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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0141

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Die alemannische Frühbesieölung der Gemarkung Mengen

13l

des 6. Jahrhunderts datiert ist 26"; seine typische Ausstattung ließ es geeignet er-
scheinen, als Musterbeispiel für Werner's Gruppe III in der Abfolge der mero-
wingischen Gräber zu dienen^. Ebenso klar heben sich reiche Frauengräber des
7. Jahrhunderts ab, aus denen z. B. die filigran- und steinverzierten Scheiben-
fibeln aus Goldblech stammen. Ein besonderes Stück ist die quadratische massive Gold-
fibel aus Grab 403 (Taf. XVIIIst^, pfe in der Anbringung und Fassung der Steine
en cabochon zunächst an karolingische und frühmittelalterliche Schmuckstücke er-
innert, doch beweisen die Beifunde ihre Zugehörigkeit in die merowingische Zeit.
H. Zeiß machte gelegentlich auf die Ähnlichkeit mit westgotischen Funden in Spanien
(Schatzfund von Guarrazar) aufmerksam. Da die späten merowingischen Funde noch
in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts hineinreichen werden, bleibt zwischen dem
Ende unseres Friedhofs und der ersten urkundlichen Erwähnung nur der Zeitraum
einer Generation, also keine nennenswerte Lücke.
Ist also schon die archäologische Ausbeute an Grabformen und Funden und
die anthropologische an Skeletten recht befriedigend, so besteht erst recht gute Aus-
sicht, die Hauptfrage, die nach dem Ausbau der Bevölkerung der zugehörigen Sied-
lung, beantworten zu können. Ein bäuerlicher Friedhof wird nur wenige museal
und chronologisch bedeutsame Gräber liefern, während z. B. der alemannische Fried-
hof von Kleinhüningen bei Basel einen größeren Reichtum zeigt, der wohl dem
Verkehr auf, am und über den Rhein zu verdanken ist, aber der Großteil der
Gräber (106 von 182) ist alt ausgeplündert, ebenso in manchen anderen Gräber-
feldern, sodaß statistische Untersuchungen so gut wie unmöglich gemacht sind. Dazu
kommt, daß in Mengen das Friedhofsgelände nicht überbaut und frei von grö-
ßeren störenden Eingriffen ist, und wenn die Funde oft bescheiden sind, so hat doch
fast jedes Grab außer dem Skelett bezw. -teilen irgendwelche Beigaben, aus denen
sich, selbst wenn die Knochen stark verwittert sind, statistische Ausschlüsse gewinnen
lassen. Es steht also zu erwarten, daß sich ein geschlossenes Bild der Bevölkerung
einer uralemannischen Siedlung ergibt.
Damit ergibt sich- auch die Möglichkeit, diese Stelle mit anderen, die auf
gleichem Wege erforscht sind, zu vergleichen. Heute sind es zwar deren noch wenige,
aber sie genügen zu einer ersten Übersicht. Zunächst fällt dabei die Verschiedenheit
in der Größe der Friedhöfe auf. Güttingen, wo 104 Gräber aufgedeckt sind, wird
einschließlich der zerstörten und noch nicht ausgegrabenen kaum mehr als 150 bis
200 gezählt haben. Herten ist ausgegraben, aber manches ist durch eine Kiesgrube
ohne Beobachtung zerstört und kleinere Gräbergruppen mögen noch in einiger Ent-
fernung verborgen im Boden ruhen 2«, immerhin mag mit 430 Gräbern zu rechnen
26 Rachr.Bl. f. dtsche Vorzeit 9, 1933, 200 (I. Werner); s. diese Zeitschrift III,
1933, 89 ff. (I. Werner).
2" I. Werner, Münzdatierte australische Grabfunde, 1935 Tas. 4L.
27s. Das Grab enthielt: Inv. P 36/371 fa) grober Spinnwirtel, offenbar nicht zuge-
hörig, am Südostende,j b) Goldbrosche, c) 28 Perlen am Hals und unter Unterkiefer
(s. Abbildung, oben Mitte), ck) große doppelkonische Perle am l. Schlüsselbein (Mitte),
e) massives Bronzestäbchen (unten), oberhalb des r. Beckens schräg im Boden steckend; am
l. Ende profiliert, abgebrochenes Öhr; r. Ende deformiert, t) Reste einer Eisenschnalle,
zwischen r. Becken und Unterarm, §) 11 Perlen am Decken (l. oben), b) fim Grabungs-
bericht: „länglicher Anhänger, über r. Becken"; fehlt), >) Reste eines Eisenmesfers und eines
Beinkamms mit Bronzeniet, l. neben l. Oberschenkel, k) runde Bronzeniete mit 3 Löchern,
oberhalb des Messers (oben r.), l) silberne Riemenzunge mit eingepunzten Dreiecken, am
l. Fuß, m) ebenso, unverziert, am r. Fuß, n) Reste einer Eisenschnalle am r. Fuß, o) sil-
bertauschierte Eisenschnalle, l. Fuß, p) 6 Perlen, neben Mitte der Wirbelsäule (links
Mitte und unten), q) Eisenreste („Eisenring, zwischen Fingern und l. Decken").
26 Gerade für die Frage: Sammelfriedhof—Gräbergruppe, Dorf — Hof (Weiler) ver-
spricht Herten sehr aufschlußreich zu werden.
 
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