Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Page: 191
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hat die Feldkapelle überkommen als Sacri-
stanus, Herr Ambrosi als Feldpater oder
Präses der Bruderschaft, und der Wilhelm
hat abermal die Feldmusik sammt dem La-
zaret übernehmen müßeu. — Nun werden
wir nächstens die Werbtrvmmel rühren,
um frische Rekruten auzuwerben. Dann
kann es bei kalter Witterung noch eine
zweite Revue absetzen, und die einen und
andern werden noch durch die Musterung
passieren müßen.
Heute, den 16. August nachmittags,
hielt unser König Friedrich II. die erste
Revue über seine Kavallerie zu Fuß. Vor
1 Uhr nachmittags war alles schon auf
dem Paradeplatz. Nach abgelesenen neuen
Kriegsartikeln gieng die Musterung an,
bei welcher auch einige Chargen verliehen
worden sind wie folgt: die vakante Major-
stelle erhielt Herr Konrad Winkler, nebst
dem Charakter eines Kriegsraths (geb. in
Jettingen im Jahre 1155, -s 1834). Zum
Platzmajor und Kriegsrat, wurde ernannt
Herr Dominikus Schropp (geb. 1733).
Zum Feldpanker bei der Leibgarde zu
Pferd avancirte Herr Bartholomäus Ma-
thui (geb. 1722, 1- 1809?). Die
Feldkanzlei und das Archiv wurden Herrn
Kriegsrath Werner Galt (hochverdienter
Stiftshistoriograph, geb. 1731, st 1807)
übertragen. Zum Kriegskommissär und
Proviantmeister wurde ausgestellt Herr
Kriegsrath Ignaz Lanz (geb. 1743 zu
Eschenbach, st 1818). Die Feldmnstk
sammt dem Lazaret wurde Herrn Wilh.
Halberstatt (geb. 1742) anvertrant. Die
Feldküche sammt den Marketendern blieben
dem Herrn Kriegsrath Andreas Ziller (geb.
1749' in Eichstätt, st 1818). Zum Stuck-
hauptmann von Deupach (Klosterdörfchen)
wurde konsirmirt Herr Albert Reuth (geb.
1755, -s 1807). Die Feldkapelle bekam
Herr Ubald Zimmerer. Als Feldpater
und Feldprediger wurde Herr AmbroS
Hegele (1811) ernannt. Zum Charpieu-
und Bandagen - Lieferanten wurde Herr
Joh. Georg Heinle (geb. 1759 zu Guudel-
singen, 's 1835) gemacht. Das Kadetten-
corps hat Herr Bernhard Schund (geb.
1758, 1' !807) unter seiner Obhut. Ans
das Armeuseeleupiquet »acher Ebersbach
(einem dem Reichsstift W. gehörigen Dörf-
chen) wurde Michael Kriener (geb. 1759
zu Nnmmelsried, st 1818) mit kleiner

Mannschaft verlegt. Auch unser alter
80jähriger Kriegsminister Franz Klaß
(geb. 1708) war bei dieser Revue zu-
gegen, der auch noch in seinen eisgrauen
Jahren fleißig täglich auf dem Paradeplatz
erscheint. Ein Platzmajor (Schropp?) hat
vor der Revue noch seine Charge quit-
tiert : der König (d. i. Prälat Friedrich II.
Naab) hat ihn jnbilirt und ihm die vorige
Charge in Gnaden zngeslandeu. Ein an-
derer Unterleutnant, der altershalber die
neuen Manöver nicht mehr nntmacheu
konnte, ist in das Juvalideuhaus verlegt
worden, wo ihm auch als Jubilirtem die
Pension gegeben wird. — Die zweite Re-
vue wird später hinaus vor dem Kan-
tonirungsquartier gehalten, wo auch noch
mehrere Avancements Vorbeigehen werden.
Nächstens werden wir nuch die Werbe-
trommel rühren, um frische Rekruten zu
erhalten. Das Handgeld und Montur
muß ein jeder selbst mit sich bringen.
(Die weltlichen Stellen, deren das Stift
ziemlich viele zählte, nämlich einen welt-
lichen Premierrat und Oberamtmann,
1 Kanzletverwalter, 1 Kanzleirat, 1 Oeko-
nomierat, 1 Sekretär, 1 Registrator, 1
Hausmeister, je 1 Rat und Pfleger zu
Groß-Köz, zu Krumbach mit Hürben, zu
Refsingeu, zu Waltenweiler mit Kem-
nath, zu Kleiu-Köz, blieben natürlich von
diesem „Freischießen" unberührt.)
„Fortsetzung kann folgen"; es folgte
aber keine mehr, einfach weil dies das
letzte „Freischießen" bezw. die letzte Prä-
latenwahl zu Wetteuhauseu war, soferne
das Reichsstift im Herbst 1802 von Kur-
bayern aufgehoben und eingezogen wurde.

Alpinere Mirtellumioii.
Ansiedelung der Bärenthaler in
Wirteinberg 1721?) Jin Jahre 1717 wur-
den Einwohner des unter österreichischer Herr-
schaft stehenden Ortes Bärenthal (an der Bern
in Hohenzollern) ansgemiesen, weil sie den refor-
mierten Glauben angenommen. Sie wandten
sich nach Wirtembcrg und sahen sich allent-
halben im Lande um, wo sie Gelegenheit fin-
den mochten, ihre Wohnungen aufzurichten.
Sie verfielen 1721 auf einen Platz „zu den
3 Eichen" bei Mönsheim, OA. Leouberg, gelegen.
Hier wollten sie zunächst 9 Wohnungen bauen.
Solchem stund aber im Wege, daß die Bürger-
ch Akten des K. Finanzarchivs in Ludwigsburg
entuommcn.
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