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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0101

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W. R. Müller-Stoll, Ein Brotrest aus der Latene-Sieblung Breisach-Hochstetten 9l

Lin Brotrest aus der Latene-Liedlung Vreijach-Hochstetten
Von W. R. Müller-Stoll, Freiburg i. Br.
Mit l Abbildung auf Tafel VIII.
Die Ausgrabungen, die das Museum für Urgeschichte Freiburg i.Br. in den
Jahren 1931-1934 in Hochstetten bei Breisach im Bereich der Kiesgrube Gehr
durchführen liehst um die keltischen Siedlungsplätze der Spätlatenezeit sreizulegen,
förderten neben den eigentlichen archäologischen Funden eine große Zahl vege-
tabilischer Reste, in der Hauptsache Holzkohlen aus ehemaligen Lagerfeuern und
Herdstellen, zutage. Bei der Bearbeitung dieser Holzreste 2 fielen mir aus den bei-
den latenezeitlichen Fundstellen 37 und 54 (vgl. den Plan im Bericht von Kraft st
zwischen den Holzproben eigenartige verkohlte, unregelmäßig geformte Fragmente
auf, die unter dem Mikroskop nicht den für Hölzer charakteristischen Feinbau zeigten.
Die Fundstelle Nr. 37 ist ein zweifelsfreier keltischer Brunnen (Kraft a. a. O. S. 245),
Nr. 54 eine tiefe schachtartige Grube, die als unvollendete Brunnenanlage gedeutet
wird (a. a. O. S. 243). Bei der Bergung der Funde wurden die fraglichen Reste für
Holzkohlen gehalten; eine nähere Prüfung ergab jedoch, daß es sich auch nicht um
verkohlte Überreste von Früchten und dergl. handeln kann, da keinerlei Zellenstruk-
tur nachzuweisen war. Die Reste konnten jedoch nur organischen Ursprungs sein;
sie bestanden aus einer einheitlichen kohligen Masse, die schon mit bloßem Auge
einen gleichmäßigen, porösen bis blasigen Bau erkennen ließ. Es gelang, die aus
Grube 54 stammenden Bruchstücke wieder zusammenzufügen, wobei das in der Ab-
bildung wiedergegebene Gebilde entstand. Aus dem Brunnen 37 lagen zwar eine
größere Anzahl, doch sehr kleine, nicht mehr zusammensetzbare Fragmente von der-
selben Feinstruktur vor, die gleichen Ursprungs sein dürften.
Der abgebilöete Fund kann nur als prähistorischer Brotrest gedeutet werden.
Das Gebilde ist B rund, mißt 4stZ errr im Durchmesser und ist bis lst/2 crn hoch. Die
in der Abbildung dem Beschauer zugekehrte Seite ist ziemlich eben und zeigt eine
brotrindenähnliche Oberfläche. Auf der anderen Seite ist das Stück aufgebrochen
und läßt die poröse Innenstruktur erkennen. Wenn man ein Stück Brot im Feuer
verkohlt, entsteht unter starker Schrumpfung dieselbe kohlige, poröse Masse wie bei
unserem Fund, so daß die Deutung als prähistorisches Backwerk zu Recht bestehen
dürfte. Überreste von Körnern, Spelzen, Fruchtschalen oder Samenhäuten waren
auch nach Mazeration in der kohligen Masse nicht nachzuweisen. Das Brot scheint
demnach aus einem recht fein ausgemahlenen Mehl hergestellt zu sein. Die poröse
Beschaffenheit deutet auf einen lockeren Teig, dem vor dem Backen zum Zwecke des
„Gehens" ein Gärungserreger (Sauerteig) zugesetzt worden war. Die Gröhe des
Stückes mag in frischem Zustand etwa der in der Abbildung gewählten entsprochen
haben; bei der Verkohlung hat sich diese auf das heutige Maß verringert. Die er-
haltene, ziemlich ebene Oberfläche halte ich für die ursprüngliche Unterseite des
Brotrestes, mit der er dem Boden des Backofens auflag. Er dürfte nahezu die
Größe und ungefähr das Aussehen unserer heutigen kleinen Brötchen besessen
haben. Dadurch daß das Stück durch ein Versehen ins Feuer gefallen und verkohlt
ist, blieb es bis auf unsere Tage erhalten, Unverkohlte Reste dieser Art sind in
keinem Falle erhaltungsfähig.

1 Kraft, G., Breisach-Hochstetten. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen 1931/34.
Bad. Fber. III, 1935, S. 225-302.
2 Müller-Stoll, W. R., Untersuchungen urgeschichtlicher Holzreste nebst Anleitung zu
ihrer Bestimmung. Prähist. Ztschr. Bd. 27, .1936, S. 2-57 (1937).
 
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