Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — N.F. 1.1922

Page: 46
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fundberichte_schwaben1922/0052
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
46

Bei Schnitt III und IV in der Nordostecke der Burg — III gleich am
Fuße des Walls, IV 23 m südwestlich davon — kam unter der Humusdecke
eine wesentlich hellere Kulturschicht zutage als bei I und II. Auch hier
wurden eine ganze Anzahl Scherben gesammelt.
Die Funde: Schnitt I: a) Keramik. Aus den vielen Scherben war
es möglich, ein schlankes, 26 cm hohes Gefäß zusammenzusetzen (Abb. 6, 4).
Es hat 16 cm Mündungs- und 11 cm Standflächendurchmesser. Der Ton
hat dunkelgraue Farbe, ist gut gebrannt und außen und innen sorgfältig
geglättet. — Die übrigen Scherben sind von den verschiedensten Gefäßen,
groben und feinen, alle sind sorgfältig geglättet. Es überwiegt die dunkel-
graue und schwarze Ware, doch kommt auch gelbbraune und vereinzelt
rotbemaite vor. Alle tragen den Charakter der Hallstattzeit, und zwar der
Stufe H4. Die Randstücke haben nicht mehr die scharfe Profilierung der
vorhergehenden Stufe, sie sind sämtlich nur leicht nach außen geschweift.
Von verzierten Scherben ist nur einer vorhanden mit gekerbtem Rand und
darunter einer Reihe wohl mit einem Hölzchen gemachter, etwa 1 cm breiter
Eindrücke. Im ganzen ähnelt diese Keramik sehr der des Schnittes V von
der Heunenburg bei Upflamör. -— Das in Schnitt I gefundene Webegewicht
entspricht denen aus den Gräbern auf dem Gießhübel. — b) Die Knochen.
Es überwiegen die Knochen einer kleinen Rinderrasse, dazu kommt Schwein,
Ziege, Schaf und von Wild das Reh und der Biber.
Die Scherben aus Schnitt III und IV sind ausgesprochene Spät-Ea-Tene-
Scherben, grob und roh. Der Ton ist stark mit Glimmer durchsetzt. — Er-
wähnt sei hier noch ein von der Oberfläche aufgelesenes Randstück aus gut
gebranntem schwärzlichem Ton mit drei scharf profilierten Rillen unter
dem leicht nach auswärts gebogenen Rande (Mittel-Ra-Tene).
Schon früher hat man die Fleuneburg mit den benachbarten großen
Hallstattgrabhügeln des Gießhübels in Verbindung gebracht. Die kleine
Grabung hat die Richtigkeit dieser Annahme bestätigt. Die hartgebrannten
großen Rehmbrocken des Schnittes I deuten auf ein starkes Feuer hin, das
auf der Burg gewütet hat. Ob sie von dem Eehmbewurf eines großen Hall-
statthauses oder von dem der Befestigungsbauten herrühren und später erst
vom Walle herabgeschwemmt sind, darüber muß eine erneute Grabung Klar-
heit geben, auch darüber, ob sich wirklich die Hallstattsiedlung auf den
südlichen Teil der Burg, die La-Tene-Siedlung auf den nördlichen Teil er-
streckte, wie es nach den bisherigen Ergebnissen den Anschein hat.
V e e c k.
R i ß t i s s e n. In einem Obstgarten am Osthang des Galgenbergs
westlich vom Ort, wo Schloßgärtner Schwarz schon früher Scherben gefunden
hatte, fand Bersu Oktober 1921 in zwei Probelöchern eine Kulturschicht
wahrscheinlich der Hallstattzeit. AS. A 1182.
Die Heunenburg (Markung Upflamör, OA. Riedlingen).
Von G. Bersu.
Etwa 8 km nördlich des Städtchens Riedlingen a. d. Donau liegt noch
innerhalb der hier außerordentlich vielgestaltig gegliederten schwäbischen
Alb auf der Markung Upflamör die „Heunenburg“, eine der mächtigsten
Wallburgen Württembergs. Der Name „Heune“ in Verbindung mit einer
aus alter Zeit stammenden Anlage kommt häufig vor. Die dem Nicht-
germanisten einleuchtendste Erklärung des heutigen Namens Heunenburg
gleich Riesenburg vom mittelhochdeutschen „Hiune“ gleich Riese, Hüne
loading ...