Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 80
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Gestalten sind harter, unschöner nnd plnniper,
besonders in Extremitäten, die Füße geradezu
als Plattfüße gebildet, die Hände ganz niigelenk.
Gegenüber der schlichten, oft nüchternen Ruhe
bei Zeitblom macht sich bei St, ein Streben
nach lebensvoller Bewegung geltend, daS sedoch
mehr in Aenßerlichkeitcu sich knndgiebt, wie in
den flatternden Gewändern, die in sonderbarem
Gegensatz zu den steifen vierschrötigen Gestalten
stehen. Ist St, so im AnSdrnck nnd i» der
Zeichnung unbefriedigend, so ist er dagegen als
Kolorist hervorragend und übertrifft als solcher
die älteren schwäbischen sowie auch die gleich-
zeitigen Farbenknnstler, Seine Färbung, die
von einem glänzenden Lackrvl nnsgeht, ist eine
außerordentlich liefe. In der ersten Zeit giebt
er seinen Tafeln einen Goldgrund, später —
z, B. in der (in der Pinakothek, Nr, 183) be-
findlichen Darstellung Davids mit dem Haupte
des Goliath — bilden den Hintergrund Land-
schaften mit einem Sec (Bodensee?), »vorüber
sich ein tiefblauer Himmel wölbt bereits
italienischen Renaissance.Einflnß, allerdings noch
in leichtem Grade, nicht verleugnend. Später
scheint der etwas jüngere Hans Bnrgkmnier
in Augsburg auf ihn cingewirkt zu haben, »vo-
ran namentlich der „Norbertinus" erinnert,
„Die Färbung erhält mehr Licht und wird da-
durch klarer, die Zeichnung ist richtiger, Hal-
tung und Bewegnng sind glücklicher."
Der katholischen Auffassung von der
kirchlichen Malerei blieb St., in dessen
letzte Schaffcnszeit noch die Anfangsperiode
der Reformation siel, wenn er auch in
dieser religiösen Krisis eine mehr ver-
mittelnde Haltung einnahm, Iren; den
Bildersturm, die SchreckenSzeit der neuen
Bewegnng, welche ihm die Angen voll ge-
öffnet haben würde, erlebte er glücklicher-
weise nicht mehr. Im großen Allgemeinen
wurde St. in den ersten Zeiten seiner
Wiederentdecknng etwas überschätzt und ist
ihm Zeitblom ebenso Holbein weit über,
wie er auch noch unter dem bereits in
der Malknnst fortgeschritteneren Schaffner
steht. Er ist einer der ersten schwäbischen
Maler, der sich nicht ans die rein kirchliche
Kunst beschränkte, sondern sich auch der
Profan- -— und zwar der Bildnismalerei
— sozusagen als deren Gründer in der
schwäbischen Malerschule zngewandt hat;
und ist er als Porträtist sogar entschieden
bedeutender, wie als biblischer Historien-
maler; verewigt hat er sich als solcher
namentlich durch die Bildnisse seines kaiser-
lichen Gönners, Maximilian I., dessen
privilegierter Leibmalcr er laut jener (zu
seiner Wiederentdecknng führenden) Inschrift
auf dem 1520 gefertigte» Conterfci Cnspn

nians war (»czui solus eclicto Lnesnrem
Nnximilianum p>in§ere sussus«), „Seine
Bildnisse des Patriziers Konr. v. Rehlingen
und seiner Kinder, von Kaiser Max I,
sowie eines Patriziers Haller" — welch'
letzteres, nebenbei bemerkt, dem Noner-
porträt des Malers „Hans v. Schwatz"
ähnelt — „leiden zwar an schwacher Model-
lierung, schlecht gezeichneten Händen und
mangelhasier Anordnung, auf der andern
Seite aber erfreue»! sie durch individuellen
Ausdruck nnd sarbcnprächtige Durchfüh-
rung." Immerhin zählt St, noch in die
er sie Reihe der schwäbischen Malerschnle,
welche durch seine Wiederentdecknng nnd
Feststellung eine wesentliche Bereicherung
erfahren hat nnd als deren produ kt iv ster
nnd vielseitigster Meister er bezeichnet wer-
den darf.
Und ein solcher Meister, entschieden
das bedeutendste Glied der gesamten Künst-
lerfamilie Strigel, von welcher nur an
einige den» B. St. nicht gleichkommende
Meister, wie an HanS und Ivo St., ein
schwacher Schimmer des Gedächtnisses in
Schwaben zurückgeblieben war, konnte fast
so ganz in Bergessenheit — wozu der beinahe
gleich nach seinem Ableben entstandene
Bildersturm nicht wenig beigetragen hat
— geraten nnd ans den Annalen der
Kunstgeschichte verschwinden, n», erst nach
31/2 Jahrhunderten nur mit Mühe wicder
anSgegraben zu werden!

Briefkasten.
Nach B, Unter Dank für die llebersendung
deS betreffende»» Bl, halte ich eS, Ihre Ansicht
teilend, unter meiner Würde, ans solche erbärm-
liche, gewöhnliche Kläffereien zu reagieren,
Anfrag e.
Wer könnte über folgende Persönlichkeiten
des 16. Jahrhunderts, deren Porträts »och vor-
handen sind, Anskunft geben?
Ilsinricus Ne WetZis (Wädgis in der
Schweiz?).
UNalricus Ne UekerlinAen,
dlrrgtster NsrebtcNNus,
Naggster Ilccinricus Ns Lape,I,r (von Kappel
in der Schweiz oder an» Gehrenberg?),
kNaggster blberaarNas Ns Ilorvvs (Horb in
Württemberg),
^VntNenmrus sneerNos.
VValterus Ns lüobeZch,
N-Nstsr Utrieus Ne dlnsrnNsrßc.
Lsrsbtolclus Ns VVNNenfsl-;,
MüAtstsr Ileiirrisns Nieten; »Sero Ne Tnek,in§ei!.
Karlsruhe i, B. Mone.

Stuttgart, Buchdriickerct der Alt.-Gef. „DentfcheZ VolkZblcitt".
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