Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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Klausnerinnen zu Hausen ob Nottweil
(seit 1525 in Rollweil) bezoaeu Gilten
von Deißlingen, welche sie 1473 zum
Altar der l. Frauenkapelle zu Nottweil
stifteten (Oberrh. Zeilschr. 30, S. 400).
Noch 1607 erhielt das aus demJncluso-
rium zu Hausen hervorgegangene Franen-
kloster St. Ursula in Nottweil Gilten
aus Deißlingen. Auch die Kapelleukirche
in Nottweil besaß ein Hofgut zu Deiß-
lingen (Ruckgaber II, 1, S. 337, 254 f.).
Der einstige Zähringer Besitz zu
Deißlingen ging im 13. Jahrhundert nach
Aussterben der jüngeren zähriugischen
Linie (1218) an das Haus Urach-
Fürstenberg über, welches im Jahre
1405 all seine Rechte an Deißlingen an
die Grafen Fritz und Jtelfritz von Hohen-
zollern abtrat; doch verkauften letztere
jene Rechte zwei Jahre darauf um 250 fl.
an die Stadt Nottweil (Bruderschafts-
archiv zu Nottweil; Fürst. Urk.-Bnch 3,
S. 19; Mon. Zoll. I, Nr. 496, 504,
505; Näheres bei Nizler, Geschichte des
Hauses Fürstenberg, S. 299).
So kam nach und nach fast ganz Deiß-
lingen an Nottweil. Dem hl. Geist-
Spital daselbst hatten schon 1314
Dorothea und Kourad v. Balingen
Güter zu Deißlingen vermacht (Ruckgaber
II, 1, S.356), und 1429 verkaufte Hans
v. Owe zu Hirrlingen einen anderen Teil
des Dorfes au die Stadt Nottweil. 1479
erwarb sich die sogenannte Bruders chaft
zu Nottweil ein Zinsgütlein zu Deißlingen
von Gregor v. Noggwil (Oberrhein.
Zeitschr. 30, S. 402). Daher konnte
C. Türst in seinem gegen Ende des
15. Jahrhunderts entstandenen Ickber 6e
situ Lonkoeckeratorum jciescriptio Ickelve-
tiae) neben Nottweil auch unfern Ort
(Düslingen) im Text anführen und auf
der interessanten Karte bezeichnen (Quellen
zur Schweizer Geschichte VI, S. 49).
Endlich kaufte 1791 die Bruderschaft zu
Nottweil mit Bewilligung des Lehensherrn,
des Bischofs von Konstanz, von Freiherrn
v. Schleiß die Vogtei (ein Drittel) und
Güter zu Deißlingen, die ehemals den
Maiern von Trossingen gehört halten, so-
wie den Kelnhof samt Zngehör um
52 000 fl. Man rechnete daher den Ort
zu den Brnderschaftsdörsern. Das ehe-
malige A ubertsklösterlcin zu Deiß-

lingen war früher dem Min oritenkloster in
Villingen inkorporiert; 1798 erwarb die
Stadt Nottweil das Anbertsgnt von
jenem Kloster (Ruckgaber II, 1, S. 354,
456 ff.). 1803 kam die Lebensherrlich-
keit über die reichenanischen Lehen zu Deiß-
lingen an Baden, 1806 an Württemberg.
lieber das Alter und die Entstehung der
Pfarrei ist nichts Sicheres bekannt.
Nach Bossert hätte sie in ihren Anfängen
zum Missionsbezirk Nottweil gehört, von
dem sie sich jedoch früh losgelöst hätte
(BI. f. würtl. K.-G. (1891), S. 66 f).
Zum erstenmal wird sie genannt im Oder
6ec. von 1275. Das Kloster Ne i ch en au
besaß ehemals die Kollatnr. 1376 ver-
setzte Abt Eberhard ein Gut zu Tr ossingen
und das Patronatsrecht zu Deißlingen und
Peterzell an Ge. Maier von Trossingen
für 30 M. Silber, jedoch so, daß es nach
Verflnß einer bestimmten Zeit wieder an
das Kloster zurückfallen solle (Oberamts-
beschreibung von Tuttlingen S. 400).
Noch zirka 1500 übte das Kloster jenes
Recht aus. Später, vermutlich noch vor
der Mitte des 16. Jahrhunderts, kam es
an den Magistrat von Nottweil,
der von jener Zeit an fast ausschließlich
NottweilerBnrgerösöhne präsentierte. Das
Einkommen der Pfarrei betrug 1275
13 Pfd. Villinger Währung »praeter
vicariam«, 1508 sirrZulis computatis
44 Pfd., die Bannalgelder 1324
10 sol. (Freib. Diöz.-Arch. I, S. 35;
IV, S. 48; 25 (1898), S. 25). Nach
einem Verzeichnis von 1657 ff. betrugen
die jährlichen Loirsolationes 8 Batzen
16 Heller, paß Nortuarium 10 Pfd.
oder 6 fl. 6 Batzen, das Oranarium 4 fl.
(Stadtpfarr-Neg. Nottweil). Kirchen-
patron ist der hl. Laurentius.
Bossert meint, die ursprüngliche Pfarr-
kirche sei die alte Liebfranenkapelle ge-
wesen. 1594 wurde eine neue Kirche
erbaut, im 18. Jahrhundert manche Repa-
raturen angebracht (OberamtSbeschreibung),
und 1880 wurde diese Kirche abgebrochen
und durch eine neue dreischiffige, 1880 bis
1882 erbaute und am 14. Juni 1883
konsekrierte Pfarrkirche ersetzt.
Die Kirchenb ü ch e r beginnen mit dem
Jahre 1685; ein älteres, angeblich vom
Jahre 1560, existiert nicht mehr.
Wir besitzen keine vollständige Le ries
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