Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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rückständig sei; der Kaiser war ihr dann
behilflich znr Wiedererlangung der Summe
(G.).
In einem sehr guten Verhältnis standen
die Schwestern damals znr Pfarrei
oder, besser gesagt, zum Pfarrer. War
dies schon unter Pfarrer Jocker
(7 1654) und Pfarrer Kienle (st 1661,
alias 1659), die beide Wohltäter des
Klosters waren, der Fall, so noch viel
mehr unter Pfarrer Johann Georg
Seist (geb. zu Niedlingen, Dekan des
Landkapitels Mnnderkingen). Die Seines
paroclrorum nennt ihn einen insiMis
denelactor der Klosterfrauen, bei denen
er als Beichtvater so sehr beliebt war,
daß sie trotz der gemachten Stiftungen zur
Unterhaltung eines solchen ans ihrem
Orden denselben beibehielten. Er verlangte
auch keine Entschädigung dafür. Einzelne
Stiftungen von ihm sind schon genannt
worden. Gegenseitige Wünsche des Pfarrers
und der Schwestern wurden immer erfüllt.
Das kam der Pfarrei gut zu statten;
sie hatte den Schwestern damals nament-
lich bezüglich des Gvttesdie nstes sehr
viel zu verdanken. Man könme zwar
meinen, daß nach Erbannng der Kloster-
kapelle die Schwestern sich um den Pfarr-
gottesdienst mcht mehr soviel kümmern
werden — allein eigentlich das Gegenteil
trat ein.
Der Gottesdienst in der Pfarrkirche
lag sehr darnieder; man konnte an hohen
Festui nicht einmal mehr ein Amt singen.
Diesem traurigen Zustand wollte Pfarrer
Seist ein Ende macken. Als die Schwestern
anno 1688 eine Orgel in die Kapelle
machen ließen, bat er die Vorsteherin, sie
möchte die Orgel in der Pfarrkirche anf-
stellen lassen, daß auch seine Pfarrkinder
einen Genuß davon hätten. Er bot da-
für den Klosterfrauen die Vorkirche oder
Emporkirche an, und die Orgel solle
dem Heiligen bleiben und von diesem
unterhalten werden. Die Mutter schreibt
dazu: „Das Hab ich gehr» geherth v»d
gesehen; nnhr deshalben, das der Gots-
dienst widervmb zue seinem alten standt
kome." So kam die Orgel in den Besitz
der Pfarrgemeinde und die Emporkirche
(damals offenbar nur eine vorhanden)
in die Hände der Klosterfrauen; sie

konnten dieselbe also nicht von Anfang an
gehabt haben. Wer aber soll Spiel
und Gesang übernehmen? Auch dies
taten die Klosterfrauen. Die Vorsteherin
gab den jungen Schwestern Zeit, um das
Singen zu lernen und soeben Gottes-
dienst wieder emporznbringen. Sie sangen
dann die Aemler, das De Oeum lauclamus,
das Vem creator Spiritus, das IVla§ni-
ticat, „scheue Mnttedten vnder der Hai-
ligen Meß" und halfen die lanretanische
Litanei mit der Orgel singen — das alles
unentgeltlich. Am Osterfest 1689 haben
die Schwestern in der Pfarrkirche das erste
Amt bei und mit der Orgel gesungen.
„Wan man aber mehr von Eich begehrt,"
fügt die Mutter bei, „den Gotsdinst helffen
ziehren, so sollend Ihr auch für Eiwer
MiehwaltnngEtwaS begehren, ihr branchendt
vyl Zait zum lehrnen". Diese Mahnung
bezog sich besonders auf Jahrtage mit
Amt; bei diesen waren fortan Gebühren
ansgesetzt „denKlosterfranenproIVIusicL".
Dies große Verdienst der Schwestern um
den Pfarrgottesdienft wurde etwa 40 Jahre
später schlecht gewürdigt.
So hatten die Klosterfrauen, trotzdem
sie eine eigene Kapelle hatten, ihren
Charakter als Pfarrkinder nicht verloren ;
sie wohnten dem sonntäglichen Gottesdienst
bei und hatten den Kirchengesang in
ihrer Hand, obwohl sie zu letzterem nicht
verpflichtet waren. In ihrer Kapelle da-
gegen fand je am Mittwoch eine heilige
Messe statt (seit 1690).
Einer anderen Bitte der Pfarrgemeinde
entsprachen die Klosterfrauen ebenfalls.
Es handelte sich um das miraknlose
Mutt erg otteSbild auf der Saul in
der Pfarrkirche. Dieses war noch auf
seinem alten Platz. Wenn aber jetzt die
Schwestern dasselbe in ibre neuerbante
Kapelle übersetzen wollten, so findet man
diese Absicht begreiflich, umsomehr, als die
Andachl znm Bild merklich abgenommen
hatte. Als aber am 21. Herbstmonat die
Pfarrgemeinde eine Deputation ins Kloster
schickte mit der Bitte, das Bild fernerhin
dort stehen zu lassen, wollten die Schwestern
die Bitte nicht abschlagen, machten aber
znr Bedingung, daß das Opfer, welches
falle an Flachs und Wachs, ihnen ge-
hören solle und zur neuen Kapelle und
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