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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0071

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Die Steinzeit im Schwarzwald

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mag der Mensch hier Baumschwämme zur Zunderbereitung gesammelt habend
Wichtiger erscheint mir jedoch das Schlagen wertvoller Hölzer, die mit der stei-
nernen Axt aus dem lebenden Baum gehauen werden mußten, vor allen andern
des Eibenholzes. Es war wegen seiner Elastizität und Zähigkeit für die Her-
stellung von Bogen besonders begehrt, wurde aber auch zu anderem Gerät vielfach
verarbeitet. Ischer (1928) und v. Tröltsch (1902) erwähnen Türriegel, Spindeln,
Griffe für Feuersteinsägen, Messer, Keulen, Kämme usw. aus den Pfahlbauten der
Voralpenseen. Es ist sehr Wohl möglich, daß die Eibe in den Eichenwäldern der
Ebene in neolithischer Zeit fehlte oder selten war, während sie als Anterholz in
den Schattholzwaldungen, vor allem im Buchenwald, noch häufig vorkam. Auch
heute findet sie sich in der Ebene beiderseits des Rheines nicht, Wohl aber in den
unteren und mittleren Lagen des Schwarzwaldes und der Vogesen. Wenn sie, was
wir nicht belegen können, im Neolithikum in der Ebene und in der Vorbergzone
vorkam, so waren ihre Bestände dort allmählich durch den starken Bedarf einer
zahlreichen Bevölkerung und die von ihr ausgeübte Rodungstätigkeit sicher stark
gelichtet oder vernichtet worden.
Schließlich darf noch darauf hingewiesen werden, daß der Neolithiker in den
Buchenwäldern der unteren Höhenstufe des Gebirges die wertvollen Bucheckern
in weit reichlicherem Maße sammeln konnte, als in seinen Hochlagen oder in der
Ebene.
Ein sommerlicher Viehweidebetrieb (vielleicht mit Hüttenbauten für die Her-
der), wie er heute in den mittleren und oberen Teilen des Schwarzwaldes und an-
derer Gebirge stattfindet, kann zur Erklärung der neolithischen Steinbeilfunde nicht
herangezogen werden. Er würde voraussetzen, daß in der jüngeren Steinzeit diese
Gebiete weniger stark bewaldet gewesen wären, als die Ebene, die Vorbergzone
und die übrigen Siedlungsgebiete, was nicht zutrifft (vgl. Gutzwiller, 1936).
VIII. Die Veränderung des LandschafLsbildes durch den
steinzeitlichen Menschen.
Nur im Zusammenhang mit der Besiedlung des Schwarzwaldes konnte
eine Veränderung seines natürlichen Landschaftsbild es erfolgen.
Sie war nur geringfügig und von kurzer Dauer, solange nicht der Boden als Acker-
land der Ernährung dienstbar gemacht wurde.
Bis jetzt haben sich keine Anzeichen dafür ergeben, daß etwa schon der Mensch
des Magdaleniens oder des Mesolithikums in unserem Gebiet Ackerbau
getrieben habe. Wohl mag er an seinem Lagerplatz selbst oder in seiner Umgebung
hinderliches Gebüsch beseitigt und geeignete Stangen zum Hüttenbau und zur Her-
stellung hölzerner Geräte geholt haben, wohl mag nicht selten von einem Lager-
feuer aus das Grasland oder der Wald in Brand gesteckt worden sein, — namhafte
und nachhaltige Veränderungen des Landschaftsbildes, eine Beseitigung der Ge-
hölze oder Wälder vor allem, sind von diesen Siedlungen kaum ausgegangen. Wohl
aber mag der Mensch der jüngeren Steinzeit die ersten Lücken in den Wald

io Der -Zunderfchwamm (bome8 foinentmiu8 ü.) befällt mit Vorliebe die Buchen, der
gemeine Feuerschwamm (bome8 i§nisriu8 b.) und der Eichenschwamm (Oaeäalea guer-
aina ü.) die Eichen. Diese drei, in den Pfahlbauten des Bodensees festgestellten Baum-
schwämme (v. Tröltsch, 1902; Bertsch, 1932) waren also im Neolithikum vor allen an die
unteren mW mittleren Lagen des Gebirges gebunden.
 
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