Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

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(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Inhalt.

Abhandlung: Was heißt Styl in der, bildenden Kunst? (Schluß.) Lnnst-Chronik: Lokal-Nachrichten aus Berlin, Leipzig, Düsseldorf, München,

Korrrsponden-cn: □ München, den 2. Februar. (Das Jsarthor. Der Wien, Paris.

Fischbrunnen. Das neue Rathhaus. Forts.) — F. K. München, Ans. Kunst-Institute und -Vereine: Münchener Alterthumsverein.

Februar. (Kunstverein. Forts.) — v. H München, Mitte Februar. Allgemeines Ausstellungs-Programm der mitteleuropäischen Kunst-Vereine.

(Neue Werke.) — 8. Wi^n, Anfang Februar. (Künstlerhaus. Forts.) Apborismen und Miscellen.

Was heißt Styl in

(Forts, li-

tt Betreff des Gegensatzes von Natura-
lismus und Spiritualismus in der
Landschaftsmalerei ist nachträglich zu
bemerken, daß derselbe nicht eins und
zu verwechseln ist mit dem Gegensatz
des Realismus und Idealismus,
wenngleich er als dessen einseitiges Ex-
trem erscheint. Der Unterschied zwi-
schen den beiden Seiten des letzteren
Gegensatzes ist indeß nicht minder tief,
obschon ganz anderer Art als der des
ersteren, und umfaßt nicht nur die
Mittel, sondern, auch die Zwecke der
Darstellung. Während nämlich die-
jenigen Künstler, die vor Allem nach
der Ausprägung einer bestimmten Stimmung streben, welche
gleichsam die poetische Wahrheit des betreffenden Naturmotivs
ist und daher als Naturcharakter dieses Motivs in höherem,

der bildenden Kunst?

Schluß.)

geistigem Sinne erscheint, vorzugsweise gern einfache, prägnante
Motive wählen, weil sich darin von ihrem (der Künstler) eigen-
stem Wesen, von ihrer Anschauungsweise am meisten znm Aus-
druck bringen läßt, auch in solchem einfachen Motiv der Stim-
mnngscharakter am entschiedensten zur Geltung kommt: so greisen
die Künstler der entgegengesetzten Richtung nach materiell reichen
Motiven von romantischer Mannigfaltigkeit, weil sie dabei am
wenigsten selbst zu schaffen brauchen, vielmehr nur Das, was
die Natur in so großer Fülle darbietet, möglichst treu wieder-
zugeben nöthig haben, um des Erfolges ans die Liebhaber von
schönen Gegenden sicher zu sein.

Nun stellt sich aber hiebei ein merkwürdiger Umstand her-
aus, der den Unterschied zwischen den beiden oben berührten
Doppelgegensätzen mit großer Schärfe darthut. Es könnte näm-
lich scheinen, als ob die Maler der schönen Gegenden die eigent-
lichen Realisten, die Stimmnngsmaler dagegen die Idea-
listen der Landschaftsmalerei seien. In der That ist es aber
umgekehrt. Denn vom künstlerischen Gesichtspunkt ist gerade
die Stimmung das wahrhaft Reale in der Natur, d. h. der
künstlerische Zweck der Darstellung, während die Bäume, Felsen,
Wasser und Berge, kurz Das, was den materiellen Inhalt des
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