Flechsig, Eduard
Albrecht Dürer: sein Leben und seine künstlerische Entwickelung (2. Band) — Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1931

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Die Zeichnungen

leicht und frei gezeichnet, wie es nur bei einer genauen Kenntnis
dieser Pflanzen möglich ist, die durch sorgfältige Naturaufnahmen
vermittelt worden ist. Das Auftreten von einzelnen großen Pflanzen,
die mit größter Treue der Natur nachgeschildert sind, auf Holz-
schnitten und Kupferstichen, die in den Jahren 1496 und 1497 ent-
standen sind, besonders aber die unendliche Liehe, mit der auf dem
kleinen Christophhilde in Dessau eine Menge Pflanzen dargestellt
sind, beweist ein mit großer Hingabe betriebenes Pflanzenstudium
gerade in den beiden auf den ersten Aufenthalt in Venedig folgenden
Jahren.
Die Zweige der linken Hehndccke sind ganz locker angeordnet,
weshalb die Zwischenräume mit Schraffierungshnien bedeckt sind.
Sie haben trotzdem schon ursprünglich, als das Blatt links noch nicht
so stark beschnitten war, kein rechtes Gegengewicht gegen die dichte,
schwere Masse der breiten, bandförmigen Blattranken der rechten
Helmdecke gebildet. Das ungleiche Verhältnis, in dem die beiden
Hclmdecken zueinander stehen, die auffällige Verschiedenheit der
verwendeten pflanzlichen Gebilde, die hei einem ausgeführten Wappen
ganz unmöglich wären, legen den Gedanken nahe, daß die Zeichnung
ein Probeentwurf sein soll, hei dem es dem mutmaßlichen Besteller
(denn für sich hat Dürer dies Wappen kaum gemacht) überlassen
bleiben sollte, mit welcher von den beiden Helmdecken das Wappen
ausgeführt werden solle.
Ich setze die Zeichnung in die Jahre 1496—98. Die rechte Helm-
decke erinnert schon stark an das gestochene Löwenwappen mit
dem Hahn.
L. VI, 603. M ar i a (von einer Verkündigung), Rückseite von 602
und olfenbar gleichzeitig mit diesem. Das Kopftuch kommt in dieser
besonderen Form auf Stichen, Holzschnitten und Zeichnungen vor,
die in die Jahre 1496 und 1497 gehören, wie der Koch mit Frau,
die vier Hexen, die Beweinung und Grablegung (Große Passion),
das reitende Paar L. 3, Maria unter dem Zelt L. III, 300. Unter dem
Mantel Marias, an der Stelle, wo das Pult stehen müßte, beßnden
sich einige rätselhafte Linien. Dreht man das Blatt um. so erkennt
man daraus die angefangene Stirn eines Pferdes mit den beiden
Ohren.
L. VI, 604. Christus erscheint der Maria, Paris,
Louvre. Ich kann weder in dieser Zeichnung, noch in derselben Dar-
stellung in Basel (Abh. Dürer Society IX Nr. 7) die Hand Dürers er-
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