Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 129
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1904.

Siu HMer Adventpprediger don 1409.

Von K. Brehm, Vikar.

Der Name dieses Predigers ist Böm-
lin') (Bömblin, Bömle). Seine Heimat
läßt sich vorerst nicht sicher ermitteln.
Die Tatsache indes, daß Bömlin zu Eß-
lingen in den Franziskanerorden eintrat
nnd zeitlebens dem dortigen Barsüßer-
konv-nte angegliedert blieb, weist ans Eß-
lingen, dessen nähere oder entferntere Um-
gebung hin. Tsckamfer bezeichnet ihn nur
einmal als „(Ioni'.IZoemIin6eI5s5lmM",2)
während er ihn sonst mit Glaßberger regel-
mäßig „klius ccmventus LsslmAAni"
nennt.2) Geboren dürfte Bömliu sein
mutmaßlich um 1380; denn 1406 wurde
er bereits für einige Zeit dem Konvent
Thann im Elsaß zugewiesen^) und 1409
treffen wir ihn schon als Lektor und Pre-
diger in Schwäbisch Hall.^) Ob er in
Hall nicht auch Guardian war? Nach
einer Uikuude von 1409 heißt der Guar-
dian Knnrat Bawrliu.°) Ein Verseheu
im Lesen wäre bei dev Ähnlichkeit des
Wortbildes leicht erklärlich. Weiterhin
war.Fr. Konrad in Eßlingen als Lektor

') Ein anderer Konrad Bömiin war später
Pfarrer in Urach, Kanonikus in Tübingen und
wurde 1483 dortselbst erster Dekan des St. Geor-
geu-Stifts. Freib. „D.-A." N. F. III (1902), 160.

-) Thanner Chronik. Colmar 1864. I, 480.

2) ^nglect-r ?ranciscanz. 1887. II, 300.
Thanner Chronik I, 552, 581.

Thanner Chronik I, 480.

b) Nscr. <'/< der Luzerner Kantonalbibliothek,
für dessen freundliche Uebersendnng nach Tü-
bingen hiemit bestens gedankt sei.

°) Kolb, Regesten znr Geschichte des Franzis-
kanerklosters in Schw. Hall, Württeinbergifch
Franken, IV (1892), 39.

tätig. Jü Ordeuskrcisen scheint er sich
bedeutenden Ansehens erfreut zu haben:
denn er wurde zum KustoS der schwäbischen
Miuoriteukonvenle bestellt.') Um diese
Zeit machen sich im Anschluß au das
Konstanzer und Basler Konzil auch iu
Süddeutschlaud die ersten Versuche der
Observauteu, d. h. der strengeren Richtung
unter deu Miuoriteu bemerkbar, die ein-
zelnen Kloster zur Beobachtung der Negel
in ihrer ganzen Strenge zurückzuführen,
freilich zunächst ohne besondere Erfolge.
Anch Konrad Bömlin gehörte zu den
Gegnern der Observanteu, zu deu Kou-
ve»tualen. Diese wählten ihn am 24. Juni
1438 auf dem Provinzialkapitel zn Wil-
tingen zu ihrem Proviuzialmiuister. Als
solcher bemühte er sich, deu Konventnaleu
ihren Besitzstand zn wahren nnd bekämpfte
seine Gegner in Wort und Schrift. 1439
brachte er es fertig, daß „die Patres
Zoggolanteu", „dieKonventer-uudKloster-
räuber" den Konvent Thann der laxeren
Nichtung wieder überlassen mußten. Da-
gegen konnte er es uicht hintertreiben,
daß das Kloster in Basel an Ue Obser-
vanten überging.") Bömlin hielt mehrere
Provinzialkapitel ab: so 1439 iu Reut-
lingen, 1441 in Eßlingen, 1442 in Straß-
bnrg, wo verordnet wurde, daß die Ordens-
tracht nur mehr aschen- oder eiseufarb^g
sein dürfe, und 1447 in Heilbroun.")
Zwei Jahre später starb er, am 26. Juni.
Er wurde im Chor der Barfüßerkirche zn

') Thanner Chronik I, 562.

2) ^nsl. ?ranc. II, 300. Thanner Chronik I,
552, 558, 581 f.

6) ^nal. ?ranc. II, 300 f., 321. Thanner
Chronik I, 560 f.
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