Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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pia in der Predella des andere» Neben-
altars (Marienaltar). Allen drei Heiligen
ist je ein Schwert beigegeben, welches die
Art ihres Martyriums andentet; vor den
Leibern der Heiligen Reparatns nnd
Entropia hängt je ein in Gold gefaßtes
und an einem silbernen Kettchen befestigtes
GlaSgefäß (Kristall), eine sogenannte Blut-
ampulle, mit der Aufschrift, daß dieses
Blut von den heiligen römischen Märtyrern
Reparatns und Entropia stamme. Nach
Otts Katakombenbuch S. 70 f. hielten
die ersten Christen die Märtyrer in höchsten
Ehren. Wurden ihre Brüder zum Tode
verurteilt und zur Richtstätte geführt, dann
stürzten sie voll heiligen Wetteifers mit
Schwämmen nnd Leintüchern unter die
Folter und das Schafott, um das die
Erde bedeckende Blut aufznfangen nnd in
kleinen gläsernen Gefäßen entweder anf-
znbewahren oder neben die Gräber in den
Mörtel zu drücken. Gerade diese Blut-
ampullen sind nach einer Entscheidung der
Kongregation der Ablässe und Reliquien
vom Jahre 1668 das sicherste Zeichen
dafür, daß es sich um Grabstätten heiliger
Märtyrer handle.
Im Reliquienschrein des Hochaltars,
zu Füßen des heiligen Leibes, befindet sich
eine 20 cm hohe nnd 25 cm breite Holz-
tafel mit folgender, in allen Schriftzeichen
verfaßter Inschrift:
N. Claristi 5.
»Ueckeiarptus, Ueparatus et Outropia
deire merentes a X?I kamula Uriscilln
sepnalti sunt.«
Die einzelnen Heiligennamen sind mit
einer dnrchgezogenen Märlyrerpalme ge-
ziert.
Nach einer Bemerkung in der Pfarr-
registratnr befand sich auf einer Kiste, die
früher auf dem Göllesberg war, jetzt aber
nicht mehr existiert (wahrscheinlich kamen
in derselben die heiligen Gebeine von Rom),
dieselbe Aufschrift mit der weiteren Be-
merkung :
»Oxtructi Quarta Oie lVlensm Nasi
T^nno 1697«,
d. h. „die wohlverdienten heiligen Märtyrer
Redemptus, Reparatns und Entropia sind
von der Dienerin Christi Priszilla be-
graben worden. Sie (ihre Gebeine) wurden
ansgehoben am 4. Mai 1697".
Der Name „Priszilla" weist wohl hin auf

das Cömeterinm der hl. Priszilla in den
Katakomben. Die verschiedenen Abteilungen
der Katakomben werden nämlich benannt
nach dem Namen der Gründer. Die
Katakomben waren durch Jahrhunderte
hindurch in Vergessenheit geraten; erst
gegen das Ende des 16. Jahrhunderts
ist die allgemeine Aufmerksamkeit wieder
den Katakomben zugewendet worden; im
Jahre 1578 senkte sich nämlich eine Strecke
der Straße außerhalb der Porta Salaria,
und es trat die Katakombe der hl. Pris-
zilla zu Tage. Dieses Cömeterium (Grab-
stätte), aus welchem wahrscheinlich die
heiligen Leiber auf dem Gottesberg stammen,
an der salarischen Straße gelegen, ist eine
der ältesten aller Katakomben und zeigt
nach Ott wie keine andere so deutlich die
ersten Versuche der Christen, umfangreiche
Grabkammern und Galerien unter der Erde
zu bauen. Unzweifelhaft reicht der An-
fang dieser Grabstätte bis in die Apostel-
zeit hinauf, und sie verdankt ihr Entstehen
der hl. Priszilla, welche mit den Aposteln
lebte und Mutter jenes Senators Pndenö
war, der den hl. Petrus in sein Hans auf-
nahm und dessen Familie hier mit ihm
bestattet ward.
lieber das Leben der Heiligen Re-
demptus, Reparatns und Entropia ist
nichts bekannt; überhaupt ist es sehr frag-
lich, ob dies die Taufnamen der heiligen
Märtyrer sind; denn vielfach tragen die
Gräber in den Katakomben keine In-
schriften, und nur die angebrachten Sym-
bole (Palmzweig u. dergl.) und nament-
lich die eingemauerte» Blutgefäße lassen
auf einen heiligen Märtyrer schließen.
Lei Hebung solcher Reliquien legt der
Papst denselben zur Kennzeichnung einen
beliebigen Namen bei. Uebrigens sei hier
bemerkt, daß die Kirche nach dem römischen
Martyrologinm das Fest eines hl. Re-
demptus am 8. April, das eines hl. Re-
. paratus am 4. ul. 7. Dezember nnd das
einer hl. Entropia am 30. Oktober feiert.
Außerdem feiert man in der Diözese
Augsburg noch das Fest einer anderen
! Entropia am 12. August.
Aus dem U nstande, weil der heilige Leib
auf dem Hochaltar größer ist, als die
beiden Leiber auf den Seitenaltäreu, hat
man, wie man in Wurzach vielfach hört,
den Schluß gezogen, der hl. Redemptus
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