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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0107

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L.Hahl, Eine silberne Merkurstatuette aus Offenburg

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Line silberne Merkurstatuette aus Offenburg
Don Lothar Hahl, Freiburg i. Br.
Mit Tafel X.
Die auf Tafel X abgebildete Merkurstatuette stammt aus Offenburg und wurde
durch die Fürsorge von Herrn Professor Dr. Batzer, dem Leiter der dortigen
städtischen Sammlung, geborgen X Im Gewann Nachtweide, nördlich der Kinzig-
brücke, befindet sich eine städtische Kiesgrube, die durch einen Bagger abgebaut
wird, da wegen der in der Nähe vorbeifliehenden Kinzig der Grundwasserstand
sehr hoch ist. Größere Mengen römischer Keramik, die hier seit einiger Zeit heraus-
kommen, legen es nahe, an dieser Stelle die römische Niederlassung oder das
Kastell zu suchen. Dort wurde auch die Statuette in der letzten Märzwoche des
Iahres 1936 gesundend Nach Aussage der Arbeiter holte sie der Bagger aus
einer Tiefe von 3-4 nr heraus.
Die 7,9 cur hohe^ und 83 g schwere Figur ist aus Silber und voll gegossen. An
den Flügeln, an der Chlamys, an dem durch einen Steg mit dem Körper verbun-
denen Beutel sind noch mehr oder weniger starke Spuren von Vergoldung zu er-
kennen. Die von eingravierten (?) Kreisen umrandeten Brustwarzen und die Augen
sind mitgegossen. Durch eine muldenförmige Vertiefung ist die Pupille angegeben st
beim rechten Auge ist sie klein und flach, beim linken dagegen etwas größer. Gra-
viert sind die Federn aus den Außenseiten der Flügel, die Innenseiten sind glatt
gelassen. Der ursprüngliche Zustand dec antiken Oberfläche ist, abgesehen von der
Patinierung, nicht mehr überall erhalten geblieben. Die glänzende seine Gußhaut
ist vielfach zerstört. Doch wird der Gesamteindruck dadurch kaum beeinträchtigt,
ebensowenig wie durch einige kleinere Gußsehler (auf der rechten Schulter und der
linken Seite, über der rechten Hüfte, oberhalb des Nabels, im Rücken über den
Gluttäen). Das Silber selbst ist von einer dünnen, schwärzlich leuchtenden Patina
überzogen, die wohl durch Schweselverbindungen hervorgerufen ist. An manchen
Stellen schimmert das blanke Metall hindurch. Dieser ausgezeichnete Erhaltungs-
zustand ist aus das Lagern im Wasser oder im feuchten Sande zurückzuführen. Stö-
rend machen sich nur einige Verbiegungen bemerkbar. Der rechte Fuß ist nach oben
verbogen und leicht einwärts gedreht. Vielleicht steht jetzt auch das linke Bein
etwas zu sehr nach außen. Diese Beschädigungen sind wahrscheinlich erst beim Aus-
baggern entstanden. Bei dieser Gelegenheit ging wohl auch der Caduceus verloren.
In der linken Hand ist noch ein kleines Stückchen davon zu sehen, zwei parallel lau-
sende Drähtchen mit ganz frischen Bruchstellen. Nachträglich brach davon noch ein
kleines O-förmiges Teilchen ab, das aus tordiertem Draht besteht (s. Tas. Xu).
Nach Ausweis dieser Reste war der Caduceus aus zwei miteinander verflochtenen
Stäben (Schlangen?) gebildet, die am Ende in eine oder zwei große Schlaufen aus-

i Für weitgehendes Entgegenkommen bei der Bearbeitung der Merkurstatuette habe
ich Herrn Professor Dr. Kraft und Herrn Professor Dr. Batzer zu danken. Herr Professor
Batzer war auch so liebenswürdig, mit mir die Fundstelle zu besichtigen.
? Kurz erwähnt und abgebildet von E. Batzer, Wo lag das Offenburger Kastell?
Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins N.F. 50, 1936, S. 246. Äber die anderen
Funde aus der Kiesgrube vgl. ebenda S. 245 f.
3 Gemessen vom r. Flügel bis zur r. Ferse. Dom Scheitel bis zur r. Ferse beträgt die
Höhe 7,7 cm.
Zu dieser Technik vgl. K. A. Neugebauer, 87. Winkelmannsprogramm der archäologi-
schen Gesellschaft zu Berlin (1927) S. 13 f. mit Anm. 2.

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