Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 63
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unser armes Vaterland ausgespieu zn
baben schien. Drei Offiziere boten sich
selbst dem Oberamtmann als Schutzwache
an. Aber eben diese Schnrken im Blau-
rocke waren es, die ihm den letzten Rock
und sogar die Stiefel vom Leibe rissen
und ihn all' seiner Habe, seines Geldes,
Silbers, seiner Leibwäsche, seiner Kleider
beraubten und, mit diesem Diebstahle nicht
zufrieden, noch wie echte Kannibalen die
Kasten, Türen nud Spiegel zertrümmerten.

Weiiiere Mitteilungen.

Geschenke an Eberhard im Bart nach
der Heimkehr von seiner Pilgerreise.

Anläßlich der glücklichen Heimkehr Graf Eber-
hards V.bezw.I.vonWürttemberg(1445—14ö6)von
seiner bekannten Pilgerreise ins hl. Land i, 1.1468
wnrde derselbe (nach folgendem interessanten,
erstmals in Steinhofers nener württembergifcher
Chronik IN, Stuttgart, 1755 bei Jenisch, S. 165
bis 168 veröffentlichten Bericht) mit zahlreichen
Geschenken von weltlichen nnd geistlichen Herren,
Fürsten und Grafen, Städten und Klöstern und
Landkapiteln beehrt, nämlich „Von meiner
gnedigen Frawen von Oesterreich, seiner Frau
Mutter (der Herzogin Mechtild) mit ainein
Clainot um 1200 fl., von Herzog Sigmund von
Oesterreich, d. i. dem Vetter und Hohenbergschen
Besitznachfolger von Herzog AlbrechtVI. von Oester-
reich, mit einem Hengst. Von meinem Herrn,
dem Pfalzgrafen, seiner Frau Mutter Bruder
(dem Bruder von Eberhards Mutter, Mechtild
von der Pfalz) mit aim Hengst, darauf ein
sammatiner Zeug mit silberin und vergüldeten
Spangen. Von meinem Herrn von Brandenburg
Markgraf Albrechten und seiner Gemahlin, ain
Clainot, das um 150 fl. angeschlagen worden.
Vou meinem Herrn Grafen Ulrichen von Wirten-
berg, seines Herrn Vaters Brnder (das war
Graf Ulrich V. der Vielgeliebte, -f- 1480) mit
aim Hengst. Desgl. ain Hengst von meinem Herrn
Graf Eberhardten d. I. (das wird der nachmalige
Herzog Eberhard II. von Württemberg 1447 bis
1504 gewesen sein). Von meines Herrn Graf
Ulrichs Gemahelin ain Spanglin an einer weißen
seiden Binden (das war Margarete von Savoyen,
dritte Gattin Graf Ulrichs des Vielgeliebten,
1- 147K). Ferner haben geschenkt: die von Roten-
burg, Horb, Schemberg und Binsdorf, als die
Städte der Herrschaft Hohenberg, die Fran Mech-
tilden Widem von Herzog Albrechts sel. von
Oesterreich gewesen (Mechtild, zuerst Gemahlin
des Grafen Ludwig von Württemberg, -j- 1482
in Nottenburg) 60 fl., der Bischof von Speyer')
(in dessen Bistum damals ein Teil des Herzog-
tums Württemberg gehört haben wird) ain
Silberin verdeckten Becher, nßen und innen

') Auffallen mag, daß der Bischof von Kon-
stanz, Hermann III., Freiher v. Breiten-Landen-
berg, zu dessen Bistum die Grafschaft Württem-
berg großenteils gehörte, nicht auch als Geschenk-
geber erscheint.

vergüldt. Die von Ulm (d. h. die Reichsstadt)
ain silberine hohe Schnuren. Die von Reut-
lingen ain silberin Kopf, ußen nnd innen
vergüldt. Die von W eil der Stadt ain silberine
Schalen, innen vergüldt. Der Abt von H erren -
alb (O, List.) ain silberin verdeckten Becher,
innen nnd ußen vergüldt. Der Abt von Hirschow
(L, 8. IZen.) ain silberin Kopf. Der Abt von
Murr Hardt (0. 8. IZsn.) ain Faß mit Fisch.
Der Abt von Blaubenren (L. 8. Ben,) ain
silberin verdeckten Becher. Der Abt von Alpirs -
bach (O, 8. Ler>,) desgl. auch ain solchen Becher.
Der Abt von Bebenhausen (O. List.) ain
silberin verdeckten Becher, ußen nnd innen ver-
güldt. Der Abt zu S t. Georgen (0. 8. IZen.)
ain silberin verdeckten Becher. Der Abt von
Maulbronn (O. List.) 30 fl. Der Propst und
Stifft zu Sind elf in gen ain silberin Kopf.
Propst und Stifft zu Herronberg ain silberin
verdeckten Becher. Die Closterfrawen zn Pful-
lingen (St. Clären-Ordens hernach 0. 8. Uev.)
ain Becher uff aim Fueß ohn ain Deckel. Das
(L and-) Capit el von Urach ain silberin
Lettner. Das Capitel zu Nagolt, ain silberin
verdeckten Becher. Das Capitel zu Böblingen
auch ain solchen. Das Capitel zu Weil der
Stadt 25 fl. Die von Mümpelgart der
Statt, ain großen silberin Becher nßen und
innen vergüldt. Die von Tnwingen, ain
großen zwifachen silberin Kopf, ußen und innen
vergüldt. Desgleichen auch die von Urach. Die
vou Blaubeuren, ain silberin verdeckten Becher,
ußen nnd innen vergüldt. Die von Herren-
berg, ai» großen silberin verdeckten Becher.
Die von Nagold, ain silberin verdeckten Becher.
Die von Calw, ain silberin verdeckten Becher,
ußen und innen vergüldt. Die von Neuen-
bürg (Neuenbürg), ain silberin verdeckten Becher.
Die von Löwenberg (Leonberg), ain silberin
Kopf. Die von Grün in gen (Markgröningen),
ain silberin verdeckten Becher, nßen und innen
vergüldt. Die von Vaihingen desgleichen.
Die von Brackenheim, ain silberin Kopf. Die
von Dorn Heini, ain verdeckten silberin Becher.
Die von Böblingen und Sind elfin gen
zwo silberne Kanten, ußen und innen vergüldt.
Das Capitel zu Grüningen (Markgröningen)
15 fl. Das Capitel zn Vaihingen 20 fl.
Das Münsing er Capitel zwei Ochsen. Die
von Dornstetten 90 fl. ohn die Pfandtschaft
Loßbnrg. Die von Nofenfeld 80 fl. Horn-
berg, das Amt, ohn das Stättlin, 40 fl. Die
von Bietigkain 20 fl. Die von Asperg 20 fl.
und die von Hornberg, dem Stättlin, auch
20 fl. Die von Tuttlingen sechs Ochsen.
Die von Zavelstain 20 fl. Die von Rei-
ch enwe p r zwei Wagen mit Elsäßer (— Wein).
Herr Thnring v. Eptingen ain Wagen mit El-
säßer. Die im Wildbad, ain silberin verdeckten
Becher. M. Jörg Schreiber, Kirchherr zu Asch,
ain silberin ohnverdeckten Becher. Die Chorherr»
zu Mümpelgart sechs silberine Schalen.

Fast 30 I. später, im I. 14S5, erhielt der-
selbe Fürst anläßlich seiner Erhebung zur erb-
lichen Herzogswürde wieder zahlreiche ähnliche
Präsente (s. „D.-A." X, 18S2, Nr. 3, S. 11/12,
gleichfalls nach Steinhofer a. a. O.), welche
eine günstige Vorstellung von dem Zustande der
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