Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 36.1915

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FRANZÖSISCHE BILDERSTÜRMER.

Man kann in diesen Zeitläuften von Bilder-
stürmern und „Vandalen" nicht reden,
ohne der Vorwürfe zu gedenken, die seit Be-
ginn der Feindseligkeiten gegen unsere Kriegs-
führung in Belgien und Nordfrankreich erhoben
werden. Man hat unser Heer und unser Volk
barbarischer Grausamkeit und sinnloser Zer-
störungswut beschuldigt und leider auch für
diese Beschuldigungen im feindlichen und neu-
tralen Auslande Glauben gefunden.

Für die Annahme, wir seien Bilderstürmer und
Vandalen, sucht das von französischen Gelehrten
und Geistlichen soeben veröffentlichte Buch:
La guerre allemande usw. und das ihm beige-
gebene Album mit Photographien zerschossener
Kirchen und Kunstwerke in pharisäischer Weise
die Unterlage zu geben, als ob Franzosen je-
mals ihre Kriege ohne Zerstörung von Kultur-
gütern geführt hätten! Wer das deutsche Volk
in seiner Arbeit des Friedens kennen gelernt
hat, der weiß, daß unser Kriegsheer nicht eine
Horde von Barbaren und eine Bande von Mord-
brennern ist, die aus reiner Zerstörungslust ehr-
würdige Denkmäler der Kunst und der Ge-
schichte vernichten. Wenn wirklich in diesem

furchtbarsten aller Kriege, die je gekämpft wur-
den, kostbare Werte der Kultur zugrunde ge-
gangen sind, so fällt die Verantwortung dafür
ungeteilt denen zu, die diesen ruchlosen Krieg
gewollt haben. Die schwere Aufgabe, im wil-
desten Kampfe der Pflichten der Zivilisation
eingedenk zu bleiben, findet ihre natürliche
Grenze in der Erwägung, daß selbst unersetz-
liche Kunstwerke ohne Besinnen geopfert wer-
den müssen, wenn das Ziel des Kampfes es
verlangt. Ein Heerführer, der auch nur eine
Handvoll Menschen opferte, um ein Monument
zu schonen, verdiente abgesetzt zu werden.
Der Krieg ist eben auf Gewalttätigkeit und Zer-
störung begründet, und es wäre sinnlos, von
ihm etwas zu verlangen, was sein Wesen auf-
hebt. Auch unsere Soldaten haben, ebenso
wie unsere Feinde, Kulturgüter leider zerstören
müssen: Eine fünfhundert Kilometer lange,
mehrere Meilen breite Zone der Verwüstung
erstreckt sich von Beifort bis an die Nordsee;
aber eins steht fest und kann nicht nachdrück-
lich genug gegenüber den Anwürfen des fran-
zösischen Pamphletes „La guerre allemande"
betont werden, daß leichtfertig und ohne Grund

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