Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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Alice Trübner f

ALICE TRUHNER t KARLSRUHE.

din ihrer Freunde und gab mit vollen Händen,
wo sie Not lindern, dem Talent voranhelfen
konnte. Noch bis in ihre letzten Lebenstage
hinein stellte sie sich mit unermüdlichem Enthu-
siasmus in den Dienst der Kriegshilfe und
scheute kein Opfer, wenn es galt, unseren hel-
denmütigen Kriegern den Dank der Heimat in
selbstlosester Weise darzubringen. Wie die
Soldaten willig ihr Leben hinzugeben bereit
seien, so sollten auch ihrer Meinung nach die
Zurückgebliebenen Hab und Gut ohne Zaudern
auf dem Altar des Vaterlandes niederzulegen
bestrebt sein. —

Und diese große, vornehme, begeisterte
Natur, sie prägt sich auch aus in ihrer Kunst.
Ausgehend von der Begeisterung für ihren
Meister und Gatten, hat sie sich langsam einem
gewissen eigenen Stile genähert und im Bild-
nisse wie im Stilleben kraftvolle Töne ange-
schlagen, die ihr eine besondere Stellung im
Kreise der Trübner-Schule sichern müssen.
Ihre reifsten Schöpfungen sind fest in Form und
Farbe und doch durchaus weiblich. Es gibt
kaum eine andere Künstlerin, an deren Arbei-

» FLASCHEN AUF GELBEM IHNTEKGRUNU«

ten man es so deutlich spüren kann, wie sich
die Stellung der Frau in der Kunst in unseren
Tagen zu wandeln beginnt! Es ist die selbst-
bewußte Frau, die ihr Eigenstes zu sagen
wagt und welche sich die bisher ausschließlich
von Männern getragene Überlieferung dienstbar
macht, um Werte darzustellen, die im besonderen
Wesen der Frau ihre Quelle haben, georg fuchs.
Ä

Derjenige, der zum Künstler berufen ist, wird auf
alles um sich her lebhaft achtgeben, die Gegen-
stände und ihre Teile werden seine Aufmerksamkeit
an sich ziehen, und indem er praktischen Gebrauch
von solchen Erfahrungen macht, wird er sich nach
und nach üben, immer schärfer zu bemerken, er wird
in seiner frühern Zeit alles so viel als möglich zu
eignem Gebrauch verwenden, später wird er sich

auch andern gern mitteilen......... Goethe.

*

Gehe man alle Zeiten durch, beachte man alle
je geschehenen Versuche, sich in den Künsten
Früheres oder Auswärtiges anzueignen, und man
wird bald überzeugt sein, daß es nie wahrhaftig
gelang..................... Goethe.

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