Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

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(Kedaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Anhalt.

Korrespondenzen: 8. Wien, Mitte April. (Jahres-Ausstellung im Künstler- Kunst-Chronik: Lokal-Nachrichten aus Berlin, Hannover, Düsseldorf, München,
hause.)— K. München, Ende März. (Ausstellung im Kunstverein. Breslau, Dresden, Graz, Perugia, Paris, London.

Schluß.) — * Bremen, im März. (Ausstellung des Norddeutschen Kunstkritik: Berliner Monatsschau. (Forts.)

Eyklus. Forts.) — f Rom, 5. April. (Ausgrabungen.) — M. New- Ausstellnngskalender.

Port, Ende Januar. (Kunst-Ausstellung u. s. f. Schluß.) Briefkasten.


Korrespondenzen.

ien, Mitte April. (Große Jahres-
Ausstellung im Künstlerhause.)
Wohlgezählt 741 Nummern enthält der am
Eröffnungstage, 10. April, ausgegebene und
erst in der Nacht vor demselben vollends ge-
ordnete Katalog. Nun werden noch Supple-
mente und die fortlaufenden Nummern jener
Werke kommen, welche etwas später angelangt
sind oder auch bestimmt werden, nach einiger
Zeit, im Mai, das Ganze, wie neues Quell-
wasser einen See, aufzufrischen. — Nicht zu
wenig gerade für eine Jahres - Ausstellung,
wenn man bedenkt, daß fast während des
ganzen Jahres noch zwei Ausstellungen in Wien nebeneinander mit
monatlicher Erneuerung existiren und Künstler bereits zurückhaltend
werden, im Hinblicke auf die große, neue, allergrößte Ausstellung
im Welt-Industrie- und Kunst-Palaste!

Mit nicht geringer Neugierde haben wir gerade dieser Aus-
stellung entgegengesehen. Wir konnten annehmen, daß das fran-
zösische Kunstleben, als im Augenblicke zurückgedrängt, sich auch an
diesem Platze nicht besonders bemerkbar machen werde. Aus Belgien
viele Gäste zu sehen sind wir nicht gewohnt, England zählte für
Wien in solcher Rücksicht nie. Wir erwarteten demnach freudig, den
deutschen Geist völlig und kräftig sich entfalten zu sehen, ja meinten
geradezu, dieser werde wie der Riese Antäus aus dem neuen Boden,
welchen er berührt, frische Kraft gewonnen haben. Die Künstler
der Nation, welche von Weißenburg nach Vavre, vom Rhein bis
zum Mittelmeere marschirt ist, da Allerlei erlebt hat und im Sieges-
zuge wieder in die Wohnsitze, welche vom „Fels zum Meer" liegen,
heimgekehrt ist — sollten so Mancherlei zu erzählen, darzustellen, zu
glorificiren und imaginiren vermögen. Von der Antike erwarteten
wir im vorhinein nichts, da die Gegenwart derlei den geduldigen
Akademieschülern überläßt, die Landschaft muß stetig an Demjenigen
festhalten, was war und sein wird — aber die Kunst des Genres,
diese rastlose Vertreterin der Zeit, aus der sie entsprossen, diese
Zeugin der Gegenwart und Interpretin für die Zukunft, diese sollte
Reichliches zu bringen haben.

Mit großem Erstauen sehen wir nun, daß alles in obigen
Worten Angedeutete, Gewünschte, Erwartete total fehlt. Nichts ist
da, was die Seele in erwähnter Rücksicht ergreifen, anregen könnte,
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