Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 33.1913-1914

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JANOS PENTELEI MOLNAR.

GEMÄLDE »GLASER«

VOM FRAUENKUNSTVERBAND.

Als Berufsorganisation der bildenden Künst-
IX. lerinnen tritt der Frauenkunstverband
hervor. Eine Organisation soll er sein, er soll
an der Besserung der wirtschaftlichen Lage und
an der Hebung des beruflichen Ansehens der
deutschen Künstlerinnen arbeiten.

Wir halten eine Berufsorganisation der bil-
denden Künstlerinnen für eine Notwendigkeit
und rufen darum zum Zusammenschluß auf.
Der Ruf zur Sammlung, welcher zuerst vom
Bund Badischer Künstlerinnen ausging, fand in
ganz Deutschland einen Widerhall. Auch wir
in Berlin erkannten die große soziale Aufgabe,
welche unsere Zeit hier stellte, und wir sind
mitgegangen, haben uns mit diesem Bund ver-
einigt und im Februar den Frauenkunstverband
begründet unter den Vorsitzenden: Käte Koll-
witz, DoraHitz und Eugenie Kaufmann.
In einer Mitgliederversammlung der Kunst-
gruppe des Lyceumklubs machten wir Mitteilung
von dem Verband, worauf die Gruppe be-
schloß, korporativ beizutreten. Im Mai fand
die erste Generalversammlung in Frankfurt a.M.
statt, zu der Delegierte und Mitglieder aus

allen Teilen Deutschlands gekommen waren.
Es wurden die Statuten beraten und beschlossen
sowie das Arbeitsprogramm aufgestellt.

Wir sind überein gekommen, von einem Nach-
weis der künstlerischen Tätigkeit bei der Auf-
nahme der Mitglieder abzusehen und überlassen
es jeder selbst, ob sie sich als zugehörig be-
trachten will. Es wird sich wohl mit der Zeit
eine Möglichkeit bieten, den Wert der Arbeit
der einzelnen richtig einzuschätzen und den
Kampf gegen minderwertige Leistungen aufzu-
nehmen. Außer den berufstätigen Mitgliedern
nimmt der Frauenkunstverband auch fördernde
Mitglieder auf. Wir brauchen solche Hilfe sehr
nötig; denn bei der wirtschaftlichen Lage der
Berufskünstlerin war es uns nicht möglich, den
Mitgliedsbeitrag in der Höhe anzusetzen, welche
geboten wäre, wollten wir unsere Arbeit allein
auf ihm aufbauen. Helfende Förderer sind da-
her dringend nötig, und wir appellieren an alle
Frauen um tatkräftige Unterstützung unserer
Interessen.

In Frankfurt a. M. beteiligte sich der Frauen-
kunstverband als Gast an einer Sitzung des

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