Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 17.1872

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Herausgegeben und redigirt von

vr. Max Schasler.

L5 September
L87S

Preis äe8 Journals pro Quartal l1/, Thlr. — Kreuzband-Abonnements werden nur bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang angenommen.

(Redaction und Expedition der Dioskuren: Berlin, Landgrafenstr. 7.)

Inhalt.

Abhandlung: Zur Reorganisation der Akademie der Künste. (Forts.) Lmlst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Leipzig, München, Basel, Rom.

Korrespondenzen: 0 Schwerin, 9. Septbr. (Ausstellung des Modells zum Kunstkritik: Die akademische Kunstausstellung in Berlin. (Forts.) I. Malerei.
Kriegerdenkmal.) — ± äßet mar, Ans. August. (Aus hiesigen Künst- 1. Historienmalerei,

lerkreisen, Konkurrenz der Goethestiftung.) Aphorismen und Miscellen.

Jur "Reorganisation der Akademie der Künste.

(Fortsetzung.)

ei der Frage nach der größeren Zweck-
mäßigkeit eines lebenslänglichen
oder eines jährlich wechselnden
Direktorats dürfte es zunächst
kaum zweifelhaft sein, daß die
jedem einzelnen Mitgliede des
Senats eröffnete Aussicht, die
Würde eines Direktors zu be-
~ kleiden, namentlich wenn die
Modalität der freien Wahl
eingeführt würde, nicht ohne einen wohlthätigen Einfluß auf
dieselben bleiben dürfte, insofern Jeder dahin streben würde,
durch lebhafte Betheiligung an den Verhandlungen des Senats
sowie durch eigene Fortbildung in administrativer wie in re-
präsentativer Beziehung sich möglichst geeignet für die ambirte
Stellung zu machen. Sodann würde Jeder dahin wirken, die
äußerliche Stellung des Direktors so achtenswerth und potent
wie möglich erscheinen zu lassen. Man wäre sehr im Jrrthum,
wenn man diese Dinge zu gering anschlagen wollte; denn in
ihnen liegt die Gewähr einer sehr wünschenswerthen Entwicklung
des akademischen Senats zu einer energischeren, selbstständigeren

und intelligenteren Behörde. Es ist keineswegs unsere Absicht,
auf die Schwächen dieses Instituts in seiner bisherigen Form
einzugehen. Aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß es weit
davon entfernt ist, sich als diejenige Potenz im Staate zu fühlen,
welche die Aufgabe und Pflicht hat, Alles, was in's Bereich der
Kunst — in praktischer wie in theoretischer Beziehung — ge-
hört, zu überwachen und zu vertreten. Die Aufgaben, welche
eine preußische Akademie der Künste zu erfüllen berufen sein
könnte, wären sehr zahlreiche und wichtige. Nicht die Heran-
bildung von Künstlern allein — diese kann in allen Kunstschulen,
ja vielleicht besser noch auf privatem Wege, z. B. in Meister-
Ateliers, bewirkt werden — ist Zweck der Akademie. Nicht eine
Schule, ein Gymnasium etwa — nein eine Universität, und,
als oberste Kunstbehörde, mehr als eine solche soll eine Aka-
demie der Künste sein. Sie vereinigt ihrem Begriff nach Das,
was im Bereich der Wissenschaft die Universität und die Akade-
mie der Wissenschaft sind. Entweder: man trenne die Functionen
der Kunstlehranstalt und der Kunstbehörde gänzlich von einander,
überweise die letzteren einer besonderen Kunstadministrationsbehörde
(wie Kugler wollte) und lasse die Akademie nur als Lehrkörper
bestehen, oder: man lasse die Akademie — und zwar nur eine,
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