Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 24.1906

Page: 80
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16
404
195
363
204
607
1689
Mit Scharfsinn ist hier jedem der 12 in dieser
Inschrift vorkommenden Buchstaben eine beson-
dere, ständige Zahl beigesetzt, in der Weise, daß
die Summe aller Zahlen das Jubeljahr 1689
ergibt. Man beachte hiebei, daß die Zahlen für
1>, c, -1, e, l der Stellung dieser Buchstaben im
Alphabet entsprechen, die übrigen Zahlen sind
das 10- beziv. Mache vorhergehender Zahlen:
(», welches die 20, Stelle im Alphabet ein-
nimmt, bekommt die Zahl 200); überhaupt steht
die Größe dieser Zahlen in einem solchen Ver-
hältnis zur Stellung der betreffenden Buchstaben
im Alphabet, daß den in der Ordnung des
Alphabets einander folgenden Buchstaben immer
eine größere Zahl znkommt (1, 2; u 200), als
dem vorhergehenden,
Tb. 8 cdun. Die Burgkapellc im
Schloß Wirtembcrg, Frommen Sinnes
haben die Grasen von Württemberg frühzeitig
auf ihrer Stammburg Wirtembcrg eine Burg-
tapelle bauen lassen. Die Inschrift über die
Weihe derselben, die von Hofrnt vr. Seysfer in
Cannstatt beim Abbruch der Burg gesunden wurde
und jetzt in den griechischen Tempel eingemauert
ist, lautet:
nxno liOöiidlici-: inc/zbldlOBiodiis)
VI ION 8(1 NO) OXXXIII ixvicsTioxi-:) VI
VII II)V3 TLO(llvältll) IILVsIlI'iz) IILO
c^r(III,OL) rXDRIMHIO) VVOKN(^TI)-
r: 113(18) klO(OEL8i)i: i:?(i8co?)o m 11(0-
HOHLN) 8(LX0Tl I4ic0i,/1).
Der jedenfalls nur kleinen Burgkapellc geschieht
selten Erwähnung. Am 8. Februar 1291 befreite
Gräfin Adelheid von Sigmaringen 5 Morgen
Weinberg auf dem Goldberg bei Untertürkheim
von einem Jahreszins von I Eimer Wein, so
jährlich davon gangen ist Saut Nyclausen zu
Wirtemberg (Württ. Geschichtsquellen I V, S. 93).
Als am 25. Juni 1478 Graf Ulrich v. Württem-
berg die Rechte und Pflichten der Einwohner
von Rotenberg festsetzte, heißt es: für die
Schloßkaplanei gab Untertürkheim 9 Fuder
4 Eimer, später, d. h. 1478, 8 Fuder 2 Eimer
Burg- und Bendweiu, nachdem einige Güter
veräußert worden waren. (Neyscher, Statutar-
rechte 666—656.) Die reAeatro subslclli cdur-
litov, im Bistum Konstanz-1608 melden: item
capellunus in cirstro VVirlernberx bubet XXXVI
Ukuncl Heller, solvlt I ITunci XVI 8cbiIIivt;
Heller?) Am 16. Juni 1626 verschrieben sich
Bürgermeister und Rat zu Eßlingen gegenüber
Johannes R ei tte r, Caplau uff Wirtemperg?)
das sie ihn zu einem Pfalbürger angenommen
haben mit dem Geding, daß er aller Beschwerden
frcy sey, dann daß er sein Haus und andere
') Freiburg. „Diözesanarchiv" 26, 96.
-) Derselbe kommt nicht in der Tübinger
Nniversitätsmntrikel vor.

liegende Gueter in ihrer Obrigkeit gelegen ver-
steuere und verzinzete und alle Beschwörde davon
thun soll, auch uni alle Sachen, die sich verlausten
wurden, vor ihrem Stand und Gericht Recht
geben und nehmen soll, wie ander Priester, die
Bürger sind, sollen ihn auch schützen und schirmen,
soll 'jaerlich uff Martini (11. Nov.) den Steuer-
herren aufs Haus überantworten 2 Gulden, sollen
all Guter nach seinem Tod mitsampt dein Haus;
ihren cingeseßenen Bürgern verkaufst werden. Soll
ihrer Statt Nutz und Frommen fördern, Schaven
waren. Er sagte nnd verspricht alles bei seiner
priesterlichon Würde?) Es hat also die Kapelle
vom Jahre 1088, da sie am 7. Februar geweiht
wurde, sicher bis 1626 bestanden. Bis l!>34
verlieh König Ferdinand 1. sie als echter Kasten-
vogt. Als Herzog Ulrich v. Württemberg 1634
sein Land zurückeroberte, wurde sie jedenfalls
profaniert.
B r i e f k a st e n.
Nach T.: Wie ich ja in meiner Arbeit selbst
bemerkte, kan» die Zahlcnsymbolik, namentlich bei
3 und 7, bis ins Ungemessens ausgedehnt worden.
In Zepfcnhan, OA. Rottweil, ist in der Pfarr-
kirche ein etwa aus dem 18. Jahrhundert stam-
mendes Gemälde von den 7 Zufluchten (zu
vgl. auch „Das Gebett zu denen heiligen sibeu
Zusluchten" in dem Ellwanger Gebetbüchlein
(S. 160): „Geistliche Sonnenblnme, d. i. kurze
tägliche Besuchungeu zu dem allerheiligsten Sakra-
ment des Altars sammt unterschiedlichen u. Au-
dachtsübungen re., mit Erlaubnis; der Oberen,
gedruckt in Ellwaugen bei Antoni Bruchauer,
hochfürstl. Hvfbuchdrucker u. Händler 1764. 8"")
zu sehe». Pfarrkirchen zu den 7 Zufluchten gibt
es weiter zu Wien-Lcrchenfeld und Kirchberg bei
( Enzendorf. Kirchheim im Ries? — Die alten
7 Burgen zu Schwäb. Hall sind bekannt (s. „Hau-
sier, „Zum Sieben Bürgen" oder die alten 7 Burgen
zu Hall in „Zeitschr. f. w. Franken", Vl, 1863,
S. 214—27); die „7 Servilen" (Tag: 21. Feb-
ruar) haben aber nichts hier zu tun. Die
„7 hl. Jünglinge". — Die 7 Freuden Mariä
(„Von den syben sondern Fremden Marie, die
sie hie in zeyt gehabt / Vnd von Syben sondern
fremden die sie yetz zu Himmel hat", verlegt durch
Jorgen Diemar / Gedruckt von mnyster Hansen
Ottmar in Augspurg . . . 1612"). — Die „7 O"
sind die bekannten 7 Adventsgebete der Kirche,
welche sämtlich mit „O" beginnen. — In
neuester Zeit erschien auch eine „Plauderei" von
Leo Cassinn über „d ieZnhl 7" im „Deutschen
Hausschatz" XXX11. Jahrgg., 7. Heft, 1905/06,
S. 198/199 sowie ein Artikel in den jüngsten
Veröffentlichungen des mathematischen Vereins
in ttlm über Zahlennbcrglnuben. Die Zahl 3 be-
treffend — so heißt man in Kärnten den 2. Freitag
nach Ostern den Dreinägelfreitag, an wel-
chem sowie an den 2 nächstfolgenden Freitagen
zahlreiche Wallfahrer auf de» St. Christophsberg
in Kärnten wallen. Nebenbei bemerkt heißt man,
in Kärnten den Sonntag nach dem Fronleichnams-
fest den chö ns o u n tn g, an weichem ebenfalls
ans den ge». Berg gewallfahrtet wird. Ilecb.

') Stadtarchiv in Eßlingen, Lade 22. Reversbuch.
Stuttgart, Buchdruckerei der Alt.-Ges. „Deutsches VolkSlilatt",
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