Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 81
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Organ für Geschichte, AltertninDlinde,

Annst und Rnltlir der Diözese Kottenlnirg nnd der angrenzenden Gebiete.

Herausgegeben und redigiert von Zluitsrichter a, D. Veck iil Kavensblirg.
Beiträge, Korrespondenzen :c., Nez en s i o n s - Exemp lare, Tanschzeitschristeu zc. wollen
stets direkt au Amtsrichter a, D, Beck in Ravensburg, Bestellungen nnd Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Vvlksblatts" iu Stuttgart, Urbaustraße 94, gerichtet werden.

Nr» 0.
!904»

Erscheint inonatlich einmal nnd ist halbjährlich dnrch die Post zunl Preis von
M. 1.90 ohne Bestellgebühr; dnrch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
dung des Betrages direkt Vvn der Expedition nm M. 2.10 (außerhalb des
deutsch-österr. Postgebietes M. 2.20) zu beziehen; einzelne Nninmern 40 Pf. An-
noncen ?c., welche der Nichtnng dieser Zeitschrist nicht zuwiderlaufen, werden von
der Expedition entgegengenommen und pro Petitzeile oder deren Nanm mit 15 Pf.,
buchhändlerische Beilage«, Prospekte ?c. uach Uebereiukuust berechnet.

lahvgg.

Das UapuMerlilaster in Langen-
argen.

Von ?. Peter B. Zierler, O.

I. G r ii n d u n gSge s ch ich te.

Wer sich die Wohnhäuser der Bodeufee-
staliou Langenargen näher ansieht, dem
wird ein Gebäude mitten iu einem großen
Banmgarte», unweit vom Pfarrhofe ge-
legen, auffallen, das zwar in seinein Erd-
geschosse sich wenig von anderen Wirt-
schaftsgebäuden unterscheidet, aber in seinem
einzigen Stockwerke ganz unverkennbar
eine Reihe der bekannten Kapuziuer-Zelleu-
senster aufweist. Auch der Dachfirst und
die Struktur der Gartenmauern zeigt einem
jeden, der mit der Bauart der alten Kapu-
zinerklöster vertraut ist, daß er hier ein
ehemaliges Kloster dieses Ordens zu suchen
hat. So ist es auch. Das betreffende
Hans ist ein Flügel deö ehemaligen Kapn-
zinerklosters in Langenargen, von dein die
folgenden Zeilen berichten wollen. Die
Quellen, die wir bei dieser Arbeit be-
nützten, sind: a) die Pfarrchronik von
Langenargen, d) das Nekrologium des
Kapuzinerklosters Jmmenstadt, c) Statistik-
buch des Kapnziuerklvsters Bregeuz, 6) No-
nimentÄ /^ickivii IZnAantim Lonventus
Lapucinorum, e) N. VVÄNASNS,

f) N. LonstÄutiens. Außer diesen
Handschriften benützten wir noch die Druck-
werke A) IliKwriÄ provinciAe L-rpucino-
rum ^nterioris ^usti'i?ie von 1^. Romuald
von Stockach (Kempten 1747) Ii) die
Fortsetzung dieser Chronik von ?. Joh.
Bapt. Baur im 18. Band des Freibnrger
Diözesauarchivs, i) Langenargen von Albert
Schilling (Ursendoi f 1870) n»d l<) Manriz

Thomans, ehemaligen Jefuitens und Mis-
sionars in Asien und Afrika, Reise- und
Lebensbeschreibung. Vou ihm selbst ver-
fasset. Augsburg 1788.

Leider sind die archivalifcheu Qnelleu
des Klosters Langenargen selbst entweder
verloren gegangen oder doch derzeit un-
bekannten Aufenthaltsortes. Um so nötiger
schien es uns, wenigstens das, was wir
in den Archiven anderer Klöster über jenes
iu Langenargen finden konnten, gewissenhaft
zusammenzustellen. Wir zitieren im fol-
genden der Kürze halber nur uach deu
Buchstaben, mit denen die Quellen be-
zeichnet sind.

Den Namen Langenargen leitet?. Ro-
muald (S. 52), wie wohl alle, von der
langgestreckten Ortschaft und vom Bache
Argen ab, der diesen Namen deshalb er-
halten habe, weil er eben so arg zu hauseu
pslege. Tatsächlich siud auch die Pfarr-
bücher von Laugeuargeu voll vou Er-
zählungen über Unglücksfälle, die durch
diesen Bach Menschen wie Besitzungen
erlitten. Es war eine merkwürdige Fügung,
daß au dieser Stelle eiu Kapuzinerkloster
entstand. Die Eutstehuugsgeschichie ist
diese sZ. S. 53):

Das Kapuzinerkloster in Ravensburg
war im August 1649 von den Prote-
stanten demoliert worden zum großen Leid-
wesen der katholischen Bürger. Gauz be-
sonders entrüstet darüber war Graf
Hugo VI. vou Montfort im benachbarten
Tettnang, und er beschloß deu Kapuzinern
ein neues Kloster in Tettnang zu bauen.
Er wandte sich mit seinem Verlangen an
das Provinzkapilel der damals 1650 uoch
schweizerischen Ordensprovinz, konnte je-
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