Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Page: 165
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haben, keine pfarrlichen Verrichtungen ans-
aeübt. Wirklich findet sich von ihm kein
Eintrag, weder im Ehe-, noch Tauf-, noch
Sterberegister. Er konnte jedoch nnr
23 Tage hier gewesen sein. Im Konstanter
R'stnmskatnlog 1769 erscheint er als
Lapell. Gurak. acl Z. soannerrr L.st.N.
Orcl. LorrrnrenUae. 6 an. in Villingen.
(Fortsetzung folgt.)

Ein Minssrnriuer Dititintliotiar.
Von W. FoxL. P, d. Z. Bibliothekar in Feldkirch.
Als der seinerzeit hochgeschätzte, »m
Gelehrtengeschichte und Bücherknnde ver
diente G. W. Zapf auf einer literarischen
Reise 1781 das Prämonstratenserreichsstifl
Weisseuau passierte, um der Zisterzienser-
abtei Salmansweiler einen Besuch abzu-
statten, gab ihm Abt Anton (Unold II.)
den damaligen Bibliothekar des Stiftes
?. Franz Mver Schmid als Begleiter
mit. Nach einiger Zeit kehrte Zapf nach
Weissena», jedoch nur sür einen Tag, zu-
rück, um unter Schunds Führung die
dortige Bibliothek näher kennen zu lernen.
Freilich interessierten sich beide fast nur
für „die alten Druckerdenkmale, die in
ziemlicher Anzahl, und z. T. merkwürdige,
vorhanden sind". Daß der ziemlich ein-
seitig gebildete Polyhistor (s. über den-
selben auch Pahl, „Denkwiudigkeiten aus
m. Leben", Tübingen, 1840, bei Fues,
S. 154—159) über die Bücherei „ein
etwas zu abfälliges Urteil abgibt", ist
bereits im 3. Jahrg. (S. 70) dieses Ar-
chivs bemerkt worden. Wenn derselbe
ebendort als „nicht immer ganz zuverlässig"
bezeichnet wird, so erhellt das sehr deutlich
aus dem Urteil, das er über den Biblio-
thekar im Gegensatz zu den übrigen Kon-
ventnalen fällt, von denen er wohl keinen
einzigen genauer kennen gelernt hat. Selbst
die den Klöster» wenig günstigen „Beobach-
tungen ans einer Reise in versch. Prälaturen
eLchwabcns re., von einem Mecklenburg.
Offizier" (in Wahrheit von dem lutheri-
schen Spezialsnperintendenteu Joh. Ferd.
Gaum) 2. Heft, gedr. i. I. 1783, nenne»
(S. 47) „die Bibliothek in Weissena»
tonst berühmt, daß sie merkwürdig alte
Bücber in sich fasse".
Offenbar hatte ibn der damals „schon
sehr mißvergnügte" ?. Schmid mit allerlei
Querelen für sich und gegen den Konvent

eingenommen, als er in seinem Rcisewerke
(Reise in einige Klöster Schwabens . . .,
Erlangen 1786, vgl. mit seiner Schrift:
„Ueber m. vollbrachte lit. Reise in einige
Klöster Schwabens:c.", Augsburg, 1782
bei Christian Deckardt) schrieb : „Alan sollte
den Mann (Schmid) mehr unterstützen,
statt Niederdrücken. Er würde dem Kloster
gewiß Ehre machen, denn er besitzt viele
Fähigkeiten und bezeigt viel Liebe zur
Literatur, daher ihm ertaubt werden sollte,
seinen ganzen Fleiß der Bibliothek allein
zu widmen. Nur das einzige müßte er
! sich abgewvhnen, in allein (Anm. des Setzers:
Etwa wie Zapf?) Recht haben zu wollen,
zu glauben, alles was er sage und behaupte,
sey ein Orakelspruch, und daß er sich hie
und da, wo er würklich Fehltritte macht,
zurecht weisen ließe. Sonst ist er ein
guter Mann, und gewiß ein munterer,
unterhaltender und launigter Gesellschafter,
au dessen Begleitung nach Salmausweil
ich jederzeit mit vielem Vergnügen denken
und mich erinnern werde. . . . Von Ge-
lehrte» kan» ich hier nichts sprechen.
Meine Ideen sind hier zu eingeschränkt.
Der einzige Hr. ?. Bibliothekar Schmid
verdient Achtung." So S. 191 und 195.
Nachträglich — im Druckjahr des Be-
richtes, auf der letzten Seite der Vorrede
— macht Zapf den Zusatz: „Der zu
Weißenau . . . gewesene Bibliothekar Hr.
Fr. M Schmid, ist seit Jahr und Tagen
aus seinem Kloster. Er wurde oftmals
mißhandelt und unterdrückt, und um dieses
harte Joch nicht länger zu tragen, schüttelte
er solches von sich und suchte Freyheit.
Es schien mir damals schon, da ich dorten
war, als wenn man ihn deswegen nicht
leiden könnte, weil er weiter als andre
sah, und sich vor ihnen auszcichnete. Er
war auch schon sehr mißvergnügt." Nun,
auoliakur et altern pars! Wonach
Zapf seinen Mann znm mindesten bedeu-
tend überschätzt hat!
Abt Anton war inzwischen (12. Jan.
1784) gestorben. Er war, wie Zapf
selbst bezeugte, „ein sehr guter Manu und
ein rechtschaffner Oekouom". Am 15. Jan.
fand die Wahl des Nachfolgers statt.
Unter den 26 wahlberechtigten Kapitnlar-
und Chorherren ^ befand sich auch ?. Schmid.
0 Genannt werden: Jmwz.Bamberger, Prior;
Nik. Wieland, Subprior und Pfarrvikar iin Stifte;
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