Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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AUSSTELLUNGS-ARCHITEKTUR.

VON EMIL UTITZ—ROSTOCK.

Die Besinnung auf das Echte und Solide in
der neuen Kunstbewegung mußte natur-
gemäß auch innerhalb der Ausstellungs-Archi-
tektur sich geltend machen. Wollen wir nun
diese kurz besprechen, müssen wir streng zwei
grundverschiedene Gestaltungsweisen von ein-
ander scheiden: erstens die Dauerbauten, die
gelegentlich einer Ausstellung errichtet werden,
um dann aber weiter zu bestehen, und zweitens
die Ausstellungsbauten im engeren Sinn, die
nur ein kurzes Leben führen. Was nun die
erste Art betrifft, so muß natürlich mit solidem
Material gearbeitet werden; aber der Charakter
des Baues darf nicht vollständig durch den ge-
rade vorliegenden Ausstellungszweck bestimml
sein, da ja in den gleichen Räumen ganz ver-
schiedene Gegenstände immer wieder ausge-
stellt werden sollen. In ihrer schlichten Sach-

lichkeit bilden die bekannten Münchener Aus-
stellungshallen gute Beispiele: gewiß, sie haben
nichts Aufregendes und Begeisterndes an sich,
aber dafür jene weitherzige Neutralität, die es
gestattet, sie einmal mit den Erzeugnissen des
Kunstgewerbes zu füllen, das anderemal mit
Automobilen oder landwirtschaftlichen Geräten.
Sie dürfen also keinen ausgesprochenen Cha-
rakter haben, sondern sind ein grauer, unschein-
barer Rahmen. Ihre Nüchternheit ist zugleich
ihre Tugend, d. h. ihre Eignung für alle mög-
lichen Zwecke. Allerdings läßt sich noch ein
anderer Fall denken, der tatsächlich — beson-
ders in Darmstadt — auch schon seine prak-
tische Bewährung fand: einzelne Häuser oder
Häusergruppen zu errichten, die zuerst einem
bestimmten Ausstellungszweck dienen sollen,
um dann ihrer eigentlichen Bestimmung über-
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