Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 113
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Organ für Geschichte, AiterrumMunde^

Liunst und Diuttur der Viözese Korrenburg und der angrenzenden Gebiete.

Herausgegeben und redigiert von Amtsrichter a. V, Beck in KavenSdurg.
Beiträge, Korrespondenzen zc., Nezen s i on s - Eremp lare, Tauschzeitschriften-c. wollen
stets direkt an Amtsrichter N.D.Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamationen an
die Expedition des „Dentschen Volksblntts" in Stuttgart, Urbanstraße 94, gerichtet werden.


W04.

Erscheint monatlich einmal nnd ist halbjährlich durch die Post zum Preis von
M. 1.90 ohne Bestellgebühr; durch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
dung des Betruges direkt vou der Expedition nm M. 2.10 (außerhalb des
deutsch-österr. Postgebietes M. 2.20) zu beziehen; einzelne Nummern 40 Ps. An-
noncen ?c., welche der Richtung dieser Zeitschrist nicht zuwiderlausen, werden von
der Expedition entgegengenommen und pro Petitzeile oder deren Raum mit 15 Ps.,
buchhäudlerische Beilagen, Prospekte !c. nach Uebereinkunst berechnet.

Lck. Aberglaube in Güerschwabeu,

insbesondere im Od er Amts-
bezirke Waldsee?

In einer Korrespondenz: „Ans Ober-
schwabe»" des „Denlschen VolkMatls"
Nr. 266 ^ vom 23. November 1903 wnrde
die Charakterisierung der (damals fast durch-
weg noch der katholischen Konfession an-
gehörigen) Einwohner des Ot'eramtsbezirks
Waldsee als „finster abergläubisch",
wie sie in der i. I. 1834 „im Auftrag der
württembergischen Regierung" vou Ober-
finanzrat Meinminger, Mitglied des
K. statistisch-topographischen Bureaus, als
10. Heft der „Beschreibung des König-
reichs Württemberg" herausgegebenen „B e -
s chrei b uu g d esO be ra mtsWa ld f ee"
(Sliutgart uud Tübingen in der I. G.
Cottascheu Buchhandlung) niedergelegt ist,
mit Grund und Fug ausgestellt, wird doch
gegeu die katholische Kirche besonders
wieder in der heutigen Zeit mehr denn
je der alte, unge> echte Vorwurf erhoben,
als fördere sie den Ab e rgla nb en. Wir
lassen die beanstandete Stelle, welche gleich
nach drin Erscheinen der genannten Ober-
amtSbeschreibung, eines offiziösen
Buches, nicht geringes Aussehen und be-
rechtigte» Widerspruch sowie Mißfallen in
Oberschwaben und sonst erregte, im vollen
Wortlaut folgen: . Wie anderwärts,
so herrscht auch hier noch finsterer
Aberglaube; daß Kuh Herde» beue-
diziert, Wasch wasser und Trink-
wasser für Kälber geweiht, bei einer
bevorstehenden So n n e n si n st e rn iS Bet-
stunden veranstalte! werden, davon liefert
selbst die neueste Geschichte nicht bloß de?

Oberamtsbezirks Waldsee, sondern auch
anderer o b e rschw ä b isch er Bezirke noch
Beispiele. Erst vor ganz kurzer Znt trieb
ein im stillen reisender Exorzist ^) noch
Tenfel ans. . . ." (S. 33/34 a. a. O.).
Welche andere o b e r s ch w ä b i s ch e B e -
zirke außer Waldsee damit gemeint sind,
ist nicht gesagt; es wird aber am Ein-
gange der fraglichen Charakteristik be-
merkt, daß die moralischen Eigenschaften,
Charakter, Leben uud Silleu der Ein-
wohner des Obeiamts Waldsee im
aanzen dieselben seien, wie sie bei dem
Oberamie Sanlgan geschil?e>t wurden.
Ju der S a u l ga u er Oberaunsbeschrei-
bnng (vom Jahre 1829, S. 48) wild in
dieser Nichlung auf die Bezirke Ried-
lingen n»v Ehingen verwiesen. Die
(alle) Ehinger Oberamlsbeschreibung (vom
Jahre 1826, S. 39—41) enthält indes
gcir nichts ans Aberglauben Bezügliches,
wogegen es in der N i e d l i n ge r OberamtS-
beschreibung (vom Jahie 1827 aus der
Feder Ströbeles, S. 59) he>ß!: „.... Sehr
vorteilhaft zeigt sich der Charakter des
Volkes in religiöser Beziehung, soweit es
wenigstens das kirchliche Leben beirlsft.
Wenn das Volk noch nicht ganz frei von
mancherlei Aberglauben ist, so ist es
dagegen desto freier von Pietismus,
Mystizismus und Separatismus, wovor
es sein lebensfroher Sinn bewahrt."
Selbst der „Schwäbische Merkur" ging
in seiner i. I. 1844 (S. 369, 374) ver-
öffentlichte» Besprechung des Oberamts

') Die gesperrt gedruckten Stellen sind erst
hier, nicht schon im ursprünglichen Texte, hervor-
gehoben.
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