Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

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(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Inhalt.

Abhandlung: Die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien. I Bremen, im März. (Ausstellung des Norddeutschen Cyklus.

Korrespondenzen: 8. Wien, Ende März. (Oesterreichischer Kunstverein. — Forts.) — M. New-Hork, Ende Januar. (Kunstausstellung rc. Forts.)

-e-Dresden, 11. März. (A. Donndorfs Karl August rc. Schluß.) — Kunst-Chronik: Lokal - Nachrichten aus Berlin, Weimar, Goslar, Nürnberg,
LJ Düsseldorf, am 23. März. (Ausstellungen; Brand rc. Forts.) — Wien, London.

F. K. München, Ende März. (Ausstellung im Kunst-Verein.) — Kunstkritik: Berliner Monatsschau. — Briefkasten.

Pie Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien.

ie Begründung der ans dem frühe-
ren sog. „Aelteren Kunst-Verein"
in Wien, nach 38jährigem Be-
stehen desselben, hervorgegangenen
„Gesellschaft für vervielfältigende
Kunst" war ohne Zweifel ein
glücklicher Gedanke; ein Gedanke,
welcher auch dem vor 17 Jahren hier in Berlin
von dem Herausgeber dieser Blätter unter dem
Titel eines „Museums für Kunst und künstlerische
Interessen" gegründeten Verein zu Grunde lag.
Während aber der letztere aus Mangel an Be-
theiligung gerade derjenigen Freunde der Kunst,
nämlich der Sammler und Liebhaber gediegener
Kupferstiche und Radirnngen, von denen man ein lebhaftes In-
teresse erwarten durfte, zwar nicht unterging, aber sich — was
vielleicht noch schlimmer — in einen gewöhnlichen Kupferstich-
Verein für das große Publikum zu verwandeln genöthigt war,
nahm die wiener „Gesellschaft für vervielfältigende Kunst", da
sie von vornherein auf einen nicht unbeträchtlichen Bestand von
Mitgliedern (des älteren Kunstvereins) fußen konnte, gleich An-
fangs einen bedeutungsvollen Aufschwung. Gegenwärtig ist sie

schon in der glücklichen Lage, jährlich die bedeutende Summe
von ca. 20,000 Gulden auf graphische Reproductionen klassischer
Meisterwerke älterer sowohl wie neuerer Kunst zu verwenden,
und wir hegen nicht den geringsten Zweifel, daß, wenn der
Verein nicht sich meistens auf Wien oder doch auf Oesterreich
beschränkt, sondern im Interesse der Sache eine sicher erfolgreiche
Propaganda für die Theilnahme an seinen Bestrebungen im Aus-
lande, ja bis jenseits des Oceans zu machen versucht, seine Mittel
sich in kurzer Zeit verzehnfachen dürften.

Um seine im höchsten Grade anzuerkennende, weil auf die
echte Kunst gerichtete Thätigkeit zu charakterisiren, bedarf es
eigentlich nur eines kurzen Hinweises auf die Namen der Meister
und die Titel der Werke, welche als Objekte der künstlerischen
Reproduction gewählt wurden. Schon die ersten Hefte zeigen eine
Reihe gediegener Blätter: „Vorhang aus dem neuen Opernhause"
nach Laufberger, gest. von Bültemeyer, und zwei Detail-
Darstellungen aus dem Vorhänge: „Ländliche Musik", gest. von
Sonnenleituer, und „Hochzeit", gest. von Eissenhart,
„Der Lieblingspage" von Mackart, radirt von Unger, „Nähe
des Wolfes" von O. v. Thoren, radirt von Unger, „Zigeu-
nerin" von Pettenkofen, radirt von Unger, „Die Beichten-
den", Aquarell von Passini, radirt von Unger, „Scheuende
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