Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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"Sc.

PI<OFES.SOR W.

STEINHAUSEN. »MUTTER UND KINDER« (1887).

ZUM 70. GEBURTSTAG WILHELM STEINHAUSENS.

|V[°ch heute steht das Urteil über Wilhelm
. ^ Steinhausens Kunst nicht fest, obwohl er
'"zwischen — am 2. Febr. 1916 — 70 Jahre alt
forden ist, lebhaft von zahlreichen Freunden
a°" Fern und Nah gefeiert. Das war anders,
seltd ma das Sleicne Alter erreichte. Auch

Han t S'ch in C'er au£emeinen Wertung
Ste;S, omas- mit dem man ungerechtfertigt
ätidertaUSens Name gern verquickt, wenig ge-
lten _Jkoma gilt mit Recht als einer der

steigt ge Vn Lebensgrund ist breit und tief,
^chen Vo?i?en Wegs zurück zu der mittelalter-
religiöSen {^kunst und hat darum auch in den
dle überha 6 en allen denen etwas zu sagen,
a^ch Steinif1 religiös empfinden. Man rechnet
engere pUsen zu den religiösen Malern;
/^'ederbrj^ tneinde sient s°gar in mm den
l°renen, sSer einer seit Jahrhunderten ver-
einhaÜSenPezifisch protestantischen Kunst.

c"eint ihnen in seinen religiösen

Bildern durch ausschließliche Wahl von Bild-
themen aus dem protestantischen Anschauungs-
kreise recht zu geben. Hier beginnt das Ver-
hängnis für die, die ihn darum schelten und ihm
aus der Thematik künstlerische Blutleere vor-
diagnostizieren. Sie kennen den Meister nicht.

Steinhausen, der als Sohn einer Regiments-
arztwitwe in der Berliner Vorstadt kümmerlich
genug aufwuchs, der jüngste von fünf Söhnen,
die es mit echt preußischer Zähigkeit zu den
höchsten Stellen des preußischen Beamtentums
brachten, hatte es in dem von ihm gewählten
Beruf gewiß nicht leicht. Spötter meinen, er
sei bis heute Produkt des deutschen Familien-
blattes geblieben. Bei dem letzten Wort sollte
man zur Entgegnung einsetzen. Er ist geblie-
ben: nicht als Produkt, sondern als Künstler, der
ohne Zagen durch ein langes Leben hindurch
mit dem ärmlichen Stoffe rang, in den ihn ein
wenig glücklicher Tag hineinwarf. Und wenn
schon das Wort Dürers gilt: es ist wahrlich

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