Die Gartenkunst — 14.1912

Page: 97
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gartenkunst1912/0105
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
XIV, 7

DIE GARTENKUNST.

97

Wettbewerb „Friedhofbauten und -Erweiterung“ Pforzheim.

Von Hoffmann, städtischer Garteninspektor, Pforzheim.

Friedhofwettbewerbe sind seit einer Reihe von
Jahren eine ständig wiederkehrende Erscheinung im
Kommunalleben. Sei es, daß das überraschend schnelle
Anwachsen der Wohnzentren die Bebauungsgrenze hart
an die Mauern der Begräbnisstätten herangedrängt hatte
und dadurch ein Auflassen der Friedhöfe und ein Neu-
errichten solcher an vorgeschobeneren Punkten der
Stadtgemarkung notwendig machte; oder sei es, daß
sparsamere Stadtverwaltungen, die an einer Neu-
errichtung kostspieliger Beerdigungs-Institute nicht
denken konnten, die bestehenden, zum Teil zu eng
gewordenen, zum Teil Großstadtbedürfnissen nicht
mehr angepaßten Friedhöfe erweitern und umfang-
reichere Friedhof bauten anfügen mußten: Jedenfalls
hat die neuere Zeit ein Aufleben der Friedhofgestaltung
gebracht, welches die vordem kaum sonderlich gewür-
digten Begräbnisstätten über Nacht zu einem wohl zu
berechnenden Faktor im Gemeindehaushalte gereift hat.

Die Stadt Pforzheim hatte so manches nachzuholen.
Vor kaum zwanzig Jahren hatte die Stadt mit 24000
Einwohnern noch nicht das erste Viertelhunderttausend
erreicht, — und heute bemüht sich Pforzheim schon,
die Allüren einer Großstadt anzunehmen, damit nicht
mit dem ersten Hunderttausend der Eintritt in die
Reihe der Großstädte unvorbereitet überrascht. Anders-
wo geht es aber vielfach nicht besser. Die Entwickelung
des Stadtbildes und der öffentlichen Einrichtungen
wird, — und dies ist fast zur Regel geworden in
deutschen Industriestädten, — von der rapiden Be-
völkerungszunahme vielmals überholt. Man glaubte auch
an das Dauern des Aufschwunges nicht, so daß die
Sparer lange Zeit in der Gemeindestube die Oberhand
über die weitblickenderen Elemente behielten, die in
zweckmäßigen und den Zeitläufen entsprechenden Auf-
wendungen die beste Sparsamkeit erblickten.

Pforzheim ist verhältnismäßig früh aus diesem
Dornröschenschlummer erwacht, und man bemüht sich,
in flottem Tempo nachzuholen, was noch nachzuholen
ist. Mancher Anschluß mag wohl versäumt sein; aber
die großzügigen Projekte, die keiner werdenden Groß-
stadt erspart bleiben, die Flußregulierungs-, Kanali-
sations-, die Stadtbebauungsarbeiten etc. sind heute
noch in Ausführung und verbrauchen eine ununter-
brochene Reihe von Millionen.

•— Da muß minder Notwendiges zurückstehen und,
— es ist ja zur Genüge bekannt, wo dann die Spar-
samkeit zuerst einzusetzen pflegt.

Das städtische Gartenwesen hat sich, obgleich
immer nur recht bescheidene Mittel zur Verfügung
standen, in erfreulicher Weise entwickelt. Bis zum
Jahre 1907 wurden die wenigen bestehenden Anlagen,
die Friedhöfe, sowie die Allee- und Obstbaumpflan-

zungen vom städtischen Tiefbauamte verwaltet und von
Handelsgärtnern im Nebenamte unterhalten.

Im Jahre 1907 wurde eine Stadtgärtnerei errichtet
und für die Unterhaltung der städtischen Anlagen und
Anpflanzungen eine eigene Verwaltung als selbständiges
Ressort geschaffen, der auch kurz darauf die Friedhof-
verwaltung angegliedert und in der Folge die Ver-
waltung der städt. Liegenschaften übertragen wurde.

Der Hauptfriedhof „Auf der Schanz“ besteht seit
dem Jahre 1877 und gilt, obgleich die Aufteilung streng
schematisch bewirkt wurde, als zweckmäßige und —
im selben Maße als der Baumbestand heranwuchs —
nicht unschöne Anlage. Das Hauptmoment seiner
Schönheit liegt in seiner Lage. Einen Ungezogenen
Höhenrücken in seinem westlichen Abschlüsse be-
krönend beherrscht er die ganze Stadt; der pracht-
vollen Fernblicke in die Täler und Höhen des Schwarz-
waldes halber wurden seine schattigen Alleen ein von
Spaziergängern gern besuchter Ort — und dies um so
mehr, als es sonst in der Stadt mit Ausnahme des
räumlich ziemlich beschränkten Oststadtparkes noch an
anderen grösseren Anlagen mangelt. Das Bedürfnis nach
solchen ist auch nicht so rege wie anderswo, da Pforz-
heim als die „porta hercynia“ gilt, wo unmittelbar vor
dem Tore der tannenduftende Schwarzwald einladet.

Nachdem der Friedhof im Jahre 1908 unter fach-
liche Leitung gestellt worden war, trat eine Änderung
in der Bewirschaftung ein. Noch im selben Jahre wurde
der bis zu diesem Zeitpunkte noch mittelst Zisternen
bewässerte Friedhof an des Rohrnetz der städtischen
Wasserleitung angeschlossen. Im darauf folgenden Jahre
wurden am Friedhofe selbst Verwaltungsräume ge-
schaffen, entsprechend vorgebildete Beamte angestellt,
das gesamte Bestattungswesen der neu geschaffenen
Friedhofverwaltung (Stadtgärtnerei) unterstellt und teil-
weise neu geregelt.

Im Jahre 1908 konnte keine unbenutzte Fläche
mehr für Erbbegräbnisse verfügbar gemacht werden.
Nach den Plänen und Vorschlägen der Friedhofver-
waltung wurden erstmals einige abgelegene Kinderfelder
in Erbbegräbnisanlagen mit einem Kostenaufwande von
4500 Mk. umgewandelt. Die Anlage sollte ein Muster
für die weitere Ausgestaltung werden und ist es auch,
soweit die alte Friedhofordnung in bezug auf Grab-
denkmäler und Einfassungen nicht versagte, geworden.
Die Platzkalamität blieb, und derselbe Vorgang wieder-
holte sich in den Jahren 1910 (4700 Mk.) und 191 i
(8000 Mk.).

Im Jahre 1909 wurde von der Friedhofverwaltung
in einer umfänglichen Denkschrift das Unzulängliche
der bestehenden Einrichtungen erwiesen und vor allem
mit vollem Nachdrucke die Tatsache festgestellt, daß
loading ...