Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 36.1915

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BERLIN. Auswärtige Gäste sind z. Zt. in den
Ausstellungs-Räumen der Zeitschrift
„Der Sturm". Es sind fünf schwedische Expres-
sionisten, deren Bekanntschaft man gern macht.
Die spezifisch nordische Note drückt sich trorj un-
verkennbar russischer und französischer Einflüsse
in der sicheren Ruhe der ehrlichen Darstellung aus,
die sich auf das Notwendigste beschränkt und in
ihrer strengen Stilisierung oft an die Geschlossen-
heit älterer nordischer Webereien erinnert. Mit
recht wertvollen Arbeiten fesseln das Ehepaar
Isaac Grünewald und Sigrid Hjerten-Grüne-
wald. Er hat seiner Vorliebe für das mannig-
faltige Leben im Stockholmer Hafen in fein emp-
fundenen Motiven Ausdruck verliehen. Seine „Kom-
position" zeigt gute Ansärje zu harmonischer Ge-

staltung. Die Hafenszenen, die seine Frau mit
überzeugender Kraft gibt, erscheinen aber noch um
einige Nuancen tiefer und feiner durchgebildet. Die
künstlerische Natur der Frau offenbart sich jedoch
am reinsten in einer Anzahl von Kinderbildnissen
deren mitunter etwas zu weit gehende Verein-
fachung durch die starke seelische Hingabe an das
Motiv ausgeglichen wird. Edward Haids „Ba-
dende Weiber" und Einar Jolins Stilleben sind
nicht ohne Reiz. Gösta Adrian-Nilsson wandelt
völlig auf futuristischen Bahnen und wirkt mit
seinem über den Rahmen hinausgemalten „Regen-
bogen zwischen Häusern" nicht recht verständlich.
Sein „Eisenbahnzug" dagegen ist eine tüchtige
Leistung, zumal hier die kubistische Formensprache
mit Mag und Takt Anwendung findet, dr. w. georgi.

E. HANS KOSEL-MÜNCHEN. KRIEGSZEICHNUNG »MANN GEGEN MANN«
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