Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 36.1915

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Professor Otto Hammel—Hannover.

professor otto hammel—hannover.

pastellskizze » ballettszene <

Es leuchtet aus ihnen eine energische Geistig-
keit. — Zum Reizvollsten und Eigenartigsten
im Reichtum der Blätter und Leinwände Otto
Hammels gehören die pastellartigen Skizzen,
von denen hier die „Ballettszene" und die
„Karnevalszene" wiedergegeben sind. Sie ge-
ben einen Begriff von der Vielseitigkeit des
Malers. Dort die energische Kraft, hier die
musikalische Lieblichkeit, eine entzückende,
prickelnde Lebendigkeit, die von leichter, deko-
rativer Verträumlheit koloristisch umspielt sind.
Die Pastelle leuchten in einem herrlichen, email-
artigen Schmelz der Struktur, und ihre Farben-
akkorde Grün, Gold, Schwarz und Schwarzrot
klingen in lockerem Spiel zusammen.

Ein besonderes Kapitel wäre noch dem Zeich-
nerischen und Monumentalen im bisherigen
Schaffen Hammels zu widmen. Nichts führt
so intim in das Werk eines Malers ein als seine
Graphik. Von da auch wäre leicht die Brücke
zu denmonumentalen Kompositionen des Künst-
lers zu finden, zu den Entwürfen religiöser
Wandgemälde, die hier wenigstens erwähnt
sein müssen, damit ungefähr ein Begriff von
seinem Schaffen entsteht. — hans kalser.

DIE FÜR UNS KÄMPFEN.....

von dr. walter georgl

Draußen an der Front habe ich das flam-
mende Feuer und den visionären Ernst in
den Augen unserer Kämpfer gesehen, die für
das Vaterland ihre durch die Begeisterung ge-
steigerten Kräfte mit dem Willen zum Siege
gegen den Feind tragen. Grenzenloses, Über-
gewaltiges, das sie nicht völlig zu fassen ver-
mochten, schien jenen Augen diesen Blick zu
leihen. Obwohl mir dieser Ausdruck als Symp-
tom einer Masse fremd war, so war er mir
früher doch schon bei Einzelnen begegnet, die
nicht minder von dem Willen des Sieges ge-
tragen, ihr Kostbarstes hingaben, um ihrer hei-
ligsten Überzeugung allen Widerständen zum
Trotz einen dauernden Erfolg in harmonischer
Gestaltung zu geben. Dieser Blick war damals
der tiefsten Erkenntnis künstlerischen Strebens
entsprungen. Und ich wußte mit einem Male,
daß Krieger und Künstler einander nahe ver-
wandt, ja daß sie, so paradox es auch klingen
mag, in ihrem innersten Wesen Brüder sind.
Die stumme Sprache der Augen, die der Seele
ihre Schwingungen entnimmt, hatte mir dies

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