Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — N.F. 1.1922

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erhalten) am Halse getragen wurde und mit zwei Zieranhängern versehen
war. Die Lenden schmückte ein Gürtel aus Bronzeblech, der fast vollständig
gehoben und von Oberförster Staudacher-Buchau in mühsamer Arbeit zu-
sammengesetzt werden konnte. Er ist im vorderen Teil, der die Schließe
trägt, in Treibtechnik reich verziert, während die untergreifenden (verdeckten)
Partien unverziert oder nur mit wenigen Ornamenten versehen sind. In der
Nähe des rechten Handgelenkes lag ein Armring aus massiver Bronze, am
Fußgelenk der schon erwähnte hohle (mit Holz ausgelegte) Fußring, dessen
Zugehörigkeit zum rechten oder linken Beine nicht mehr festgestellt werden
konnte.
Gewebeteile waren besonders am Gürtel erhalten; hier zeigte sich in
reicher Zahl auch die Larve einer Schmeißfliege, die darauf schließen läßt,
daß die Leiche vor der Bestattung längere Zeit offen lag.
Den Beigaben und ihrem Größenverhältnis nach (auffallend geringe
Weite des Gürtels und des Armrings) ist die Bestattete ein Mädchen im
jugendlichen Alter. Die Bestattung gehört der frühen Hallstattzeit (Periode B)
an und ist gleichzeitig mit der Wasserburg im Egelsee.
Die vollständige Abtragung der übrigen Hügelteile ergab keine weiteren
Funde. Der Hügel wurde wieder instand gesetzt.
Die Funde befinden sich als Leihgabe des Fürsten von Turn und Taxis
in der Altertümersammlung Buchau. . Reinert h.
Hundersingen OA. Riedlingen. Bei einem verschleiften Grab-
hügel („Fürstenhügel“) auf dem Gießhübel fand Paret im Oktober 1921 einen
goldenen Ohrring in Wulstform mit Dorn. Abb. 6, 1. AS. A 1119.
Hundersingen OA. Riedlingen. Die Heuneburg bei der
Domäne Talhof.
Etwa halbwegs der Straße von Hundersingen nach Binzwangen nörd-
lich der Domäne Talhof und in der Nähe der Großen Hallstatthügel auf
dem Gießhübel liegt diese Heuneburg. Das dreieckige ebene Plateau eines
gegen die Donau sich steil senkenden Hügels umzieht ein Wall, der, obwohl
infolge des Ackerbaus stark verschleift, doch noch in seinem ganzen Verlaufe
wohl erkennbar ist. Diese Befestigung war im Südwesten, auf der Landseite,
noch durch zwei vorgelagerte Wälle und Gräben verstärkt, die um die Mitte
des vorigen Jahrhunderts noch ganz erhalten waren.
Schnitte im Innern der Burg am 17. und 18. Oktober 1921 hatten nur
den Zweck, datierbare Scherben zu gewinnen.
Schnitt I wurde an der Einmündungsstelle des Fahrwegs an der Süd-
westecke der Burg gemacht, und zwar parallel zum Wall, 3,50 m von seinem
Fuße entfernt. Nach Abhub der Ackerkrume von 40 cm stieß man auf eine
tief dunkel gefärbte Kulturschicht mit Scherbeneinschlüssen. Sie ging bis
80 cm Tiefe hinab, dann kam eine etwa 20 cm starke Schicht hartgebrannten
Hüttenlehms mit überaus kräftigen Fachwerkholzeindrücken und außerdem
vielen Steinen zum Vorschein. Unter diesem Hüttenlehm erschien eine
wesentlich heller gefärbte Kulturschicht und in ihr eingesprengt zahlreiche
Scherben, ein tönernes Webegewicht und viele Tierknochen. Die Scherben
der oberen und unteren Schicht unterschieden sich in nichts voneinander.
Der gewachsene Boden, mit Sand vermischter gelber Lehm, wurde in 1,55 m
Tiefe erreicht.
Durch Schnitt II, 35 m östlich von Schnitt I, wurde nur festgestellt,
daß dieselbe dunkelgefärbte Kulturschicht wie bei I gleich unter der Acker-
krume sich findet.
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