Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 49
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Auiist und Aultur der Viözese Kottenliurg und der Angrenzenden Gebiete.

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latzW.

Bur Geschichte der Stadtpfarrei
Wangen i. A.

Vou Pfarrer Lupberger in Deuchelried.

8 1-

Einführung des Christentums.

Bei der vorliegenden Arbeit müssen wir
bei dem Mangel au urkundlichen Nach-
richten den Weg kritischer Unlersuchung
einschlagen, die sich zu mancher bisherigen
Geschichtsansfasfnng in Widerspruch setze»
wird. Eben die Frage: von wem nnd
wann ist das Christentum — uud wir
meinen hier nicht die Bekehrung einzelner
znm Christentum, sondern die Einführung
desselben ins öffentliche Leben, das
Christentum selbst als öffentliche Ein-
richtung uud Macht — in unserem Allgäu
nnd somit auch in Wangen eingeführt
worden? ist bisher ungenügend entschieden
worden. Bald ist es der hl. Kolumban
mit seinem Schüler Gallus, bald der
hl. Maguus mit seinem Gefährten Theodor,
bald wieder in sagenhafter Verwechslung
der Personen und Zeiten Gallus und
Magnus miteinander. Was nun den
hl. Kolumban betrifft, so ist wahr, daß
er in Bregenz als Missionär tätig war.
Dort fand er, von Tuggeu am Züricher
See von einer Bekehrungsreise herkom-
mend, eine christliche Kirche, der hl. Aurelia
geweiht, welche die umwohnenden heid-
nischen Alemannen in einen Tempel um-
gewandelt und in welchem dieselben die
ehernen vergoldeten Statuen dreier Götter,
der Asen Wuotau, Donar und Zin, auf-
gestellt hatten. Es gelang ihm, die ent-
weihte Aureliakirche wiederherzustellen, aber
da die Alemannen sich über seine Rodungen,

die ihre Jagdgründe beeinträchtigten, beim
Herzog Gnnzo in Ueberlingen beklagten
— den eigentlichen Grnnd ihrer Abneigung
gegen ihn: ihren Haß gegen die neue
Glaubenslehre, verschwiegen sie —, und
er weder bei diesem noch beim Könige
Theodobert von Australien Schutz finden
konnte, verließ er die Gegend am See
nnd zog nach Italien, nm iu Bobbio deu
Nest seiner Tage in klösterlicher Einsam-
keit zuzubringen. Wenn dem hl. Ko-
lumban anch eine Missionstätigkeit zuge-
schrieben werden muß, so dauerte sie doch
nur kurze Zeit, etwa drei Jahre, 61V bis
613, und beschränkte sich auf die Gegend
von Bregenz. Davon, daß er außerhalb
des alten Brigautium iu nuferer Nähe
missioniert habe, weiß auch die Volkssage
nichts zu erzählen. Was die MifsionS-
tätigkeit des hl. Maguus anlangt, so ist
sie nicht, wie die Legende annimmt, eine
gleichzeitige mit der des hl. Kolumban nnd
Gallus, sondern gnt 11V Jahre später
anzusetzen; auch beschränkt sie sich ganz
auf Füssen, wo er auf dem ihm von
König Pipiu ans wohl eingezogenen Gute
der altfchwäbifchen Herzoge stammenden,
geschenkten Grundbesitz eine Zelle und
Kirche errichtete, die umwohnende Be-
völkerung zum christlichen Glanben brachte
nnd zugleich das Land kultivierte. Er
starb 6. September 750, nachdem er
25 Jahre lang in Füssen und Umgegend
segensreich gewirkt hatte. So ist er der
Apostel des östlichen Allgäus geworden;
an der Christianisiernng des westlichen
Allgäus, wozu die Gegend um Waugeu
gehört, hat er keiuen Anteil. „Als schon
lauge iu Thann und Leutkirch," sagt der
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