Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Page: 113
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Organ für Geschichte, MtertumMunde,
Luiist und Lultur der Viüzese Gotteudurg und der augreuzeudeu Gebiete.
tserailsgeaeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Vecs; in KavcliSüurg.
Beiträge, Korrespondenzen re., Rezensions-Exemplare, Tanschzeilschriften re. wollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Bolksblatts" in Stuttgart, Urbaiistraße 94, gerichtet werden.

Ar. S.
-1S0S.

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24.
ahW.

Lecir.LüuigLriedrit'W Versuche einer
.Oeuorduuug der katholischen Lirche
in Württemberg
(und das Hineinspielen des Pariser
Nationalkonzils vom Jahre 18ll).
Napoleon I. hatte bekanntlich auch auf
kirchlichem Gebiete kühne Ideen, bei welchen
freilich sehr weltliche Motive unterliefen
bezw. vorschlugen. Nach seiner Ansicht
sollte die kirchliche Restauration Frank-
reichs auf der Grundlage der vier galli-
kanischen Artikel vom Jahre 1682 er-
folgen, was zum Teil schon durch das
Konkordat von 180l, noch mehr durch
einen Nachtrag hiezu in den »articües
orgumgues« vom 8. April 1802 geschah.
Go war aber keineswegs gemeint, hiebei
stehen zu bleibe»; vielmehr sollte auf
jenem Fundament iortgebaut werden, um
der französischen Kirche eine vollständige
nationale Selbständigkeit zu verschaffen,
d. h. eine französische Nationalkirche im
eigentlichen Sinne des Wortes zu schaffen,
wobei es an herrischem und rücksichtslosem
Vorgehen nicht gefehlt hat. Auch die
religiösen Angelegenheiten des israeli-
tischen Volkes wollte er ordnen und
hatte schon im Jahre 1806/08 das große
Synedrium für die Judenschast nach Paris
unter dem Vorsitz des Rabbiners Dav.
Zintheim aus Straßburg i. E. zusammeu-
berufen, um die Juden möglichst zu fran-
zösisiereu, bezw. dieses Sanhedriu mög-
lichst zum Mittelpunkt der Judenschaft der
ganzen Erde zu machen, was ihm Dal-
berg, der für seine Person nicht einmal
die Angelegenheiten seines eigenen Kapitels,
geschweige der ihm auvertranten Bistümer !

zu regeln im stände war, in Frankfurt a. M.
»achmacheu und daselbst u. a. nicht mehr
als 500 jüdische Familien zulassen wollte,
nicht ohne dafür Spott und Hohn zu
ernten. — Zur Förderung dieser seiner
kirchlichen Reformpläne hatte Bonaparte
nach den vorausgegangeneu Pariser Na-
tionalkonzilien von 1797 und 1800 sowie
nach den zwei „Kirchenräten" (auch
„Kirchenkommissionen" und „Privatkonzi-
lien" genannt) von Paris im Jahre 1809
und 1811 im letztgenannten Jahre ein
neues Nationalkonzil aus italienischen
und französischen Bischöfen, unter denen
nach dem damaligen Umfang des Kaiser-
reichs auch einige deutsche (so n. a. der
Bischof Colmar von Mainz, der Snff-
razanbischof Kaspar Maximilian
v. Dro ste-Vi sch erin g von Münster,
der frühere Mainzer Regens und nach-
malige Bischof von Tonrnay, Hirn, ec.)
sich befanden, nach Paris einberufen, um,
wie es hieß, den dringende» Bedürfnissen
der französischen und italienischen Kirche
abzuhelfen/ in Wahrheit aber, um etwas
ganz anderes zu erreichen (zu vergl. auch
den in „Nord und Süd", 66. Baud,
>98. Heft, XVII. Jahrgang (1893),
S.316—45, Breslau, Verlagöanstalt von
S. Scholtländer, veröffentlichten Aussatz:
„Zum Nationalkonzil von 1811"). Da
ihm sehr viel daran gelegen war, daß die
Autorität des Konzils auch durch eine
Teilnahme von deutscher Seite erhöht
werde, so erging ein offizielles kaiserliches
Einladungsschreiben an Dalberg, als
Erzbischof von Mainz - NegenSburg und
Fürstprimas von Deutschland, um diesen
zur Teilnahme am Konzil zu bestimmen.
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