Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

Page: 323
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Anhalt.

Abhandlung: Zur Säkularfeier Lucas Cranach's des Älteren. Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Weimar.

Korrespondenzen: F. K. München, den 26. Oktober. (Kunstverein.) — Kunstkritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Forts.) I. Malerei.
() Brüssel, Ans. November. (Kunstausstellung. Forts.) — f Rom, 7. Ernstes Genre rc.

im Oktober. (Ausgrabungen.) Kunst-Institute und -Vereine: Königliche Museen in Berlin. — Briefkasten.


Jur Sakutarfeier Aicas Eranach's des Alleren.

ie Feier der 400jährigen Wieder-
kehr des Geburtsjahrs des Meister
Lucas Cranach*), welche zu Wei-
mar festlich begangen wurde (siehe
die betreffende Notiz in der Chro-
nik), giebt uns auf's Neue Ver-
anlassung, dem Andenken des alten
deutschen Meisters einige Worte der Charakteristik
zu widmen. Es kommt uns dabei hinsichtlich der
historischen Daten kürzlich erschienene, in der
Anmerkung erwähnte Schrift zu Hülfe, deren
Stoff den größeren Arbeiten von Heller, Schöll,
Schuchardt u. A. entlehnt ist.

Wie die Stadt Nürnberg sogleich an
Albrecht Dürer und Hans Sachs, die Stadt Basel an Hans
Holbein erinnert, so steht Wittenberg nicht nur mit dem

*) Sein eigentlicher Name war nach Kugler (Geschichte der Malerei,
3. Ausl. Thl. II. S. 518) Sünder, und damit stimmt die neueste, von
einem Nachkommen Cranach's verfaßte Biographie (Lucas Cranach, der Maler
der Reformation. Eine biographische Skizze zum Gedächtniß der vierten
Säkularfeier seines Geburtsjahres 1472, aus den vorhandenen Quellen zu-
sammengestellt von einem dankbaren Enkel. Nebst einem Portrait in Holz-
schnitt. Wittenberg, Verlag von Herrn. Kölling, 1872) Uberein.

Kurfürsten Friedrich dem Weisen und Luther, sondern auch mit
Lucas Cranach in unmittelbarer Jdeenverbindung. Lucas,
welcher den Namen Cranach seiner Vaterstadt Kronach im ehe-
maligen Bisthum Bamberg verdankte, wo er 1472 geboren
war, nannte sich selbst niemals anders als „Maler zu Witten-
berg". Auch wird ihm dieser Name in dem ihm vom Kur-
fürsten Friedrich dem Weisen im Jahre 1508 in Nürnberg
ausgestellten Wappenbriefe beigelegt, wobei ihm auch der ge-
flügelte Drache mit dem Rubiuringe im Rachen — sein be-
kanntes Malerzeichen — als Wappen verliehen wird.

Wittenberg hatte damals nicht nur als Centrum der Re-
sormationsbestrebungen Deutschlands, sondern auch als Haupt-
stätte der deutschen Wissenschaft eine große Bedeutung. Sein
Ruhm drang weit über die Grenzen des Vaterlandes, wie denn
z. B. Shakespeare seinen Hamlet in Wittenberg studiren läßt.
Vieles erinnert hier noch an den alten deutschen Meister, welcher
recht eigentlich der Maler der Reformatoren genannt werden kann.
In der Schloßkirche selbst befinden sich die Bildnisse Luther's und
Melanchthon's von seiner Hand, in der Stadtkirche ein großes
Altargemälde, im Rathhause mehre Bildnisse und andre Gemälde.
Cranach selbst besaß, ebenso wie Luther und Melanchthon, mehre
Häuser in Wittenberg, wo er in so hohem Ansehen stand, daß
er im Jahre 1519 in das Rathskollegium als Kämmerer und

IO. November
1872

ganzen Jahrgang angenommen.

Preis des Journals pro Quartal l1/, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den

(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

1?ter Jahrgang.

M 41.

tirr Drutscke«

Herausgegeben und redigirt von

Dr. Max Scfjasfer.
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