Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

Page: 363
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioskuren1872/0376
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Preis des Journals pro Quartal l1/, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.

(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Anhalt.

Korrespondenzen: -e- Dresden, 5. December. (Herstellung von Künstler- Kunstkritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Forts.) I. Malerei.
Ateliers in Dresden.) — () Brüssel, Anfang December. (Kunstaus- 13. Landschaftsmalerei. (Schluß.)

fiellung. Schluß.) Lunstliteratur und Album: Weiß' „Kostümkunde". — Schwind's „Sieben

Kunst - Chronik: Lokal-Nachrichten aus Berlin, Köln, Mainz, München, Raben und die treue Schwester". — Ed. Hildebrandt's Aquarelle rc.

Wien, Graz, Venedig, Rom, Antwerpen, Petersburg. Kunst-Institute und -Vereine: In Sachen der Rottmann'schen Fresken rc.

Korrespondenzen.

resden, den 5. December. (Her-
stellung von Künstler - Ate-
liers in Dresden.) Ein an
die jetzt tagende Ständeversamm-
lung gerichtetes königliches Dekret
beansprucht die Bewilligung von
99,000 Thlrn. zur Herstellung von
Künstler-Ateliers in Dresden. Unter Hinweis auf
die betreffenden Verhältnisse der Kunstakademien in
Berlin, Wien, München und Düsseldorf, sowie der
Kunstschulen in Karlsruhe und Weimar weist das
erwähnte Dekret nach, daß Dresden gegen jene
Kunststätten bisher weit zurückgeblieben ist. Es
entbehre in seinem Kunstleben und Kunststreben noch
jener inneren Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft,
ohne welche keine eigenartige Kunstrichtung sich bilden kann, und ohne
welche die Künstler auf sich selbst angewiesen bleiben und eines der
wichtigsten Bildungsmittel, der gegenseitigen Anregung und Kritik,
entbehren müssen. Nicht einmal für die Atelier-Vorstände und die
akademischen Lehrer sind öffentliche Ateliers in ausreichender Menge
vorhanden, und die vorhandenen sind in allen Theilen der Stadt
so zerstreut, daß selbst den an der Akademie als Lehrer wirkenden
Künstlern die engere Verbindung zu einander wesentlich erschwert

wird. Wenn die Bildhauerkunst eine hiervon etwas abweichende
Erscheinung darbietet, so ist dies zunächst auf Rechnung besonderer
Umstände zu bringen, zumal die Akademie auch das Glück gehabt
hat, seit einer Reihe von Jahren zu Vorständen des Bildhauer-
Ateliers so namhafte Künstler zu besitzen, welche nicht nur als Auto-
ritäten gelten, sondern auch zum Mittelpunkte zahlreicher befähigter
Kunstjünger geworden sind. Der Mangel an Wohn- und Arbeits-
räumen hat in Dresden in so bedenklicher Weise zugenommen, daß
die in der Mehrzahl unbemittelten Künstler sich kaum ein Unter-
kommen zu verschaffen vermögen, insbesondere aber eine wirkliche
Ateliernoth eingetreten ist. Dazu kommt die dermalige Unsicher-
heit des Verbleibens in ermietheten Räumen und die stete Besorg-
niß vor der jetzt in übertriebener Weise üblichen Steigerung der
Miethpreise. Der Künstler empfindet diese Verhältnisse ganz besonders
schwer, da ihm sein Atelier die eigentliche Heimath ist, in der er lebt
und webt, und wo er die für sein produktives Schaffen ihm nöthige
Ruhe und Sammlung finden muß. Die Unsicherheit und Sorge
wegen des Atelierbesitzes greift daher so tief in das Leben des
Künstlers ein, daß die Beschaffung von ermietheten öffentlichen
Ateliers für die hiesigen Kunstzustände geradezu zu einer Lebensfrage
geworden ist. Unter diesen Umständen ist daher wohl anzunehmen,
daß die sächsischen Kammern nicht säumen werden, das besagte Dekret
zu berücksichtigen und die nöthigen Mittel zur Erbauung eines
loading ...