Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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Rende Sintenis.

einübenden Schritten davon gehen. Die beiden
Pferde, eine kunstvoll natürliche Gruppe, lassen
die massige Kraft der Wirklichkeit fühlen.

Renee Sintenis hat Stil, und eben darum
darf und muß sie die Natur selbst suchen; sie
steht nicht in der Gefahr, sich an den Naturalis-
mus zu verlieren. Man betrachte den weiblichen
Torso: Kunstform und Naturform ununter-
scheidbar in ihrer Wahrheit und Einheit. Ihr
kleines Selbstporträt in Eisenguß ist offenbar
sehr ähnlich; Züge, Formen und Charakter be-
dingen, durchdringen sich wechselseitig; es ist
der Kopf einer jungen Sibylle, moritz heimann.

Ä

Man hört häufig sagen, daß die Künstler sehr leicht
verletzlich seien und daß dieses von Eitelkeit her-
rühre. Doch spricht niemand von der Eitelkeit des
Beschauers, der jedes Kunstwerk nach seinem Ge-
schmack haben und beurteilen will.....volkmann.

IST EINE STEIGERUNG UNSERER AUS-
FUHR VON KUNSTWERKEN MÖGLICH?

Schadow wollte, daß Natur und Modell nicht
nur Korrektiv des im Geiste Geschauten und
aus derPhantasieGeschaffenen, sondern eine un-
mittelbare und dauernde Vorlage für das Kunst-
werk sein solle, höchstens durch Antike und
Renaissance leicht verklärt. Da die Ölmalerei
herrschen sollte, so suchten die Düsseldorfer
Anschluß an Venedig. Damit war die tech-
nische Grundlage der Schule gegeben. Inhalt-
lich wandte man sich den religiösen, den land-
schaftlichen und sittenbildlichen bezw. roman-
tischen Stoffen und dem Bildnisse zu. Die
Künstler liebten, wie Immermann sagte, das
Weiche, Ferne, Musikalische, Kontemplative,
Subjektive und stellten das Starke, Nahe, Pla-
stische, Handelnde zurück. Allmählich wurde
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