Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 12.1903

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Paul Bürcks Enfwickelung,

p

aul Bürck ist am 3. Sep-
tember 1878 zu Strass-
burg geboren. Er ist also
erst 25 Jahre alt. Und doch
wird seiner in diesen Blättern
schon zum dritten Mal gedacht
oder richtiger, es wird ihm zum
dritten Mal das Wort verstattet.
Denn auf das, was er selbst den
Freunden der Kunst in seinen
Werken zu sagen hat, kommt
es an, nicht auf das Geleit-Wort.
— Hat Bürck denn aber so
Gewichtiges zu sagen, dass man ihm mit
einigem Recht so oft das Wort gibt? Als
die »Deutsche Kunst und Dekoration« im
Mai des Jahres 189g zum ersten Mal von
dem Zwanzigjährigen berichtete und ein
Füllhorn seiner Entwürfe und Motive aus-
schüttete, da schrieb sie: »Es wäre mehr
als voreilig, bei Paul Bürck heute schon
sagen zu wollen, was sein Eigenstes ist,
das hiesse ja geradezu seine Entwicke-
lungs-Fähigkeit verneinen. Zunächst zeigt er
ein seltenes Geschick in der eigenartigen,
mannigfaltigen Verwendung seiner Natur-
Studien und in der verständnisvollen Fort-
bildung der ihm gewordenen Anregungen

1903. XII I.

und Vorbilder.« Und dann weist
sie auf den poetisch-melancho-
lischen Hang seiner Natur-Auf-
fassung hin, der — karakte-
ristisch germanisch genug —
mit einem gesunden Humor sich
gatte. Als dann im Jahre 1901
ein zweites Bürck-Heft folgte,
das seiner Thätigkeit in der
Darmstädter Künstler - Kolonie
gewidmet war, da hiess es:
»Ein Vergleich der vorliegen-
den Abbildungen mit denen
unseres ersten Bürck-Heftes lässt so recht
erkennen, welch' eine reiche Entwickelungs-
Fähigkeit das Talent des Künstlers birgt«,
und weiter: »In der That, die Kolonie kann
auf ihren »Jüngsten« stolz sein«. Aber es
war auch gesagt: »Bürck tritt uns auf der
Ausstellung entgegen z. T. mit ausserordent-
lichen Leistungen, z. T. mit Versprechungen,
die noch weit Bedeutenderes erwarten lassen,
wenn unerbittliche Selbstkritik und strenge
technische Schulung diesem noch etwas un-
geregelten Feuergeiste und der ungebändigten
Fantasie Maß und Haltung verleihen werden«.

Man sieht, aller Respekt vor der Einzel-
leistung hatte nicht dazu verführt, in dem
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