Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

Page: 379
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Preis des Journals pro Quartal l1/, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.

(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Inhalt.

Abhandlung: Weihnachtsbilder. Kunstkritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Schluß.)

Cunst-Chronik: Lokal-Nachrichten aus Berlin, Düsseldorf, Bonn, München, Allgemeines Ausstellungs-Programm der mitteleuropäischen Kunst-Vereine.
Bern, Rom. AusstelluugsKalender.

Die geehrten — hiesigen wie auswärtigen — Abonnenten unsers Journals, welche dasselbe unter Kreuzband
erhalten, werden ergebenst gebeten, das Abonnement für das erste Halbjahr 1873 — im Betrage von 3 Thalern —
baldigst an die Unterzeichnete Expedition einsenden zu wollen; und werden wir von Allen, welche weder den Betrag
bis zum 15. Januar eingesandt noch das Journal abbestellt haben, anzunehmen uns gestatten, dass sie die Einziehung
des Betrages per Postvorschuss wünschen.

Berlin, den 27. December 1872. Die Expedition der Deutschen Kunstzeitung.

Mchllchtsbildtt.

uter „Weihnachtsbildern" ver-
stehen wir hier nicht Weih-
nachtsausstellungsbilder, son-
dern Darstellungen der Weihe-
Nacht, das heißt der Geburt
Christi. Dieselben sind fast

christliche Kirche selbst und ge-
der Malerei, sondern auch der
Plastik (sogenannte „heilige Krippen"), ja selbst
der dramatischen Kunst, namentlich im Mittelalter, an.

Interessant ist hiebei die Bemerkung, in welcher Weise die
Lokalität — der Stall mit Ochs und Esel, welche zuweilen von
Joseph gefüttert werden — allmälig typisch geworden ist, obschon

kein Evangelist von der Anwesenheit dieser Thiere etwas er-
wähnt. Die Exegese hat sich viele Mühe gegeben, diese An-
wesenheit aus den Gemälden zu rechtfertigen. Man hat auf die
angeblich auf die Geburt Christi zu beziehende Stelle des Je-
saias hiugewiesen, worin es heißt: „der Ochse kennt die Stimme
seines Herrn und der Esel gehorcht seinem Herrn", wobei das
Wort „Herr" ganz willkürlich auf Christus bezogen wird. Uns
scheint, daß die alten Maler an solche Feinheiten gar nicht ge-
dacht haben, sondern es ist viel wahrscheinlicher, daß einer der-
selben, um den „Stall" als solchen recht kenntlich zu machen,
einen Ochsen und einen Esel hineingemalt hat. Andere sind ihm
darin gefolgt, später ist man dabei geblieben, d. h. Ochs und
Esel sind Typen und zuletzt fast Dogmen geworden, welche mit
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