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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0134

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G. Kraft

rere West-Ost gerichtete Gräber zutage gekommen. Es waren nach Aussage des
Bauleiters teils Erdgräber, teils aber auch Steinkisten ohne Beigaben..
Ob die über den Steinkisten gelegenen Erdbestattungen mit den Beinlingen als
Beigaben merowingisch sind, erscheint mir sehr fraglich. Wahrscheinlich sind es
jüngere Gräber.
Im Sommer 1936 stieß man in der Rheinfelder Straße 21 beim Bau des
Wohnhauses Walter Wetzel auf menschliche Gebeine. Die Untersuchung der Stelle
ergab ein sorgfältig hergestelltes Plattengrab ohne Beigaben. Das Material der
Steinkiste soll Tuffstein gewesen sein (Herkunft?). Die Steinkiste, der eine Boden-
platte fehlte, war mit einer dreiteiligen Deckplatte abgedeckt (Länge der Steinkiste
1,85 m, Breite 0,45 ra). Der Grabboden lag 1,85 in unter dem heutigen Niveau.
Es ist somit das Gelände in späterer Zeit etwas aufgefüllt worden, was bei der
Lage am Fuß des Berges auch verständlich ist. Die Richtung der Steinkiste war
West-Ost. An der Wand der Baugrube waren noch eine Anzahl Erdgräber an-
geschnitten, die schon zerstört gewesen sein sollen. Im ganzen waren Reste von
mindestens 5 Gräbern vorhanden. Beigaben sind bei keinem beobachtet worden.
Es sind somit im Ortsetter von Grenzach an drei verschiedenen Stellen aleman-
nische Gräber festgestellt worden (s. Abb. 2). Da Plattengräber vorherrschend
waren und Beigaben gefehlt haben, gehören die Gräber einer späten Periode der
Merowingerzeit (oder dem frühen Mittelalter) an. Wir werden nicht fehlgehen,
wenn wir sie in das 7. oder 8. Iahrhundert setzen.

Die alemannische Zriihbesiedlung der Gemarkung Mengen
Zugleich Vorbericht über die Ausgrabungen 1932-1936.
Don G. Kraft, Freiburg i. Dr.
Mit 4 Abbildungen im Text und Tafeln XIV—XIX.
Die alemannische Landnahme ist das Xlrereignis der deutschen Geschichte am
Oberrhein; sie zu klären ist daher eine vordringliche Aufgabe der Forschung. Nach
dem heutigen Wissen sind dabei zwei Zeitstufen auseinander zu halten, die Er-
oberung des Landes, die von der Mitte des 3. bis in die Mitte des 5. Iahrhunderts
dauert (Völkerwanderungszeit) und die feste Besiedlung im 6. und 7. Iahrhundert
(merowingische Zeit; Landnahme). Während die unruhige Kampfzeit noch wenig
Spuren hat erkennen lassen st liegen die der folgenden Periode um so reicher zutage,
zunächst in Gestalt von Gräbern bezw. Gräberfeldern. Schon Heinrich Schreiber
ging vor fast vier Menschenaltern darauf aus, aus Urkunden und Fundnachrichten
eine möglichst lückenlose Statistik solcher Gräberfelder und so ein zusammenhän-
gendes Siedlungsbild jener Frühzeit zu gewinnen; allerdings schrieb er diese Gräber
den Kelten zu. Späterhin wandte sich das Interesse mehr der archäologischen Seite
zu (Lindenschmit, Brenner), doch ist es erst in den letzten Iahren I. Werner ge-
lungen, den Fundstoff in zeitliche Stufen aufzuteilen, von denen jede etwa ein
Iahrsünszigt umfaßt-. K. Schumacher gebührt das Verdienst, die Besiedlung einer
Dorfgemarkung im ganzen durch alle Zeiten, vor allem aber in der frühgermanischen
i In Südwestbaden die Siedlung Dreisach-Kinkelrain, ferner Gurtweil. Diese Zeit-
schrift III, 1936, 389.
? s. diese Zeitschrift III, 1936, 382.
 
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