Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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Die deutsche Landschaft als malerisches Sujet.

P. SCHEURICH.
»MODELL FÜR
PORZELLAN«

stände, anstatt den Raum zu bilden, von dem
Raum aufgesogen werden oder ihn aufzehren,
dann aber vor allem weil die Raumrichtungen
in Höhe, Breite und Tiefe (selbst in ihrer von
den Gegenständen abstrahierten Form) sich
nicht in ein — mit einer Grenze umschlossenes
und in dieser durch ein beziehungsvolles Hin
und Her bedingtes — Gebilde einen, sondern
im Uferlosen getrennt und ohne Relation zu
einander verschwinden. Hier liegt die Ursache
für jene künstlichen Vordergründe und jene
rahmenmäßig ausgeschnittenen Hintergründe,
die wir auf deutschen Landschaftsbildern so

häufig finden. Der Künstler wird eben durch
die Natur der Sache zu Künstlichkeiten ge-
zwungen, um wenigstens diejenige Bildeinheit
scheinbar herzustellen, die organisch da sein
sollte. — Sogleich stößt er auf ein anderes
Hindernis: auf die fast nie zu beseitigende Dis-
proportion zwischen der wagrechten Erstrek-
kung des Bodens und der senkrechten der
Gegenstände; auf die — vom kunstorgani-
schen Standpunkt gesehen — Unvereinbarkeit
des Geländes mit seinen Gewächsen. Geht er
von jenem aus, so stören ihn die Senkrechten,
beginnt er mit diesen, so zerreißen sie ihm
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