Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 1.1829

Seite: 317
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Beschreibung des Verfahrens bei Anfertigung leichter
Gewölbe über Kirchen und ähnlichen Räumen

(Vom Herrn Bau-Inspeclor von Lassaulx zu CoLlenz.)

Nachdem der Verfasser auf mancherlei Wegen zu der Überzeugung ge-
langt war, dafs der sogenannte gothisehe, wie der vorgothische, oder, ge-
nauer- bezeichnet, der spitzbogige und rundbogige Baustyl für Kirchen
nicht allein die zweckmäfsigsten und würdigsten, sondern sogar die wohl-
feilsten sind, dachte er auf Mittel, wie die Ausführung der hierdurch,
wenn auch nicht ausschliefslich bedingten, doch wo es die Mittel nur
immer gestatten, ausschliefslich anzuwendenden Steingewölbe zu erleich-
tern sein möchten. Weite und dabei leichte Gewölbe gehören unstreitig
zu den kühnsten und sinnreichsten menschlichen Erfindungen; sie ge-
ziemen unstreitig wohl schon darum Gebäuden, welche zur Anbetung
und Verherrlichung Dessen errichtet werden, dem wir alles verdanken.
Dann aber erfordert es auch die Achtung, welche die Gemeinde dem
ILeben ihrer Bürger schuldig ist, dafs dieselben nicht ohne Noth bei gro-
fsen Versammlungen und einer plötzlich eintretenden Feuersbrunst dem
unsäglichen Unheil Preis gegeben werden, welches in solchen Fällen
Schrecken und Gedränge verursachet. Endlich sollte man bei Errich-
tung öffentlicher Bauwerke stets der goldenen Worte des bekannten Be-
schlusses der Republik Florenz vom Jahre 1294 gedenken, dafs Alles,
was für das Gemeinwesen ausgeführt wird, der erhabenen
Idee des Gesammtwillens der Bürger entsprechen müsse.
Wer aufserdem nur einigermafsen zu Denen gehöret, die gerne Etwas zu
Stande bringen möchten, was weder Rost noch Motten zu fürchten hat,
und nichts für unmöglich halten, was schon öfters möglich gewesen, der
wird schon nicht leicht einen Regenbogen erblicken, ohne Lust zum Wöl-
ben zu verspüren.

Crellc's Journal d. Baukunst, t Bä. 4. Hft. [ 41 ]
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