Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

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(Kedaction und Expedition der Dloskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Anhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Üirnst-Chroriik: Lokal-Nachrichten aus Berlin, Leipzig, Dresden, Weimar,
LXXXVII. Ferdinand Knab. Düsseldorf, München, Wien.

Korrespondenzen: 8. Wien, Ende Juni. (Jahres-Ausstellung. Schluß.) — Kunstkritik: Die Ausstellung der Konkurrenz-Skizzen zum Goethe-Denkmal

V. H. München, 24. Juni. (Ausstellung im Kunstverein. Forts.) — in Berlin. (Schluß.)

st Rom, 6. Juui. (Die Consulta 8torica archeologica u. s. f.) — Kunst-Institute und -Vereine: Welt-Ausstellung 1873 in Wien. (Schluß.)

□ M ünchen, Mitte Juni. (Wanderungen durch Kunstwerkst. Forts.) Aphorismen und Miscetlen.

Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.

führten, schuf er so selbst ein organisch gegliedertes Ganze, das
wieder zur Natur leitete, der es seine wesentlichsten Formen
wenn auch mit mancherlei Modifikationen entlehnt hatte.

Die Tiefe des Gedankens, die Größe oder Anmnth seines
Ausdruckes, das Lebensvolle seiner Erscheinung wirkte so mächtig
aus die nach Schönheit dürstende Seele des Künstlers, daß er
nicht zauderte, diese Werke menschlicher Erfindungsgabe in die
Reihe der Gegenstände aufzunehmen, die er gelernt hatte mit
Stift und Pinsel wiederzugeben.

Und so entstand die Architektnrmalerei.

Der Architekturmaler kann verschiedene Zwecke verfolgen
und wird sich hienach verschiedener Mittel bedienen.

Es kann ihm darum zu thun sein, lediglich die äußere
Erscheinung eines einzelnen Gebäudes, oder auch nur eines
Theiles desselben oder endlich einer Anzahl von Bauten ohne
Nebengedanken -festzuhalten. Indem er hier das, was sich seinen
Augen darbietet, einfach abschreibt, stellt er sich aus die niederste
Stufe seiner Kunst, welcher die Erfindung der Photographie,
trotzdem sie nicht im Stande ist, die natürlichen Farben wieder-
zugeben, durch die unendliche Treue ihrer Erzeugnisse eine höchst
gefährliche Konkurrenz macht.

Wie der schließliche Zweck aller Malerei nicht sowohl aus

LXXXVII. Ferdinand Lnab.

Von G. A. Ztegnet.

^ndem die Malerei die menschliche Gestalt
und die Thierformen einerseits und die
Verbindung der organischen und un-
organischen Natur zu einem Ganzen
andrerseits zum Ausdrucke ihrer Ge-
danken und Empfindungen benützt, bil-
det sie die beiden Hauptgruppen der Fi-
guren- und Landschaftsmalerei mit ihren
verschiedenen Unterabtheilungen. Nun
hatte aber der menschliche Geist schon
früh begonnen, hier dem Bedürfniß
des Lebens, dort dem Gedächtnisse des
Außerordentlichen, das in seinen Kreis
hereintrat, Rechnung zu tragen und so
die private und die monumentale Bau-
kunst geschaffen, welche er bald mit den Werken der Malerei
und Plastik schmücken lernte. Indem er dabei nach bestimmten
Regeln verfuhr, welche auf die Grundzüge des Schönen zurück-
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