Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — N.F. 1.1922

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7 Bingen. Mus. Mainz. Alt. uns. h. V. a. a. O. T. 6, 6.
8 Odilienberg. Silber. Mus. Straßburg. Forrer, Reallexikon. T. 266, 3.
Aehnlicli bei Wagner II 303 von Kirchheim Amt Heidelberg.
9 Aham (Bayern). Mus. Regensburg. Forrer a. a. O. Abb. 10.
10 Fundort unbekannt, jedoch wohl sicher Süddeutschland. Silber.
Mus. Stuttgart. Länge 4,8 cm. Der durch eine Einschnürung ge-
teilte Mittelkörper zwischen den beiden Blechkappen besteht aus
grünem verglastem Ton.
Im Museum Budapest liegen etwa 10 Paare solchen Ohr-
schmucks (abgeb. bei A. Venturi, Storia dell’arte Italiana II (1902)
Fig- 57)- .
Unter dem prächtigen, von Geh. Hofrat Stützei und Kommerzienrat
Bullinger, München, gestifteten antiken Goldschmuck besitzt die Altertümer-
sammlung in Stuttgart ein Paar Ohranhänger, die genau unseren heimischen
Funden entsprechen. Abb. 21, 11. Nur ist die Zusammensetzung der Zier-
glieder etwas anders, indem hier die beiden Formen: das zylindrische ge-
rippte Stück der einen Art (Cannstatt, Wiesloch) und die drei eiförmigen
Glieder des Mittelteils der andern Art (z. B. Bondorf) miteinander verbunden
sind. Da die unterste Kugel hier den drei andern an Größe gleich ist, so
entsteht der Eindruck einer am Stiel hängenden Traube. Gefunden ist dieser
Ohrschmuck, offenbar zusammen mit einer goldenen Fibel von Latene-Form,
in Kleinasien. Er entstammt griechischen Goldschmiedewerkstätten helleni-
stisch-römischer Zeit. Die Sammlung Stützel-Bullinger enthält noch weiteren
in der Technik gleichen, in der Form ähnlichen Ohrschmuck, darunter auch
Ringe mit Weintrauben als Anhänger. Unsere württembergischen Funde
sind wohl Weiterbildungen solcher Traubenanhänger. Besonders im süd-
russischen Gebiet, auf der Krim, lebte die antike Goldschmiedekunst noch
bis ins Mittelalter herein weiter. Aus dortigen Werkstätten werden auch
die vier Paar Ohranhänger aus heimischen alemannisch-fränkischen Gräbern
stammen. P a r e t.

Mittelalter.
I. Neckarkreis.
Cannstatt. Die Anlage des Steinhaldenfriedhofs auf der Höhe
östlich von Münster erforderte die Abtragung eines Höhenrückens. Dabei
stieß man Mitte März 1920 im Ostteil des Friedhofs auf ein 0,80 m tief in
den Lehm eingesetztes, auffallend starkes Skelett. Es war genau ostwestlich
gerichtet, mit dem Kopf im Osten. Unter der rechten Hüfte lag quer ein
stark verrostetes Messer (?), ein eiserner, oben offener Fingerhut und ein
rundes, silbernes Plättchen. Unter dem Hals fand sich eine farblose gerippte
Glasperle. Beide Schlüsselbeine und die obersten Rippen waren durch Bronze-
patina grün gefärbt. Die Zeitstellung ist nicht sicher. AS. A 1032.
II. Schwarzwaldkreis.
Dornhan. In der Reichschen Kiesgrube 2 km nordöstlich der Stadt,
östlich der Straße nach Bettenhausen, waren im Januar -1920 zwei schutt-
erfüllte Gruben angeschnitten. Die südlicher gelegene war 2,2 m breit bei
1,80 m Tiefe und enthielt nur Steine, Holzkohle (nur Eiche!), Tierknochen
und Scherben. Die nördliche Grube maß 3,6 m Länge bei 1,60 m Tiefe.
Es sollen bereits vier bis fünf solcher Gruben abgegraben worden sein; eine
davon habe Hufeisen enthalten. (Nach Mitteilung von G. Bersu.)
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