Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

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Eßlingen beigesetzt. Seine Grabschrift
laniet: Ä. O. 1449 in 6ie ss. mart^rum
^soannis et ?auli odiit reverenclus
pater srater Lonre^us Loemlin, c>ui tuit
minister Iruius provinciae unciecim snnis>
cuius ÄnimÄ rec^uiescat in pzce. Nach
der Thanner Chronik war Bömlin von
schwacher Natur und meist kränklich. Da
gegen rühmt sie ihn als grundgelehrten,
frommen Mönch und als Meister der
Beredsamkeit.^) Von Bömlins polemischen
Schriften scheint nichts auf uns gekommen
zu sein. Von seiner sonstigen literarische»
Tätigkeit wnß Glaßberger zu berichten:
?Iic eclicZit czuosciam trectatus per ?r6-
ventum Oomini 6eincarnÄtioneL1iristi.^)
Diese liegen augenscheinlich wenigstens
teilweise vor in mscr. ^/-r der Lnzerner
Kantonsbibliothek als collectuia pro acl-
ventu fratris Lonraäi Loemlin lectoris
pre^icata I^all a. O. 1409.Die hier
überlieferten 35 Adventspredigten Bömlins
zerfallen in zwei Gruppen, von denen uur
die letzte (20—35) vollständig erhallen ist.

Bei allen Predigten dieser zweiten Gruppe
fehlt die Einleitung vollständig; dagegen
haben alle denselben Vorspruch : Joh. 5,17:
„Mein Vater wirket bis jetzt und ich wirke
auch". Dem entspricht dann auch sein
Thema, das er also feststellt: limdewus
tria memdra: primum 6e operibus
patris, c^uomoclo in creetione creeturas
nobilitavit, et Iioc erit 6e nokilitatibus
creaturarum; secunclum erit cle ope-
ridus klii, c^uomo6o omnidus misit, et
koc erit e^ÄNAelium super: missus
est; tertium c^uomo6o vixrm persec-
tionis 6ocuit, et Iroc erit cle octo beati-
tu6inibus. Und nun: wie wird dieser
Gegenstand behandelt? Einsprechend dieser
Dreiteilnng des Stoffes zerfällt bei Böm-
lin auch jede einzelne Predigt wiederum
in drei Teile nnd führt jeden duser drei
Gedanken ein Stückchen weiter, freilich
ohne allen inneren Zusammenhang. Um
von einem Teil znm andern zu gelangen,
wendet der Prediger, ohne den geringsten
Versuch einer ideellen Verbindung z»
machen, fort und fort die starren Formeln

-) ^1, ?ranc. II, 398. Thann« Chronik I,
S81 f,

2) H.n»I. ?ranc, II, 300.

2) conf. Eubel, Geschichte der oberrheinischen
Minoritenprovinz U, 257, Anin. 249.

an: clixi Iren 6e . . .; nunc intenclo
clicere cle . . .' tsntum cle primo;
Quantum acl secun6um . . tantum
6e secunäo u. s. w., dann und wann
folgt anch noch ein cras clicam cle . . .
oder cras -rmplius. Auf diese Weise
versündigt sich Bömliu gegen die Einheit-
lichkeit der Predigt iu einem Grade, der,
wenn er nicht hier eine Einzelerscheinung
wäre, den Spöttern über mittelalterliche
Prediger nnd Predigtwesen genügend Be-
rechtigung dazu böte. So behandelt eine
Predigt z. B. folgende Gedanken: 1. Die
Vorzüglichkeit der Geschöpfe zeigt sich
darin, daß jedes derselben zur Liebe
und znm Lobe Gotteö auffordert nnd Gott
einem jeden derselben essentieliter, pre-
sentialiter nnd potentieller innewohnt.

2. Warum ist Maria voll der Guadeu?

3. Selig sind die Trauernden. Zu diesem
Verstoß gegen die Einheitlichkeit kommt
der weitere Fehler, daß das Ganze zn
sehr philosophisch spekulativ gehalten ist,
daß vielfach scholastische Schnlstreitigkeiten
nnd eine zn weitgehende Allegorie ans
d'e Kanzel gebracht worden. So wird
z. B. der Beweis erbracht für die Existenz
aller Geschöpfe in der Idee Gottes secun-
clurn plrilosopkum in mewpk^sicis.
So wird in längerer Ausführung bewiesen,
daß Maria den Sohn Gottes kora com-
pletorii nnd nicht um Mitternacht empfangen
habe; letztere Annahme sei eine conladu-
latio. Selbstv>rständlich fehlt auch nicht
die Erklärung, das ave sei gleich sine
ve, weil Maria von dem vae über die
culpa corclis, oris et operis nicht be-
troffen wurde, und was dergleichen Dinge
mehr sind. Dagegen stößt mau sehr selten
anf Nutzanwendungen. Diese wnrden
offenbar der näheren Vorbereitung auf
die Predigt oder auch der Eingebung des
Augenblicks überlassen, wie ein östers
wiederholtes clilata sicut plxrcet anzu-
deuten scheint.

Dieselben Mängel weist anch der erste
unvollständige Zyklus von Advew.spredigten
auf, nur daß hier dem philosophisch-mysti-
scheu Inhalt gemäß die Spekulation sich
noch mehr breit macht. Diese Predigten behan-
deln 1. xrclventus Llrristi in cgrnem, 2. in
mentem als Nichter, Arzt, Führer, König
nnd Bräutigam, 3. in mentem per in-
spirationem oder deu Einfluß Gottes, der
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