Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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Von der Mode.

ist Laune — Mode — Geschmack. Wir sehen
es — wir lachen darüber — wir vergessen es.

Es sprechen so viele Nebendinge bei der
Mode mit, eine Schleife, eine Blume, ein kurzer
oder langer Rock, ganz einerlei was noch alles,
aber zu jeder Zeit, am rechten Platz mag alles
schön und freundlich sein. Aber Geschmack
und Höflichkeit müssen auch Gesetze der Mode
sein. Wir haben jetzt keine Zeit und kein Emp-
finden für den Ausdruck der Mode, aber wir
haben Zeit, feines Empfinden und Geschmack
zu pflegen. Wenn Empfinden und Geschmack
geschult sind, dann dürfen wir uns die Laune
der Mode erlauben und brauchen gar nicht zu
fragen, woher sie kommt und wohin sie geht.

Zum Schluß: Was deutsche Kunst, Industrie,
Beharrlichkeit und Fleiß erreicht haben und
noch erreichen werden, das darf uns fürderhin
ohne Sorgen lassen — wäre es da nicht lächer-
lich, um Mode zu sorgen? Lernen wir an frem-
der Mode uns selbst erkennen und wir werden
verlernen, sie nachzuahmen, feodora-maeia.

KINEMA UND KUNSTVERSTÄNDNIS.

Uber Lichtspielvorführungen wird gewöhn-
lich nicht viel Gutes geredet und geschrie-
ben, und es gibt auch wirklich nur weniges, was
den ästhetisch Empfindenden mehr verletzen
könnte, als die mit einem großen Aufwand von
Bühnenallerlei zusammengestoppelten „Ver-
filmungen" literarischer Werke.

Aber gewisse Leute haben sich geradezu in
einen Haß gegen das Kinema hineingeredet;
sie verurteilen an ihm alles und stellen es als
eine Ursache von allerlei Unheil hin.

Das Lichtspiel, so behauptet einer, verderbe
den Sinn für feinere ästhetische Genüsse, indem
es grundfalsche optische und plastische An-
schauungen vermittele. Die Bewegungen seien
rein automatisch, die Einzelmomente würden
in unnatürlicher Weise auseinandergerissen und
nur durch die rasende Schnelligkeit der Ma-
schine wieder verbunden. Es könne gar keine
geistlosere und rohere Verbindung geben.
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