Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

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linger Kloster seine Zuflucht zu nehme»,
und bot ihm solche Güter au, die naä'
und nach von den Bürgern an die Fabrik
verkauft worden waren. Anfangs ent-
schuldigten sich die Schwestern, sie können
die Güter nicht kaufen, weil sie nicht so-
viel Geld haben und es nicht ratsam sei,
solches anfznnehmen, da die Güter die
Prozente (fünf) nicht tragen, sie selbst
aber dann den Schaden haben. Aber die
Gläubiger der Kirchenfabcik drangen von
neuem auf Bezahlung und drohten um
Prozeß.
(Fortsetzung folgt.)
Ult-mer,: MirteiluniMi.
Nachträge zu den o b e r sch w ü b i s ch e n
Maler» (in Nr. 7, XXI. Jahrgg. 1903, S. 103,.
Der daselbst nufgeführte Franz (nicht Friedrich)
Augustin Göh, ja nicht mit dein fast gleichzeitigen
Augsburger Maler Gütz zu verwechseln, war nicht
Maler von Beruf und fällt auch ein wenig früher.
Er war zu Ravensburg den 15. Aug. 1752 geb.,
machte die niederen Schulen im Gymnasium' der
N. Karmeliter seiner Vaterstadt, die höheren,
d. h. Philosophie und Theologie, zu Freiburg i. Br.
durch. Im I. 1779 den 18. September zum
Priester geweiht, trat er in die Seelsorge, wurde
1786 Kaplan in Erolzheiin, 1792 als Pfarrver-
weser von Eggartskirch bei N. von Fürstabt
Rupert II. in Kempten zum Geistlichen Rat er-
nannt, auf ein Benefizium von St. Andreas au der
unteren Stadtpfnrrkirche zu St. Jodok in seiner
Vaterstadt befördert. Als talentvoller Dilettant
der Zeichnungskunst und Malerei unternahm er
ansehnliche und oftmalige Reisen, um die Galerien
und dis Kunststücke großer Meister kennen und
ihre Schönheiten nachahmen zu lerne». Bei dieser
Gelegenheit kopierte er, der nicht übel malte und
sich hierin nach und nach immer mehr vervoll-
kommnete, manche Bilder, namentlich Miniaturen.
Auch legte er sich allmählich eine recht ansehnliche
und zahlreiche Gemäldesammlung, insbes. von
Miniaturen an, sammelte selbst Originnlicn, wo
er konnte, mit bedeutende» Unkosten, dabei auch
Kupferstiche, Zeichnungen und dgl. Im I. 1796
errichtete er, von der Notwendigkeit und Nützlichkeit
des Zeichnens im allgemeinen, besonders auch
für die Gewerbe, überzeugt, in seiner Baterstadt
N. eine Zeichnungsschule für Jünglinge, vor-
nehmlich für angehende Handwerksgesellen und
Lehrlinge, der er selbstlos bis 1818 als Lehrer
verdienstvoll Vorstand (s. Eben, Gesch. der Stad!
Rav., II, S. 380 und 557). Da seine Pfründe
alsdann eingezogen wurde, so ward er das Jahr
darauf auf die Knplanei Bergatreute versetzt,
welche ihm indes nicht zusngte. Er kehrte deshalb
nach N. zurück und starb das. am I. Septbr.
18s7 (nicht 1825). Seine beträchtliche Gemälde-
sammlung verwendete er vor seinem Abgang
nach Bergatreute zu einer Stipendienstiftung für

arme tugendhafte Mädchen, und zwar abwechselnd
das eine Jahr für solche in der nahen k. k. Kreis-
stadt Bregenz n. B. (aus Dankbarkeit für die
vielen in der öslerr. Monarchie von ihm genossenen
Wohltaten), das andere in seinem Geburtsorte.
Zu diesem Behuf übelführte er die ganze Samm-
lung nach Bregenz, wo sie in den oberen Zimmern
der Stadtkanzlei aufgestellt war und gegen 6 kr.
Eintrittsgeld, das für arme Schulkinder verwendet
wurde, täglich besichtigt werden konnte, bis sich
ein Käufer für selbe mit einem angemessenen
Angebot fände. Hiezu legte er noch 200 fl. in
bar zur Sicherung der Äufstellungs- und Ver-
waltungskosten. Er selbst sammelte aber bis
zu seinem Tode immer noch fort mit der Zusage,
etwaige Neuerwerbungen nnchzuliefcrn. Was aus
der Sammlung dann geworden und wohin dieselbe
im Laufs der Zeit gekommen ist, hat sich bis
jetzt nicht ermitteln lassen. — Im I. 1802 gab
er ein neues Zeichnungsbuch für angehende Künst-
ler und Handwerker, nebst Text zum Selbst-
unterrichte heraus, daS 1-14 Verzierungen, viele
Laubwerke und 50 Rosetten in ihren Grundlinien in
verjüngtem Maßstnbe enthält, drei Hefte, kl. Fol.;
nach diesem Buche sowie nach zahlreichen eigenen
Hnndzeichnungen und Kupferstichen erteilte er den
Zeichenunterricht. Im I. 1803/04 folgten neue
Stickmuster, zwei Hefte in Steindruck. Ravensburg
bei Grndmann. Im I. 1812 gab er ebendaselbst
ein Heft verschiedener Urnen in Steinabdruck
heraus.
Zu Maler Müller (XXI. 1908, S. 102). Franz
Jos. Müller, tüchtiger Maler aus Arnach bei
Wolfegg, P um 1811. Von demselben besitzt Nnt-
schrciber Wehle in Ravensburg ein gutgemaltes
Selbstporträt (Brustbild) im Kostüm seiner Zeit
und mäßigen Format, auf Leinwand. Auf dessen
Rückseite steht mit Feder geschrieben: IO I. blüller
cle tlrnacli. 1775. Xvtus ln peniclllo et plc-
tura etc., worauf verschiedene von ihm nach
Ellwnngen in Oberschwaben (wahrscheinlich in dis
Pfarrkirche) gemalte Bilder angeführt sind. Ein
Sohn, der älteste, Alois Müller, war Maler in
Wolfegg. Ein weiterer Sohn, Phil. Müller, scheint
Zeichenlehrer in Wolfegg um 1838 gewesen zu sein.
Es wird dann noch ein Maler Ulrich Müller in
Wolfegg genannt. Der eine und andere dieser
Müller bennmsete sich auch ab und zu „Hofmaler".
Zur Zeit existiert ein Maler Müller in Kißlegg.
Im benachbarten, jetzt bayerischen. Schwabell
war im vorvorigen Jahrhundert im Benediktiner-
kloster Jrrsee I?. Magnus Nemi ein nicht
unbedeutender Maler. — Im 18.-19. Jahrhundert
besaßen der rühmlich bekannte gebildete Gasthof-
besitzer Joh. Gg. Deuringer „zu den drei
Mohren" in Augsburg und der Patrizier
v. Steiger in Memmingen namhafte Ge-
mäldesammlungen, voll welchen letztere in den
1830 er Jahren zum Teil in Stuttgart zum
Verkauf einige Zeit ausgestellt war. Es exi-
stieren von denselben gedruckte Kataloge, nämlich
„Beschreibung der Gemäldesammlung des Joh.
Gg. Deuringer „zu den drei Mohren" in Augs-
burg". Ebendas. 1810. — Eigner, „v. Steiger-
sche Gemäldebeschreibung, Memmingen, 1837".
11 s c Ic.

Stuttgart, Vuchdruckerei der Sllt.-Ees. „TeutscheS VolkSl'latc".
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