegen fein. Die Paläolithiker selbst mögen ja auch
einerseits am Afer des Sees, andererseits am Afer des Fischbachs ge-
sessen sein" (Oberdörfer, 1931). Zu diesem Fund macht Deecke (Bad.
Fber. II, 1932, 366 im Abschnitt über das Neolithikum!) weitere Be-
merkungen: Das Stück ist „ein grünlichbrauner Hornsteinabspliß von
3—4 cm Länge... Es war ein Spongien-Silex vom Aussehen der
schwäbischen Knollen aus dem obern Malm. Dearbeitungsfpuren fehl-
ten... Ob er paläolithisch oder jünger ist, läßt sich an ihm nicht er-
mitteln. Ich möchte ihn eher für neolithisch oder noch jünger taxieren.
Die Lage auf den Dryassanden besagt nicht sehr viel, weil sicher auf diesen Höhen über
1000 m die Glazialpflanzen sehr lange ausgehalten haben können. Aber er ist immerhin sehr
wichtig dafür, daß viel früher, als wir bisher annahmen, auch die höchsten Teile des Ge-
birges von den Bewohnern der Niederungen durchstreift worden sind. Die Ähnlichkeit des
Gesteins mit den schwäbischen Harnsteinen läßt weiter vermuten, daß von Osten her auf der
Abdachung zur Baar und Alb diese Wanderungen als auf dem bequemsten Weg er-
folgten". S. Tafel II, Abb. 1.
Im Hinblick auf die in wichtigen Dingen widerspruchsvollen Mitteilungen über dieses
Stück muh das Tatsächliche hier herausgeschält werden. Der Splitter ist 4,7 cm lang,
2,3 cm breit, 1,1 cm dick und besteht aus bräunlichgrauem Spongiensilex. Anverkennbar find
die Bearbeitungsspuren an der Basis und Spitze. Die Schneiden sind völlig unverletzt und
messerscharf, so daß auch an einen geringfügigen Transport in sandigen oder kiesigen
Massen nicht gedacht werden kann. Es ist richtig, daß sich das Alter des Splitters typo-
logisch nicht fassen läßt. Dann liegt aber auch kein Grund vor, ihn für neolithisch oder noch
jünger zu halten. Die Bemerkungen Deeckes über das Alter der Drhassande find völlig ab-
wegig. Sie entspringen seiner bekannten ablehnenden Haltung gegenüber den Erkennt-
nissen von den Klimaschwankungen während und nach der Eiszeit. Die Einlagerung des
Splitters in einer präborealen Schicht des postglazialen Profils läßt keinen Zweifel dar-
über zu, daß er mesolithisches Alter hat. Das Magdalcnien fällt mit feiner letzten Stufe
gerade noch in den Beginn des Subarktikums und das Neolithikum, auch das früheste, be-
ginnt in subatlantischer Zeit. — A.F.
11. Staufen, beim alten Schloß westlich der Etzenbacher Höhe, etwa 670 m. „Bruchstück
einer Jaspisklinge (?) gefunden durch einen Arbeiter" (Jahresbericht 1931, S. 368). Es
 
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