Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 16
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lilcnierc ^Vitrciluiigcli.

Die Franzosen in Wangen l. A. ,»i

17g6 oder die Macht derKlßlegger
Krebse Als der Interims - Divisionsgeneral
tarreau berüchtigten Andenkens sein Haupt-
quartier in dein Reichsstadtchen Wangen hatte,
schrieb er sehr beträchtliche Getreideliefernngen in
die lsichsgräflich Truchseß-Wolseggsche Herrschaft
Kißleggaus. Vergebens stellte der Oberbeamte
B(P)rielmaier in Kißlegg vor, die Herrschaft
sei der Neichsritterschast einverleibt, der Kontri-
butionsanteil schon entrichtet und jede weitere
Forderung eine Verletzung des Waffenstillstands-
vertrages. Tarreau verstand dies aber nicht und
war überhaupt nicht gewohnt, auf Vorstellungen
zu achte». Er drohte einfach mil militärischer
Exekution. Nach dem Rate eines Freundes, der
den berüchtigten Räuberhauptmann näher kannte,
machte jetzt Brielmaier einen Angriff auf eine
schwache Seite desselben. Er sandte eine Liefe-
rung der köstlichen Krebse, die man außer in
dem Kißlegger See damals nirgends so in Schwa-
ben fand, auf seine Tafel. Tarreau, der eine
leckere Mahlzeit ebensosehr liebte, als er die
Menschlichkeit haßte, fand die Krebse geradezu
deliziös. Der Tiger ward zum sanften Lämmchen.
Er lud den Beamten zur Tafel und gab flugs
einen Machtbefehl, kraft dessen die Getreiderequi-
sition zurückgeuommen, hingegen die Krebse des
Kißlegger Sees samt und sonders ausschließlich
für seinen Tisch in Requisition gesetzt wurden.

-clc.

Ein tapferer schwäbischer Prälat.
Zu deu kirchlichen Würdenträgern, welche zu
früheren Zeiten in der einen Hand den Hirten-
stab, in der andern das Schwert führten, zählte
u. a. Abt Georg III. (1481-1605) Mahler
des Prämonstratenserstists Noggenburg in
bayerisch Schwaben aus Ulm, juris utr. Or. und
Kaiser Friedrichs III. wirklicher Geh. Rat. Eine
Hauptrolle spielte dieser Prälat unter dem Schwa-
ben- oder St. Georgenbund und setzte er sich nament-
lich gegen Herzog Georg von Bayern, welcher
u. a. auch in das Klostergebiet von Noggen-
burg eingefallen war, hier übel hauste und das
Kloster rein ausplünderte, ritterlich zur Wehre.
Er war kühn und von Statur überlang, trug ge-
wöhnlich unter seinem Rock, wenn er aufs Rat-
haus zu den Rechten ging, ein ganzes Panzer-
hemd und ein bayerisches langes Rappier mit
einem langen Heft, von Hirnschalen gemacht, und
ließ sich oft vernehmen, er habe Mut genug, mit
fünf Bayern sich herumzuhauen, wann sie ihn
redlich angreifen (Fuggers Spiegel der Ehren
des ErzHauses Oesterreich, S. 1007). Die Bayern
hatten auch solchen Respekt vor ihm, daß sie in
ihrer Fehde mit ihm, um nicht erkannt zu wer-
den, ihres Herrn Herzogs Georg Sossarbe in die
Aermel verbargen. In der letzten Zeit seiner
Regierung, i. Z. 1S00, erhielt er vom Papst
Alexander VI. die Insul nebst den Pontifikal-
insignien und vom selben wie vom Kaiser die Be-
stätigung aller Freiheiten und Privilegien, -clc.

katholische
wenigen Ge-

lehrten bekannt, daß es auch eine sog.
Hohenlohesche Bibel gibt. Es ist dies eine
katholische Bibelübersetzung in deutscher Sprache,
die Fürst (1719—SS) Karl Albrecht von Hohen-
lohe-Schillingsfürst 1763 veranstalten ließ.
Dieses wertvolle Buch ist nur noch in wenigen
Exemplaren vorhanden, im festen Besitz in Biblio-
theken und sehr teuer. Es ist bei Fleischmann
und Launoy in Nürnberg in Großfolio gedruckt,
mit 212 Kupferstichen geziert, nach der lateinischen
sogenannten Vulgata bearbeitet, mit Übersichten
der biblischeil Bücher und Suminarien für jedes
Kapitel, mit chronologischen und andern Tabellen
ausgestattet, auch ist ihm ein biblischer Katechis-
mus zum Gebrauch für Katholiken beigegeben.
Voran steht eine an den Fürsten gerichtete Wid-
mung von Johann Anton Gehrich, Lizentiaten
der kathol. Theologie in Nürnberg. Dieser darf
sonach vielleicht als Hauptarbeiter an dein Werk be-
trachtet werden, welchem das kaiserliche Privi-
legium so wenig als die Approbation des bischöf-
lichen Stuhls von Bamberg fehlt. Es sei, führt
die Vorrede ans, eine irrige Voraussetznng der
Protestanten, daß die römische Kirche ihren Laien
jemals das Bibellesen gänzlich verboten hätte.
Nur des durch „meisterlose, rasende Kinder" der-
selben naheliegenden Mißbrauches wegen sei das
eigene Lesen und Forschen in der heiligen Schrift
durch Päpste und Kirchenversamnilungen bedingt
untersagt und nur mit Rat seines Seelsorgers
Laien gestattet. Die neuere Zeit habe zumal in
Deutschland die frühere nötige Schärfe gemildert,
und wenn der Gebrauch einer katholischen Bibel-
übersetzung in Demut und Gehorsam mit auf-
richtiger Lernbegierde geschehe, so können ihn die
kirchlichen Oberen nur löblich finden. Diese Er-
klärung ist von den zur Kommende Nürnberg
verordneten Geistlichen des Deutschordens unter-
zeichnet, welche im Titel als Herausgeber genannt
sind. Das dem Bibelwerk vorangestellte Bild des
Fürsteil Karl Albrecht trägt die Ueberschrift:
,l)eo> von nodis.- Eiu Exemplar be-

findet sich u. a. iil der großen Bibelsaminlung
der K. öffentlichen Bibliothek zu Stuttgart und
ist ein Geschenk des Fürsten Friedrich Karl zu
Hohenlohe-Waldenburg.

o. Eins Hohenlohesche
i b e l. Es ist nur noch

A u s s ch r e i b e n.

Der i. I. iggi Professor Birlinger in
Bonn hatte eine handschriftliche Chronik ivder
Tagebuch), betitelt: ^rinarium c^uocllideti-
cui» etc. über die Jahre 1736 und folgeude
vou dein dem Konvente Riedlingen angehörigen
Kapuzinermönche Fr. Andreas (ans Unter-
marchthal) in ca. 7 Bänden mit eingeklebten
Bildern (Kupferstichen :e.) in Häuden. Der Über-
zeichnete bittet (gegen Kostenersatz) jedermann,
wer irgend etwas über den Verbleib ze. dieser
Chronik zu sagen vermag, namentlich auch die
Herren Pfleger der historischeil Kommission sowie
Pfarrämter, dringend um gefällige
hauptsächlich in der Richtung, Ivohin
dieses Manuskript nach dem Tode Birlingers ge-
kommen ist und m wessen Händen sich dasselbe
zur Zeit befindet.

Ravensburg. Beck

SiuttMrt, Buchdrucker« der Sikt.-Gel „Deutsches V-ikSbl-itt"
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