Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 121
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nicht von ungefähr! Solche falsche
A u ssa ss u u ge u u nd B eh au ptun g e n
rühren meist von alt w nrt t em ber zi-
schen Beamten her, welche, mit dem
Wesen nnd den Einrichtungen der katho-
lischen Religion, von deren Gottesdienst
und Kultus, nicht im geringsten vertraut
und fast allen Verständnisses dafür bar,
zu Anfang des 19. Jahrhunderts in die
neuen katholischen Landesteile kamen
und sich hier auf Grund ihrer mitgebrachten
be—kannten Vorurteile und Voreingenom-
menheit nnd, ohne sich nnr im mindesten
die Mühe zu geben, sich über dies nnd
das im Katholizismus einigermaßen zn
informieren, gleichwohl ganz falsche An-
schauungen bildeten und zum Ausdruck
brachten. So ist es kein Wnuder, wenn
einzelne Gegenden unter derartigen Eut-
sttllnngen, znmal wenn sie ans offiziöser
Feder stammen und dann ihren Weg überall-
hin nahmen, litten, „verdnmmt", „ver-
schrieen" wurden und man von ihnen als
einem „dunkeln Erdteil" spricht! Wie im
einzelnen bei Abfassung der älteren
Oberamtsbeschreibungen verfahren wmde,
das mag man u. a. aus folgender hand-
schriftlich niedergelegten Bemerkung des
ktzten S ch »s s e n ri ed er Konven-
tnalen, des nachmaligen langjährigen
Pfarrers von Schnssenried, Lorenz
Löwe (1769—1855), eines in der
Gegend gebotenen Mannes, welcher Land
und Leute vorzüglich kannte, zu feinen
„Loncepta zc. betreffend das Kloster,
den Oit n. s. w. Schnssenried" eriehen:
„welcke in Menimingers Bes chrieb
des O b era m t s W al d s e e nur ober-
flächlich oder gar nicht berührt
wurden, obwohl Besagtes dem-
selben iu der Reinschrift über-
geben wurde!" Es braucht wohl kanm
geiagt zu werden, daß die gerügte Charakte-
ristik anch für die Folge- bezw. Jetztzeit
keine Berechlignng hat.

DaF AapuzmcrNoster in Tkmgcn-
srgen.

Von ?. Peter B. Zierler, L>. Lax.
(Schluß.)

Der ?. Guardian war gerade abwesend,
als das Schreiben des ObervogteiamteS
im Kloster eintraf. Es besorgte somit
?. Gregor, Vikar des Kösters, die Bc-

antwottung der gestellten Fragen, nachdem
er in der Einteilung die Beantwortung
seinerseits mit der Abwesenheit des Lokal-
obern entschuldigt hatte.

Die erste Frage war: Welchen Per-
sonenbedarf hat das Kloster Langenargen?

?. Gregor antwortet vorsichtig nicht
mit einer bestimmten Zahl, sondern be-
merkt, es sei wenigstens noch ein Pater
mehr notwendig zur Aushilfe iu der Seel-
sorge.

2. Welche Sustentationsmiltel lesitzt das
Kloster?

Antwort: Es sind teils von der Herr-
schaft zugewiesene Almosen, teils durch
Sammlung freiwilliger Gaben envorbene.

3. Anzahl der bewilligten oder nnbe-
willigten ausländischen Mitglieder?

Autwort: Bewilligt seien alle, und zwar
seien die Patres Gregor, Mauritius und
Gallus am 8. September 18V2 der vorder-
österreichischen Provinz inkoiporiert worden.
?. Wilhelm sei von der Negierung in
Innsbruck angenommen worden. Br. Theo-
bald aber habe sich schon neun Jahre zn
Freibnrg im Breisgau im Kloster der
Kapuziner aufgehalten und sei erst kürz-
lich der vorderösterreichischen Provinz ein-
verleibt worden.

4. Welche moralische, politische und
religiöse Grundsätze befolgen die Ge-
nannten ?

Antwort: Das Verhalten aller sei fried-
fam nnd dem Gesetze gemäß. Sein eigenes
Verhalten zu beurteilen, überlasse er,
?. Gregor, dem löbl. Obervogteiamt, da
er über sich selbst nicht zeugen wolle, von
den übrigen aber könne er nnr in jeder
Hinsicht Gnies melden.

5. Welche Verrichtungen üben die Be-
treffenden bei Aushilfen iu der Seelsorge
ans?

Antwort: Ihre Arbeit ist: Predigen,
Veichthören und in Krankheitsfällen sowie
bei Abwesenheit eines Pfarrers die Aus-
übung der gesamten Seelsorge.

6. Geburtsort, voriger Aufenthalt, An-
gabe des Namens und Alters der frag-
lichen Personen?

Antwort: ?. Gregor Bertrand, gebürtig
von Landau im unteren Elsaß, 65 Jahre
alt, früher Vikar nnd Ordinariprediger zu
Schletlstadt.

?. Mauritius Mnth, geb. zu Nieder-
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