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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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https://doi.org/10.11588/diglit.8538#0300

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Von der Mode.

EMHY ZWEYliKlCK-l'ROCHASKA WIEN.

»KTNOERKI.EIDCHEN MIT WOLLSTICKEREI«

Reden und das bekannte „Nachbeten" ist schon
viel verdorben worden. Wenn wir nun auch
mitreden wollen, ohne in der Tat anderes zu
schaffen, so wird man uns nicht ernsthaft neh-
men. Im übrigen ist die Mode keine so ernst-
hafte Sache, als sie von vielen jetzt betrachtet
wird; deshalb sollte auch nicht so unnötig viel
darüber geschrieben und geredet werden und
die geschmacklosen „Anpreisungen der Neu-
heiten" der „deutschen Echtheit" und des deut-
schen Empfindens unterbleiben. Der Wechsel
der Mode ist so selbstverständlich wie der
Wechsel des Wetters, und es ist unnötig, da-
rüber zu reden. Schönes zu erkennen und aus
dieser Erkenntnis auch für die Mode schaffen,
ohne viel Worte, würde mehr fördern.

Die Mode wird und soll ein Schmetterlings-
dasein führen und ihre wechselvolle Form und
Farbe beweglich bleiben; sie in eine Form, ein
System pressen, hieße einen schönen, bunten
Vogel der Freiheit berauben. Wir sehen täglich

unendlich viel Schönes und Häßliches und kön-
nen das Schöne nicht von dem Häßlichen be-
freien; wir müssen uns abfinden mit diesen
Gegensätzen. Alles ist zu seiner Zeit schön;
z. B.: Gehen wir in eine Kirche aus der Zeit
des Barockstils, so ist auch um alle Engel und
Heiligenbilder die regellose Laune des Rokoko
zu finden und doch wird dem Ganzen nichts
von Würde und Schönheit genommen. Kann
frommer Glaube nicht heiter zum Ausdruck
kommen? Neben allem lustigen Geschnörkel
bleibt der ernste, tiefe Sinn; es kommt nur auf
die Art und Weise des Ausdruckes an. Da-
gegen ein anderes Beispiel: Durch eine gerade
schön gepflegte Parkallee fährt ein Auto, eine
elegante Frau lenkt den Wagen selbst und an
ihrer Seite sitzt eine riesige Dogge, geschmückt
mit einer großen, himmelblauen Seidenschleife.
Das ist ohne Zweifel sehr geschmacklos. Aber,
wie viele Frauen schmücken Hunde mit Seiden-
schleifen und sich selbst mit Ledermützen. Es
 
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